TuS Ferndorf
Der härteste Wurf der Bundesliga

Ein (größenmäßig) ungleiches Trio: Patrick Weber, Tim Rüdiger und Andreas Bornemann (von links) haben beim TuS Ferndorf noch einiges vor. Foto: Jost-Rainer Georg
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geo  Ferndorf. Seit ein paar Tagen fließt auch bei den Spielern des TuS Ferndorf wieder der Trainingsschweiß, müssen die Zweitliga-Handballer auch die unliebsamen Ausflüge auf die nahe Rundbahn des Stadions Stählerwiese in Kauf nehmen. Dem Vernehmen nach haben die Spieler aber auch schon mal einen Ball in der Hand gehabt (und das nicht nur zu fotografischen Zwecken, siehe oben). Deshalb wollte die SZ schon traditionell ein paar Willkommensworte mit den Neuzugängen wechseln, doch – klar – im Moment wird beim heimischen Handball-Zweitligisten fast alles überlagert von der durch die schwere Verletzung Lucas Puhls entstandene Torwart-Problematik (siehe auch SZ von gestern).

Puhl-Verletzung bleibt ein Rätsel

Was in der vom Verein am Donnerstag herausgegebenen Mitteilung mit keinem Wort erwähnt wurde, ist die Frage, ob es sich bei Puhls Blessur um die bereits Mitte Mai aufgetretene Handverletzung handelt und warum das nicht früher erkannt wurde. Denn durch die erst jetzt erfolgte Operation fällt der Torhüter des TuS Ferndorf mindestens bis November aus, entsteht akuter Handlungsbedarf. Das „große Schweigen“ hat nach SZ-Informationen aber auch Gründe, denn tatsächlich ist das Ganze ein Rätsel, weil nach dem Auftreten der Beschwerden sofort die „handelsüblichen“ Untersuchungen mit den modernsten Diagnosegeräten vorgenommen worden waren. Und es wurde nichts Gravierendes gefunden. Somit kann also auch nicht ausgeschlossen,werden, dass der Bruch des Kahnbeins eher zufällig, zum Beispiel im privaten Bereich, erst später entstanden ist, vielleicht auch final ausgelöst durch eine minimale Vorschädigung. Aber wer will das im Nachhinein beurteilen?

Torhüter-Markt jetzt leergefegt

Die Problematik für den TuS Ferndorf wird dadurch verschärft, dass der bereits in den Teil-Ruhestand verabschiedete Kai Rottschäfer derzeit seinen wohlverdienten Urlaub angetreten hat und somit nur noch Nachwuchs-Keeper Tim Hottgenroth zur Verfügung steht, was schon zu Trainingszwecken zumindest suboptimal ist. Gleichzeitig aber ist zu diesem Saisonzeitpunkt, wo alle Vereine in die Vorbereitung gestartet sind, der „Markt“ für potenzielle Neu-Torhüter leergefegt. Das zwingt den Sportlichen Leiter Mirza Sijaric fast zwangsläufig dazu, den Blick auch über den nationalen Tellerrand hinaus zu richten. Einen internationalen Torhüter zu verpflichten, kostet aber deutlich mehr Geld als eine wie auch immer geartete „Low-Budget-Lösung“. Geld, dass zu diesem Zeitpunkt im Etat des TuS definitiv nicht vorhanden ist.

"Brauchen neuen Torhüter"

Mirza Sijaric ist daher um seine aktuelle Aufgabe wahrlich nicht zu beneiden. „Ich muss jetzt viele Gespräche mit unseren Sponsoren führen und ihnen die Situation erklären. Hätten wir um die Schwere der Verletzung schon früh gewusst, hätten wir anders geplant. So aber war für uns klar: 22 Tore im Durchschnitt kassiert, heißt: In der Defensive, inklusive Torhüter stimmt es. 23 Tore geworfen heißt indes: Wir müssen was tun. Das haben wir mit unseren Verpflichtungen auch gemacht, nun aber ist eine missliche Situation entstanden, und ich hoffe sehr, unsere Unterstützer für die Gefahr zu sensibilisieren, die uns akut bedroht. Denn letztlich brauchen wir Ende nächster Woche einen zweiten Torhüter.“

Zwei wohnen hier, einer in Wetzlar

Egal aber, welches „Ende“ das Torwart-Thema nimmt: Das neue Trio ist jedenfalls schon mal gut im nördlichen Siegerland angekommen. Während Neu-Rechtsaußen Tim Rüdiger nach Wetzlar umgezogen ist und in der Fahrgemeinschaft „Hessen-Connection“ um Jonas Faulenbach und Jonas Müller den Platz von Jan Wörner eingenommen hat, haben die beiden Rückraum-Neuverpflichtungen Wohnungen bezogen: Andreas Bornemann wurde in Junkernhees fündig, Patrick Weber ist mit Freundin in Siegen eingezogen.

