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Ejot-Team-Macher Rainer Jung im Interview
„Wenn besser möglich ist, ist gut nicht genug“

Umtriebig, unermüdlich, ambitioniert: Rainer Jung hat das Ejot-Team Buschhütten zu dem gemacht, was es heute ist: zum Branchenführer im deutschen Triathlon.
  • Umtriebig, unermüdlich, ambitioniert: Rainer Jung hat das Ejot-Team Buschhütten zu dem gemacht, was es heute ist: zum Branchenführer im deutschen Triathlon.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Uwe Bauschert (Redakteur)

ubau Buschhütten. Macher, Initiator, Führungsfigur – auf Rainer Jung treffen all diese Bezeichnungen zu. Angetrieben von großer Leidenschaft, Beharrlichkeit, schier unbändigem Ehrgeiz und dem Mut, alte Zöpfe abzuschneiden und Neues zu entwickeln, hat er mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehefrau Sabine sowie einiger Mitstreiter das Ejot-Team Buschhütten zum „FC Bayern des Triathlon-Sports“ gemacht. Zudem rief der 62-Jährige 1987 den Buschhütten-Triathlon ins Leben, der mittlerweile sogar großes nationales Renommee erlangt hat. Die SZ sprach mit dem umtriebigen Funktionär aus Buschhütten über Wertschätzung, Visionen und darüber, was die SZ mit der Erfolgsgeschichte des Ejot-Teams zu tun hat.

ubau Buschhütten. Macher, Initiator, Führungsfigur – auf Rainer Jung treffen all diese Bezeichnungen zu. Angetrieben von großer Leidenschaft, Beharrlichkeit, schier unbändigem Ehrgeiz und dem Mut, alte Zöpfe abzuschneiden und Neues zu entwickeln, hat er mit der tatkräftigen Unterstützung seiner Ehefrau Sabine sowie einiger Mitstreiter das Ejot-Team Buschhütten zum „FC Bayern des Triathlon-Sports“ gemacht. Zudem rief der 62-Jährige 1987 den Buschhütten-Triathlon ins Leben, der mittlerweile sogar großes nationales Renommee erlangt hat. Die SZ sprach mit dem umtriebigen Funktionär aus Buschhütten über Wertschätzung, Visionen und darüber, was die SZ mit der Erfolgsgeschichte des Ejot-Teams zu tun hat.

