Wie ein Sturm aus dem Nichts

Das Esbjörn Svensson Trio entführte in der Kreuztaler Stadthalle in musikalische Welten

ciu Kreuztal. Wo ist er nur, dieser Punkt, an dem sich die Sache dreht? An dem die entspannte Atmosphäre ins Wanken gerät, eine beunruhigende Dynamik entfaltet, Fahrt aufnimmt und unbändige Kraft? Wie ein Sturm aus dem Nichts brechen sich Rhythmen und fette Klänge Bahn, um ebenso unvermittelt und überraschend zu verklingen. Das ist eines der Phänomene, mit denen e.s.t., das Esbjörn Svensson Trio, spielt.

Ein anderes ist der hörbare Zauber, der entsteht, wenn Klavier, Bass und Schlagzeug derart dicht miteinander verwoben sind und gemeinsam und allein nach neuen, nie gehörten Sounds suchen. Große Gefühle können in der Musik von e.s.t. baden. Auch, weil diese erdige Art des Jazz’ so wohltuend frei von akademischem, selbstverliebtem Getue ist.

Am Montagabend gastierten Esbjörn Svensson (Piano), Dan Berglund (Kontrabass) und Magnus Öström (Drums) in der ausverkauften Kreuztaler Stadthalle und entführten runde zwei Stunden lang in musikalische Welten, die mal fremd, mal gut bekannt schienen. Nie spielten e.s.t. einfach nur Klavier, Bass oder Schlagzeug, immer arbeiteten sie sehr bewusst und mit Mut zum verfremdenden Experiment an Tönen und Stimmungen. Was sphärisch klingen und sehr meditativ wirken kann (wie in der ganz stillen Ballade »Sipping On The Solid Ground«), sich aber auch zu einer ziemlich wüsten Angelegenheit entwickeln kann – »The Goldhearted Miner« artet irgendwann in ein rockmusikalisches Inferno aus. Doch keine Sorge: Die drei Musiker aus Schweden pegeln früher oder später wieder zurück.

Zum ersten Mal kann der stürmische Applaus des Publikums nach einer guten halben Stunde aufbranden. Bis dahin gehört in einen Club verwandelte Saal allein der Musik. Zum ersten Mal ein »Dankeschön« gibt es noch viel später. Viele Worte macht Esbjörn Svensson nicht. Ein paar knappe Ansagen zu den vorgestellten Stücken (darunter etliche aus dem nagelneuen Album »Tuesday Wonderland«), später ein Hinweis auf »lots of CDs outside« – und dann setzt er sich wieder an den Steinway, ziemlich weit vorn an die Klavierhockerkante, um das zu tun, was er liebt: Piano spielen. Sehr soft und hammerhart, immer im (fast unsichtbaren) Dialog mit den Musikerkollegen, immer elektrisierend präsent. Als »Leader« des Trios ist er Gleicher unter Gleichen.

e.s.t. lassen live alles vergessen, was im Hier und im Jetzt sonst so wesentlich ist. Unwillkürlich surft man beim Zuhören mit auf der perfekten Welle aus Rhythmus und Klang. Und Licht! Denn die Effekte aus Farbe, Form und Bewegung, die fein inszenierten Videosequenzen unterstreichen die Aussagen der Musik unwillkürlich. Die Show wird zum Gesamtkunstwerk, zwei Zugaben inklusive.

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