2. Handball-Bundesliga
„Irgendwann am Scheideweg“

sz  Ferndorf.  Vor seinem letzten Zweitliga-Handballspiel im Trikot des TuS Ferndorf morgen um 18 Uhr beim Absteiger VfL Eintracht Hagen sprach die Siegener Zeitung noch einmal ausführlich mit dem scheidenden TuS-Torhüter Kai Rottschäfer. - Das Interview im Wortlaut:

Siegener Zeitung: „Letzten Samstag der große öffentliche Abschied in ihrem Handball-Wohnzimmer, morgen aber das wirklich allerletzte Spiel - was wird für Sie der schwerere Gang?“

Kai Rottschäfer (Torhüter TuS Ferndorf): „Beide hat etwas Besonders. Gegen Emsdetten, das war mich für schon sehr emotional. Alle Zuschauer standen auf, als ich nochmal rein durfte. Ich habe mittlerweile viele Fotos bekommen und mir auch den WDR-Beitrag angesehen. Aber morgen, ja, das hat auch seine Spitzen, zumal es gegen Hagen geht.“

SZ: „Dabei sind Sie ja schon einmal quasi zurück getreten ...?“

Rottschäfer: Ja, das war 2011, in dem Jahr, als wir erstmals Drittliga-Meister wurden, aber auf den Aufstieg verzichtet haben. Danach bin ich privat ins Ausland verreist und war von August bis November weg und dachte damals, dass jetzt mal die anderen ran sollen.“

SZ: „Aber irgendwie wollte Trainer Caslav Dincic dann doch nicht auf Sie verzichten, und prompt folgte ein weiterer Karriere-Höhepunkt...“

Rottschäfer: „Ich glaube, der erstmalige Aufstieg in die 2. Bundesliga am Ende jener Saison 2011/2012 war der emotional überwältigendste.“

SZ: „Erzählen Sie nochmal, was damals passierte.“

Rottschäfer: Wir hatten zunächst beim Auswärtsspiel an einem Sonntag in Nordhemmern erfahren, dass der Vorstand beschlossen hatte, diesmal den Aufstieg zu realisieren. Wir brauchten dann in Edewecht nur noch einen Punkt zum Aufstieg, lagen aber in der 1. Halbzeit schon mit sieben Treffern hinten. Dann haben wir uns reingebissen und mit einer unglaublichen Willensleistung für das Remis gesorgt. Tim Hilger, Christian Stelzenbach und Jonas Faulenbach warfen damals mit all ihrem Können und ihrer Entschlosenheit das entscheidende Ausgleichstor - was dann kam, war einfach nur unglaublich!“

SZ: „Es war ein langer Weg nicht nur für Sie. Ein Blick auf den Kader von 2006, und man sieht viele bekannte Gesichter, die auch heute noch bei jedem Heimspiel dabei sind.“

Rottschäfer; „Ja natürlich! Michael Lerscht und Alex Orlov sind ja jetzt unsere Trainer, dann die Sijaric-Brüder David Wellen oder Nils Hambloch.“

SZ: Aber 2006 in ihrem ersten Jahr in Ferndorf, damals noch in der Oberliga, waren Sie noch nicht einmal Stammspieler, oder?“

Rottschäfer: „Nein, keineswegs. Ich war erst 21, und David Wellen war klar im Vordergrund.“

SZ: „Wann hat sich danach eigentlich so eine Richtung ergeben, dass der TuS Ferndorf ganz nach oben marschierte?“

Rottschäfer: „Das war, als man das Gummersbacher Handball-Umland entdeckte und die richtigen Spieler holte. Mit mir kamen die Sijaric-Brüder, aber denken Sie auch an Max Hamers, Timo Blanz, Maik Pallach, Carsten Lange, Dennis Aust, Tim Hilger oder Ceven Klatt - alles Spieler, die dann den TuS Ferndorf lange geprägt haben.“

SZ: „Aber es war ja nun auch keine Einbahnstraßen-Entwicklung nur nach oben?“

Rottschäfer. Rückschläge gehören im Sport wie im Leben dazu. Aber man hat in Ferndorf aus vielem gut gelernt, vor allem aus dem letzten Abstieg aus der 2. Liga vor zwei Jahren. Da hat man die richtigen Rückschlüsse gezogen.“

• SZ: „Was ist aus Ihrer Sicht geschehen?“

Rottschäfer: „Man hat die richtigen Spieler geholt, Jungs, die auf dem Teppich bleiben, die den diesen besonderen Standort Ferndorf akzeptieren. Wir verstehen uns auch untereinander wirklich prächtig. Außerdem hat sich das Umfeld toll entwickelt, vor allem diese vielbeschworene Familie Ferndorf kann man als Imageträger gut verkaufen.“

SZ: Ein Muster für die nächsten Jahre....?“

Rottschäfer: Das weiß ich nicht. Irgendwann wird man am Scheideweg stehen und muss vielleicht einen anderen Weg gehen. Aber es ist schon gut, dass hier vieles gewachsen ist und dass wir alle realistisch bleiben.“

SZ: Im Hallenheft haben Sie bereits angestoßen, dass man sich mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden geben sollte, weil schon die nächste Spielzeit viel schwieriger werde. Wie meinen Sie das?“

Rottschäfer: „Was dieses Jahr war, wird nicht selbstverständlich sein. Wir brauchen mehr einfache Tore. Wir reißen uns mit unserer Spielweise hinten sonstwas auf, aber vorne fehlen uns dann manchmal die Körner. 25, 26 Tore reichen eben oft, aber, wie man gegen Emsdetten gesehen hat, eben nicht immer.“

SZ: „Aber auch die Torwartposition ist sehr wichtig. Man munkelt, dass sich der TuS noch nach einer Verstärkung umsieht. Wie müsste ihr Nachfolger gebacken sein?“

Rottschäfer: „Lucas Puhl uns ich sind als Torhüter schon sehr ähnlich, aber wir ergänzen uns auch. Egal welche Voraussetzungen ein Torhüter mitbringt: er sollte immer dann da sein, wenn der andere mal nicht so gut ist.“

SZ: „Und was wird aus Ihnen so?“

Rottschäfer: „Ich mache jetzt erst mal Urlaub mit der Familie. Als Lehrer bin ich ja auf die Ferien angewiesen, was natürlich auch im Hinblick auf die 2. Mannschaft in die Vorbereitung fällt. Ich hoffe aber, dass alle gesund bleiben und ich dort helfen kann. Körperlich habe ich die Anforderungen zuletzt schon gemerkt, wenn auch meistens erst so montags.... (lacht). Aber vor allem war es der zeitliche Aufwand mit Beruf, Familie und Sport, der so anstrengend geworden ist

Autor:

Jost-Rainer Georg (Redakteur) aus Siegen

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