Aufgrund der anhaltend hohen Infektionszahlen ist Deutschland erneut in einem harten Lockdown. Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für Sie ganz persönlich (gehabt)?
Rein beruflich habe ich häufig im Homeoffice gearbeitet. Dort fehlt mir als Firmenkundenberater der Volksbank in Südwestfalen aber schon der direkte Kundenkontakt. Die „Face to Face“-Termine waren für mich immer sehr wichtig und der Grund, warum ich meinen Beruf so gerne ausübe. Am Ende des ersten Quartals 2021 gehe ich in die passive Altersteilzeit und freue mich schon jetzt darauf, dann im „Unruhestand“ zu sein.
Corona hat das Sportjahr 2020 maßgeblich geprägt. Auch Triathlon-Veranstaltungen fanden nur sehr eingeschränkt statt. Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, den – auch bundesweit viel beachteten – Buschhütten-Triathlon abzusagen?
Es war eine sehr schwere, aber auch eine richtige Entscheidung. Nicht nur, dass wir die Früchte der bis dahin geleisteten Arbeit nicht ernten konnten, sondern auch rein finanziell war es sehr schwierig für uns und den Verein. Nur dank der Solidarität der gemeldeten Teilnehmer*innen sowie unserer Sponsoren und Partner konnten wir den Mund über Wasser halten. Dadurch haben wir uns die Chance erhalten, Planungen für eine Veranstaltung 2021 anzustellen.
Wie sind Sie beim Ejot-Team Buschhütten mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie umgegangen?
Unser Ziel war es immer, den Support für unsere Team-Mitglieder auch in diesen besonderen Zeiten beizubehalten. Besonders im Nachwuchsbereich haben wir die komplette Unterstützung leisten können. Aber speziell für die Profis in unserem Team war und ist es eine harte Zeit. Keine Rennen bedeutet auch keine Einnahmen. Wo wir helfen konnten, haben wir das getan. Auch das war nur möglich, weil unsere Partner und Sponsoren uns hier die Treue gehalten haben. Im Gegenzug haben wir seit Beginn des Jahres unsere Social-Media-Präsenz auch für unsere Sponsoren enorm gesteigert. Mittlerweile sind es über 700 Berichte, die dort veröffentlicht wurden. Aber all das hat uns an den Rand und manchmal auch über den Rand des Zumutbaren gebracht.
Die Verantwortlichen der Triathlon-Bundesliga haben sich dazu durchgerungen, in 2020 ein einziges „echtes“ Saisonrennen durchzuführen. War das die richtige Entscheidung oder hätten Sie sich eine andere Lösung gewünscht?
Wir haben ein reales Rennen in Saarbrücken gehabt und einen dezentralen Swim & Run. Ich denke, mehr war nicht möglich, da in der Kürze der Zeit auch nicht mehr organisierbar war. Insofern haben wir die Absage der Deutschen Team-Meisterschaft zwar bedauert, weil es auch wirtschaftliche Einbußen zur Folge hatte, aber es war wohl nicht anders darstellbar. Positiv war: Wir haben beide Rennen gewonnen und auch eine tolle mediale Präsenz erreicht.
Sie gelten als „Spiritus Rector“ des Ejot-Teams und des Buschhütten-Triathlons. Hätten Sie sich in den Anfangszeiten Ihrer Tätigkeit vorstellen können, eine derartige Erfolgsgeschichte zu schreiben?
Nein, sicher nicht. Denn nach dem Aufstieg 2002 in die erste Bundesliga erfolgte der sofortige Abstieg. Wir waren zu dieser Zeit sportlich einfach nicht gut genug. Und hätte ich damals auf die Frage von Ihnen, wohin denn nun die Reise des Ejot-Team geht, nicht – im Spaß – geantwortet: „Ich will mal Deutscher Triathlon-Meister werden“, so glaube ich, ich wäre heute noch Fußball-Trainer und nicht Triathlon-Sportdirektor. Aber da die SZ diese Antwort damals veröffentlichte, hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Das Ergebnis ist ja bekannt... (lacht).
Was hat Sie in all den Jahren angetrieben?
Leidenschaft, Mut, Beharrlichkeit und Ehrgeiz. Nicht mit dem zufrieden sein, was man erreicht hat. Mein Antrieb war und ist: Wenn besser möglich ist, ist gut nicht genug. Zudem bereitet es mir Freude, maßgeblich mit dazu beitragen zu können, dass mittlerweile über 100 Sportler*innen mit toller Unterstützung ihrem Triathlon-Sport im Ejot-Team nachgehen können.
Worauf sind Sie besonders stolz?
Dass es gelungen ist, den Triathlon-Sport in der Region anerkannt und „salonfähig“ gemacht zu haben. Überregional haben wir mit dem Ejot-Team und der Veranstaltung in Buschhütten eine Marke geschaffen, die anerkannt ist und manchmal sogar als Vorbild dient.
