Marco Göckus vom Ejot-Team Buschhütten
"Ein Ausfall der Ironman-WM wäre sehr traurig"

Das Bild zeigt Marco Göckus vom Ejot-Team Buschhütten beim Krafttraining zu Hause.
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  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

sz Buschhütten. Trotz Corona stehen die Athletinnen und Athleten des Ejot-Team TV Buschhütten mit der Teamleitung in ständigem Kontakt. Die SZ hatte bereits über das Jugendtraining in Buschhütten berichtet. Wie sieht es für die Qualifikanten für Hawaii 2020 aus? Sportdirektor Triathlon, Rainer Jung, hat Marco Göckus, der sich für die Ironman-Weltmeisterschaften auf Hawaii im Oktober 2020 bereits qualifiziert hat, telefonisch interviewt. Wie sieht sein Weg nach Hawaii 2020 aus? Wie hat er sein Training umgestellt? Wird Hawaii 2020 stattfinden?

Die wohl wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Dir und Deiner Familie aktuell? Seid ihr gesund?
Marco Göckus: Mir und meiner Familie geht es Gott sei Dank gut und wir sind alle wohl auf.
Bist Du aktuell noch voll am Arbeiten oder gibt es auch bei Deinem Arbeitgeber bereits Kurzarbeit?
Göckus: Zurzeit sind wir noch voll am Arbeiten, haben aber einiges umstrukturiert, damit die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich ist. Sicherlich kann es sein, dass auch bei uns die Auftragslage rückgängig sein wird, was wir aber nicht hoffen wollen.

Das Coronavirus hat weltweit den Sport infiziert. Veranstaltungen und Wettkämpfe werden überall abgesagt. In Deutschland schließen Schwimmbäder, Turnhallen und Fitnessstudios. Wie erlebst Du diese Situation hier im Siegerland?
Göckus: Wir als Ausdauersportler sind natürlich, wie auch viele andere Sportler, extrem ausgebremst in unserem Handeln und Training. Aber Gott sei Dank haben wir hier keine Ausgangssperre, sodass man sich mit der Situation einigermaßen arrangieren kann. Es gilt jetzt, den Trainingsplan diesbezüglich umzugestalten und sich anders als sonst vorzubereiten.

Du hältst Dich sicher mehr im Hause auf. Aber ein Triathlet muss doch jetzt auch zum Schwimmen, Radfahren und Laufen gehen. Wie regelst Du dies?
Göckus: Ich benötige für meine Vorbereitung viele Schwimmumfänge, um eine solide Schwimmleistung für die Wettkämpfe hinzubekommen. Das ist natürlich in der jetzigen Krisensituation nicht umsetzbar. Auch fehlen mir die Tempoläufe im Stadion mit meinen jüngeren Vereinskollegen, die mich immer wieder motiviert haben, ein hohes Tempo mit ihnen mitzugehen. Mein Lauftraining gestalte ich, wie die meisten von uns, im Moment alleine. Auch mache ich weniger Tempoläufe als sonst.

Du meidest ja sicherlich Kontakte – also Training alleine?
Göckus: In den Wintermonaten bis hin zum Frühjahr bin ich viel auf der Rolle gefahren, aber zur Zeit fahre ich hauptsächlich mit dem Mountainbike im Wald und auf Radwegen, um dem Kontakt mit Fremden aus dem Wege zu gehen. Auch mein Lauftraining gestalte ich alleine, was mir im Moment doch ziemlich schwerfällt.

Welche Umfänge spulst Du noch in einer Woche ab?
Göckus: Zurzeit trainiere ich in der Woche zwischen 9 und 13 Stunden, je nach Wetterlage und körperlicher Verfassung.

Wie sind die nächsten angedachten Wettkämpfe? Was sollten denn im Sommer Deine Rennen sein?
Göckus: Das Jahr war für mich dieses Mal perfekt mit Wettkämpfen und Trainingslager durchstrukturiert. So früh und so gut wie noch nie. Ich wäre jetzt im März für 17 Tage ins Trainingslager nach Mallorca gefahren und danach mit meinem ersten Wettkampf bei den Deutschen Duathlon-Meisterschaften in Alsdorf gestartet. Ich hätte auch für alle vier Seniorenliga-Rennen bereit gestanden, wobei ein Rennen eine Mitteldistanz ist. Auch hatte ich mich im Juni für die Deutsche Meisterschaft Sprint-Distanz in Düsseldorf angemeldet, die ja leider aktuell ebenfalls nicht stattfinden kann/verschoben werden soll. So wie es im Moment aussieht, werden meine beiden nächsten geplanten Trainingslager in Holland und Südtirol auch nicht stattfinden können. Mein größtes Highlight für dieses Jahr sollte eigentlich der Ironman Hawaii sein.

Du bist bereits für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii im Oktober 2020 qualifiziert. Wie läuft Deine Vorbereitung auf dieses wichtige Rennen?
Göckus: Aufgrund der jetzigen Situation habe ich mein Trainingsprogramm etwas runtergefahren und wollte ab Mai mein Training in punkto Ironman Hawaii Schritt für Schritt steigern.

Hilft es bei der Aufrechterhaltung der Motivation, dass der Ironman Hawaii im Oktober 2020 noch weit entfernt liegt?
Göckus: Natürlich hält man sich an dem Gedanken fest, dass es noch lange hin ist bis Oktober und hat die Hoffnung, dass sich die Situation in der Welt bis dahin wieder einigermaßen normalisiert hat.

Wie realistisch ist es für Dich, dass der Ironman Hawaii 2020 stattfinden kann? Habt Ihr die Reise bereits gebucht? Wie würde sich eine Hawaii-Absage auswirken?
Göckus: Ganz ehrlich hoffe ich natürlich von ganzem Herzen, dass der Ironman Hawaii 2020 stattfinden kann, aber man macht sich schon sehr viele Gedanken, wie das vonstatten gehen soll, wenn schon so viele Qualifikationsrennen abgesagt bzw. verschoben worden sind. Die Reise nach Hawaii haben wir aufgrund meiner frühen Qualifikation im November 2019 in Cozumel bereits im Dezember komplett gebucht. Flüge sowie Unterkunft stehen und haben schon kräftig an unserem Geldbeutel gerüttelt. Würde der Ironman Hawaii abgesagt, wäre das für mich persönlich eine echte Katastrophe. Ich habe mich letztes Jahr sehr gut und mit unendlich viel Fleiß auf den Ironman Cozumel vorbereitet, bei dem ich ein für mich mega gutes Rennen absolviert habe, um mich zu qualifizieren. Es gibt nicht viele Altersklassen-Athleten in der M 50, die einen Ironman unter 9:30 Stunden finishen. Dann nicht zur Weltmeisterschaft nach Hawaii zu können, obwohl man sich qualifiziert hat, wäre schon sehr traurig. Ganz abgesehen von den Kosten.

Wenn Du einen Wunsch frei hättest für dieses Jahr, was würdest Du Dir dann wünschen?
Göckus: Ich wünsche mir, dass wir alle diese schreckliche Zeit gut und vor allem gesund überstehen. Das wäre für mich das Wichtigste!

Autor:

Redaktion Sport aus Siegen

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