Wo der »Gong« nur störend wirkt

Vokalklasse der Gesamtschule: »Stimmiges« Pilotprojekt gut angelaufen

nja Kreuztal. »ZZZZ, schschschsch, ffff, s-s-s-s, sch-schschsch-schsch, mmm, dubidubidubi-twidup.« 30 Jungen und Mädchen zischen, summen und singen, mal laut und mal leise – gerade so, wie es ihr Klassenlehrer Michael Blume vorgibt. »Aufwärmen« steht auf dem Programm – nicht in der Turnhalle, sondern im Musikraum der Clara-Schumann-Gesamtschule Kreuztal. Dort hat sich, wie an jedem Schultag, für eine Stunde die Vokalklasse 5 eingefunden – die erste und bislang einzige. Nicht nur an der Schule, sondern, so Blume, sogar bundesweit.

Wie berichtet, hat die Gesamtschule mit Beginn des neuen Schuljahres das Pilotprojekt ins Leben gerufen. 30 Plätze wurden vergeben, 60 angehende Fünftklässler aber waren angemeldet worden. Fünf Wochenstunden Musikunterricht – zwei »reguläre« plus zwei AG-Stunden und eine Förderstunde – stehen auf dem Stundenplan und bereiten, das zeigte eine Visite der Siegener Zeitung am gestrigen Vormittag, den Kindern viel Spaß. Drei Monate lang musizieren sie erst miteinander und haben sich in dieser Zeit schon ein beachtliches Liedrepertoire angeeignet.

Nach dem »Warm-up« und Lockerungsübungen geht es richtig los. Michael Blume stimmt gerade einen Kanon an – da ertönt plötzlich der Gong. Er winkt ab, die Töne aus dem Lautsprecher stören den Ästheten dann doch zu sehr. Er grinst seine Klasse an und bekennt: »So, jetzt fängt die Stunde eigentlich erst an!« Die Begeisterung war offenbar so groß, dass die Pause ihren Reiz verloren hatte. Und schon rattert – zumindest akustisch – eine Lokomotive durch den Musiksaal. Rhythmik und Tempogefühl sind angesagt, es wird geklatscht, und für kurze Zeit erinnert der Unterricht an eine Aerobicstunde. Alle machen mit, allen ist der Spaß ins Gesicht geschrieben – Jungs wie Mädels.

Als die »Zugfahrt« vorbei ist, fragt Michael Blume: »Wer möchte den Rollmops machen?« Was kommt jetzt? Ein Junge meldet sich – und agiert nun als Vorsänger beim Song rund um die eingelegte »Delikatesse«. Chorleiter und Sänger sind offensichtlich schon ein eingespieltes Team. Sogar zweistimmig wird schon interpretiert. Doch die Textsicherheit bei mehrstrophigen Liedern lässt dann doch hier und da noch zu wünschen übrig.

Überhaupt: Bei der Kreuztaler Vokalklasse handelt es sich um keine Elitegruppe. »Bei der Zusammensetzung wurde darauf geachtet, dass der Notendurchschnitt sich nicht von jenem der drei Parallelklassen unterscheidet«, so Blume. Also wurden auch nicht nur perfekte Sänger »aufgenommen«. Ziel ist es aber, die komplette Gruppe auf ein gutes, einheitliches Niveau zu bringen. »Es wird viel Gesangs- und Atemtechnik geübt, Gehör- und Tonbildung sowie Tonumfang werden trainiert, dazu Bewegung, Zeit- und Rhythmusgefühl«, erläutert Vollblut-Musiker Blume.

Parallel zum Klassenunterricht bittet Gesanglehrerin Susanne Sobanski die Kinder zur Einzelstimmbildung. Sie geht dann auf die individuellen Probleme ein. Die Vokalklasse ist auf drei Jahre angelegt; doch auch ab Klasse 8 erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit, in der Schule zu singen. Und auch in den kommenden Fünferjahrgängen werden wieder Vokalklassen gebildet – gute Voraussetzungen gewiss für einen wohlklingenden Schulchor.

Spätestens Weihnachten, so erzählt Blume weiter, habe jedes der 30 Kinder ein Keyboard zu Hause. Damit könne dann der Unterricht nachbereitet werden. Denn auch instrumental werden die »Fünfer« natürlich geschult. »In einem Jahr sollen sie außerdem vom Blatt singen können«, hat sich Michael Blume vorgenommen. Die so genannte »relative Solmisation« soll dabei helfen. Erste Erfolge sind schon erkennbar.

Langweilig wird es nie in den intensiven Chorstunden. Und nun warten ganz neue Erfahrungen auf die 30 Sänger(innen): In zwei Wochen müssen sie lernen, mit Lampenfieber umzugehen, länger als eine Unterrichtsstunde mehr oder weniger still zu stehen, denn: Am Sonntag, 26. November, steht ab 17 Uhr ihr erster Auftritt in der Waldorfschule Siegen an. Mit auf der Bühne stehen dann die »Blume«-Chöre »femmes vocales Eichen«, »männerSTIMMEN Siegerland« und der GV »Westfalia Osthelden«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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