Wegen Knorpelschäden operiert

Der 21-jährige Rüdiger ist zwar der erkennbar Kleinste in diesem Trio, muss aber in ungleich größere Fußstapfen treten, nämlich jene von Lukas Zerbe, mit 173 Treffern erfolgreichster Schütze des TuS in der abgelaufenen Saison. Darunter waren auch viele Siebenmeter, weshalb der gebürtige Alsfelder schon mal „vorbaut“: „Ich werfe keine Siebenmeter, also wird das wohl nicht zu schaffen sein.“ Für Rüdiger, der jetzt in Gießen Lehramt studiert, ist es ohnehin wichtiger, erst mal wieder im Profi-Handball Fuß bzw. Hand zu fassen. „Ich habe jetzt praktisch zwei Jahre aufgrund von Verletzungen nicht gespielt.“ Wer jetzt zusammenzuckt und an Lucas Puhl denkt – Entwarnung: Rüdigers Knieprobleme betrafen Knorpelschäden, was mittlerweile operativ ausgeglichen wurde. Zu seinen neuen Mitspielern meinte der Rechtsaußen: „Ich kenne ja noch nicht alle.“

Kleine Welt des Handballs

Die Welt des Handballs ist eben doch eine überschaubare. Das gilt auch für Andreas Bornemann, den gebürtigen Frankfurter, der in Baunatal erste Erfahrungen in der 2. Liga sammelte, später für den TV Neuhausen antrat, jedoch genau ein Jahr nach dem Bundesliga-Kurz-Abenteuer der Handballer aus dem Stadtteil Metzingens. Insgesamt acht Tore warf der Linkshänder in der Zweitliga-Saison 2015/16 für Neuhausen gegen Ferndorf. Gäbe es Herbergers legendäres Notizbuch noch – bei Mirza Sijaric hätte Bornemann damals aufgrund seiner Wurfkraft einen Top-Platz erhalten. Tatsächlich verfolgte der Sportliche Leiter des TuS aber den weiteren Werdegang Bornemanns bis zuletzt in Hagen, wo er aufgrund der Personalkonstellation auf halbrechts kaum Einsatzzeiten erhielt. Da war die Zeit reif für den Wechsel ins Siegerland, wenngleich Bornemann rückblickend einräumt: „Mit diesem Kader hätte Hagen nie absteigen dürfen.“

Empfehlungen aus Friesenheim

Auch die Verpflichtung des 27-jährigen Patrick Weber fällt ein Stück weit in die Region „kleine Handball-Welt“. Denn mit der TSG Friesenheim stieg Weber 2017 in die Bundesliga auf, nachdem er 164 Tore für die „Eulen“ geworfen hatte. Trainer damals: Benjamin Matschke, seines Zeichens gut befreundet mit Ferndorfs Coach Michael Lerscht. Da wird man schon mal das eine oder andere Wort über Weber ausgetauscht haben, der sich 2018 der SG BBM Bietigheim anschloss. „Bennie kann nur Gutes über mich gesagt haben“, schmunzelt Weber im Rückblick auf seine „Eulen“-Zeit, während der Wechsel nach Bietigheim im Nachhinein ein Fehler war. „Die hatten für halblinks fünf Spieler im Kader, definitiv zwei zuviel. Ich brauche aber Spielzeit und Spielrhythmus. Es macht mir auch nichts aus, wenn ich im Spiel die ersten zwei verhaue. Das spornt mich nur noch mehr an.“

Ein Wurf mit 120 km/h gemessen

Weber ging nach einigen Bundesliga-Einsätzen von Bord und schloss sich im Winter 2019 dem Zweitligisten HSC Coburg an. Im Rückspiel der letzten Saison in Ferndorf kam er nur kurz zum Einsatz. Haften blieb aber ein Treffer, den der Zwei-Meter-Mann aus fast 14 Metern fast ansatzlos ins Ferndorfer Gebälk krachen ließ. Dazu passt ein offizieller Wert, ermittelt von Sky Sport Deutschland: Danach hatte Patrick Weber in der Saison 2018/19 mit 120 km/h den härtesten Wurf der Bundesliga!

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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