Die Ejot-Männer sind mittlerweile zehn Mal Deutscher Meister geworden, das Ejot-Frauen-Team acht Mal. Wo soll das noch hinführen?
Nun: Stillstand ist Rückschritt. Soll heißen: Das erste Mal Deutscher Meister zu werden (2009, Anm.d.Red.) zu werden, war sehr schwierig. Noch schwieriger ist es aber, den Titel so oft zu verteidigen. Denn die anderen Teams verbessern sich auch immer mehr und kratzen stetig am Thron. Natürlich versuchen wir noch ein paar Titel zu holen. Sollte es am Ende mal nicht ganz reichen, so ist es sehr wichtig, dass man dann sagen kann: Wir haben alles gegeben. Und mit „wir“ meine ich nicht nur die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch und gerade das Team um das Team. Wir müssen Triathlon leben – immer ein Stück mehr als alle anderen. Sonst wird es irgendwann nicht mehr für ganz oben ausreichen.
Wie sehen die Planungen und Ziele für 2021 aus?
Den Triathlon in Buschhütten wollen wir auch unter den erschwerten Corona-Bedingungen zu einem Fest werden lassen. Und was die fünf Ejot-Teams anbelangt: Die sollen sich in ihren Ligen bestmöglich präsentieren. Zudem ist eines unserer Anliegen, dass sich unser Nachwuchs stetig verbessert.
Mit Blick auf die Vielzahl der Erfolge: Fühlen Sie und das Ejot-Team sich in der Öffentlichkeit genügend wertgeschätzt?
Das ist eine sehr subjektive Betrachtung. Ich glaube, die breite Öffentlichkeit nimmt uns, auch dank unserer eigenen Aktivitäten, sehr wohl wahr. Unsere Präsenz, besonders auf den Social-Media-Plattformen, ist sehr gut. Meine persönliche Meinung ist aber, dass wir als das mit Abstand erfolgreichste deutsche Triathlon-Team in einer olympischen Disziplin im Vergleich zu der ein oder anderen Sportart noch mehr mediale Aufmerksamkeit verdient hätten. Wir arbeiten hart daran, weiter erfolgreich zu sein. Aber den Erfolg des Ejot-Teams und der Triathlon-Veranstaltung in Buschhütten darf man meiner Meinung nach nicht nur an den Titeln und Ergebnissen messen, sondern auch und gerade an unserem ehrenamtlichen Engagement für und in der Region.
Es ist bekannt, dass Sie und Ihre Frau Sabine unermüdlich für den (Team-)Erfolg arbeiten. Wie hoch ist der zeitliche Aufwand für den Triathlon-Sport in der Woche?
Wir stehen hier nicht mit der Stoppuhr oder der Stempelkarte und schreiben unsere Stunden auf. Aber Sabine arbeitet sicher jeden Werktag zwischen acht und zehn Stunden und fast immer auch am Wochenende diverse Stunden für den Verein. Meine gesamte Freizeit verwende ich zusätzlich für das Engagement in den Bereichen Verein, Ejot-Team und Triathlon. Wir beide kennen kein richtiges Wochenende. Wir kennen nur: geht nicht, gibt’s nicht.
Vor Ihrer Triathlon-Tätigkeit waren Sie im Fußball-Bereich tätig. Können Sie sich – in welcher Funktion auch immer – eine Rückkehr dorthin vorstellen?
Ich bin jetzt 62 Jahre jung. Der Fußball hat mir sehr viel gegeben. Ich denke gerne an meine Stationen als Trainer beim SV Langenau, SC 09 Brachbach und SV Setzen zurück. Nicht nur, weil es überwiegend auch erfolgreiche Zeiten waren. Warum soll ich mir daher nicht vorstellen können, irgendwann mal wieder in den Fußball-Bereich zurückzukehren? Ob dann als Trainer oder als Manager, um beispielsweise ein engagiertes Team bzw. Verein aufzubauen, ist nicht so entscheidend. Wichtig wäre mir: Es muss eine Herausforderung sein, es muss ein klares Ziel geben und es müsste genügend „Bekloppte“ geben, die dort gemeinsam an einer Seite des Stranges ziehen wollen.
Gibt es eine Funktion im heimischen Sport, die Sie besonders reizen würde?
Die Diskussion um die Fusion der beiden Vereine Sportfreunde Siegen und Kaan-Marienborn habe ich sehr aufmerksam verfolgt. Meine Meinung dazu habe ich ja den Medien auf Anfrage bereits mitgeteilt. Insofern wäre eine Tätigkeit als Manager der „Sportfreunde Siegerland“ oder wie auch immer der Verein heißen soll und der definitiv mittelfristiges Potential für Zweitliga-Fußball hätte, reizvoll (lacht).
Weihnachten steht vor der Tür: Was sind Ihre ganz persönlichen Wünsche für 2021?
Dass die zu Beginn der Pandemie vorhandene Solidarität wieder mehr in den Vordergrund rückt bzw. nicht verloren geht. Für meine Familie und mich wünsche ich mir natürlich Gesundheit. Und für mich persönlich manchmal ein wenig mehr Gelassenheit (lächelt).

Autor:

Uwe Bauschert (Redakteur) aus Siegen

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