Meerschweinchen entsorgt
Zwei Kisten voller Nager

 In diesen beiden Kisten wurden am Freitagabend am Parkplatz auf der Oberndorfer Höhe sieben Meerschweinchen ausgesetzt. Behandlungsbedürftig sind sie alle, einige – so wie dieser Bock – sind sogar richtig krank.
  • In diesen beiden Kisten wurden am Freitagabend am Parkplatz auf der Oberndorfer Höhe sieben Meerschweinchen ausgesetzt. Behandlungsbedürftig sind sie alle, einige – so wie dieser Bock – sind sogar richtig krank.
  • Foto: Jan Schäfer
  • hochgeladen von Archiv-Artikel Siegener Zeitung

js Burgholdinghausen/Oberndorf.  Es ist eine traurige Tendenz, die Claudia und Martin Elsner ausmachen. Seit Jahren schon engagieren sich die beiden im Tierschutz, in ihrer Notstation für Meerschweinchen an der Müsener Straße in Burgholdinghausen haben sie schon so manchem Nager ein Quartier geboten. Immer häufiger haben sie es dabei inzwischen mit ganzen Gruppen von ausgesetzten, abgestellten - geradezu entsorgten - Vierbeinern zu tun.

Erst im Juni hatten die Elsners alle Hände voll zu tun, als das Olper Tierheim es gleich mit 59 Meerschweinchen zu tun bekam, die im Nachbarkreis ausgesetzt worden waren. Aus Platzgründen sprangen die Elsners mit ihrer „Mehr-Schwein-Welt“ in die Bresche und nahmen 34 der Sauerländer Fundtiere auf; darunter zahlreiche trächtige Säue, sodass die Elsners allein durch diesen Fund rund 50 Tiere zusätzlich zu versorgen hatten. „Und das ausgerechnet in der Ferienzeit“, berichten die Elsners mit Blick auf ihren Urlaubsbetreuungsservice – bis zu 70 Nager gleichzeitig galt es somit unterzubringen. „Wir mussten baulich erweitern.“

Noch sind längst nicht alle diese Tiere aus dem Kreis Olpe vermittelt, da schütteln die Elsners die Köpfe schon wieder über den nächsten Fund. Am Freitagabend kam die nächste unverhoffte Tierlieferung – diesmal von der Oberndorfer Höhe. Dort war am vergangenen Freitag eine Spaziergängerin mit Hund auf eine kleine Abendrunde gestartet – etwa zwischen 18 und 19 Uhr. Als sie nach etwa 20 Minuten zurückkehrte zum Wanderparkplatz, fiel ihr Blick auf zwei offene Kisten: eine gelbe Plastikbox und einen stabilen Pappkarton. Darin, gebettet in ein wenig Heu, kauerten fünf männliche und zwei weibliche Meerschweinchen.

„Sie alle sind ausgewachsen“, beschreibt Martin Elsner die neuen Schützlinge. Die geschnittenen Krallen lassen darauf schließen, dass die Tiere nicht in völlig verwahrlosten Zuständen gelebt haben. „Einige sind aber krank, behandlungsbedürftig sind sie alle!“ Ob die beiden Weibchen trächtig sind, wissen die Elsners noch nicht. Auch nicht, ob die Böcke allesamt kastriert sind. Verschiedene Rassen lassen darauf schließen, dass hier nicht einfach zwei Tiere angeschafft wurden, die sich unkontrolliert vermehrt haben. Dass die beiden Kisten auf einem gut frequentierten Wanderparkplatz standen, könnte darauf hindeuten, dass der Halter auf einen schnellen Fund der Tiere gesetzt hat. „Man muss sich aber im Klaren darüber sein, dass die Tiere auch sterben können“, ärgern sich die Elsners über anonymes Aussetzen. „Vielen ist wohl nicht klar, dass sie eine Straftat begehen!“

Auf die Meerschwein-Notstation kommen mit den sieben Neuen jede Menge Arbeit und hohe Kosten zu. „Für eine Kastration müssen wir 50 Euro bezahlen“, gibt Claudia Elsner zu bedenken. Das aber ist für sie nicht das Schlimmste. Vielmehr ist ihr daran gelegen, dass Menschen gar nicht erst auf die Idee kommen, Haustiere zu entsorgen. „Es gibt doch andere Möglichkeiten“, so die Elsners. In den Tierheimen Siegen, Olpe und beim Tierschutzverein Hilchenbach etwa. Oder eben bei der „Mehr-Schwein-Welt“. Scheuen müsse sich niemand, es gehe nicht darum, den Haltern Vorwürfe zu machen. „Und geht es nur darum, dass niemand Tiere einfach aussetzt!“

Autor:

Jan Schäfer (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen