SZ

Eine historische Brücke führt ins Jammertal und zu frischem Bier
Ein Bräukels von der Braubande

In der ehemaligen „Forelle“ führen die Brüder Nic und Tim Steinhanses (v. l.) sowie Michael Stinn Brauereibesichtigungen durch.
3Bilder
  • In der ehemaligen „Forelle“ führen die Brüder Nic und Tim Steinhanses (v. l.) sowie Michael Stinn Brauereibesichtigungen durch.
  • Foto: yve
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

yve Altenhundem. Das Bräukelken plätschert, auf dem Grill bruzzelt das saftige Steak. Michael Stinn (40) und die Brüder Tim (33) und Nic Steinhanses (48) können sich für die Pflege der Freundschaft kaum einen besseren Ort als die Quelle in Saalhausen vorstellen. Hier philosophieren sie. Stellen sich bildlich vor, Bier mit dem Wasser aus dem Bräukelken zu brauen.

2015 stehen sie zum ersten Mal als „Sauerländer Braubande“ am Einkochtopf und produzieren Gerstensaft in einer Garage. Auf das Wasser aus der Quelle verzichten sie dann doch. „Wir haben eine Analyse anfertigen lassen und uns dagegen entschieden“, blickt Michael Stinn auf den Beginn des gemeinsamen Brauens zurück. 20 Liter stellen die Freunde an einem Brautag her. „Für drei Personen war das ein wenig knapp“, lacht der 40-Jährige.

yve Altenhundem. Das Bräukelken plätschert, auf dem Grill bruzzelt das saftige Steak. Michael Stinn (40) und die Brüder Tim (33) und Nic Steinhanses (48) können sich für die Pflege der Freundschaft kaum einen besseren Ort als die Quelle in Saalhausen vorstellen. Hier philosophieren sie. Stellen sich bildlich vor, Bier mit dem Wasser aus dem Bräukelken zu brauen.

2015 stehen sie zum ersten Mal als „Sauerländer Braubande“ am Einkochtopf und produzieren Gerstensaft in einer Garage. Auf das Wasser aus der Quelle verzichten sie dann doch. „Wir haben eine Analyse anfertigen lassen und uns dagegen entschieden“, blickt Michael Stinn auf den Beginn des gemeinsamen Brauens zurück. 20 Liter stellen die Freunde an einem Brautag her. „Für drei Personen war das ein wenig knapp“, lacht der 40-Jährige. Heute sind es 460 Liter im Monat, die in Flaschen und Fässern abgefüllt werden. Das Brauen in der Garage ist auch passé.

Ich treffe Stinn und die Steinhanses für den vierten Teil der SZ-Serie über Mikrobrauereien im Jammertal im Süden von Altenhundem. Dorthin führt nur ein einziger Verbindungsweg. Es ist die denkmalgeschützte Rüberger-Brücke über dem Fluss Hundem – ein imposantes Bauwerk aus Bruchsteinen, siebenbogig und über 400 Jahre alt. Ich parke vor einer ehemaligen Kneipe, „Zur Forelle“ steht noch aus vergangenen Tagen auf einem Schild. Die Eingangstür steht auf, ich trete ein, stehe im Gasthof und sehe Unmengen Schals, Flaggen und Fanartikel in Schwarz-Weiß-Grün. Hier müssen eingefleischte Borussia-Mönchengladbach-Fans am Werk sein, denke ich.

„Der Name bedeutet für uns Tradition“

Aus einem Hinterraum höre ich geschäftiges Treiben. Michael Stinn, Nic und Tim Steinhauses haben ihre Lederschürzen umgeschnallt, sie brauen gerade die nächste Charge Bier. Frisches Bräukels Original. „Der Name bedeutet für uns Tradition“, sagt Stinn. Er stehe sozusagen für die Männerfreundschaft und die Zeit an der Quelle. „Bräukelken war uns zu sperrig, also haben wir Bräukels daraus gemacht.“ „Das kann man in jedem Zustand aussprechend“, schmunzelt Nic Steinhanses. Und schließlich stecke in dem Wort ,Bräu’.

Wir stehen im Herzstück der Brauerei, in der ehemaligen Küche des Wirtshauses, zuletzt als Büroraum genutzt. Und schnell wird auch klar, was es mit der Gaststube auf sich hat. „Die teilen wir uns mit dem Gladbach-Fanclub aus Lennestadt/Kirchhundem.“

Die Bräukels-Brauer führen hier Verkostungen durch. Wie in großen Betrieben, zeigen sie den Besuchern zunächst einen Film, „nur, dass bei uns sofort ein Bier gereicht wird“, so Stinn. Dazu gibt es Schinken vom örtlichen Metzger Wesener auf Steinofenbrot. „Das stellt die Bäckerei Poggel mit unserem Bier und Malz her.“ Lange haben Gäste nicht mehr zu den regionalen Produkten gegriffen, die Plätze an der Theke und an den Tischen sind seit Wochen verwaist. Vor der Pandemie war kaum ein freier Termin für Besichtigungen zu ergattern. Viel investiert haben die Bräukels-Brauer, um die ehemaligen Küche in einen Braukeller umzufunktionieren. „Gerade im zweiten Jahr hier, brach das Coronavirus aus.“ Auch wichtige Events seien weggebrochen. „Aber Heulen hilft ja nichts“, gibt sich Stinn optimistisch und behält seinen Humor – ein gutes Hobby müsse schließlich Geld kosten.

Rezept nach und nach optimiert

Von Anfang an begleitet die Bierhersteller das Rezept des Bräukels Original. Nach und nach optimieren sie es. Das passe ganz wunderbar auch zu Speisen, die ansonsten eher mit Weißwein harmonierten. Das Original ist hell und obergärig. Eine gute Bitterung gepaart mit einer fruchtigen Hopfennote zeichne den ungefilterten und ungeklärten Gerstensaft aus, erklärt der 40-Jährige.

Mit stärkerem Malzkörper versehen ist das Bräukels Festbier, ein Märzen, spritzig, untergärig und bernsteinfarben. „Das ist kräftiger und süffiger ausgelegt“, so Stinn. Eine gute Alternative zu leichtem Rotwein, aber ein Muss zum Gegrillten.

Zu den weiteren Sorten aus dem Jammertal zählt auch ein Sommerbier sowie 6-prozentiges Weihnachtsbier, „das schmeckt allen, aber gar nicht weihnachtlich“. Stinn beschreibt es als fruchtig-herb und sehr malzig. „Wir experimentieren hier gerne.“

Mischung aus guten Kompetenzen

Eine Mischung aus guten Kompetenzen sei im Brauhaus aktiv, lacht Stinn. Er arbeite in einer Softwarefirma, Nic Steinhanses sei Lehrer und dessen Bruder Holztechniker. „Das passt doch.“ Als das Trio 2018 mit Kesseln, Behältern, Fässern und Co. aus der Garage ins Jammertal zieht, sind die Nachbarn erfreut. „Sie finden es gut, was wir hier machen“, weiß Nic Steinhanses. „Endlich mal was anderes“, sei der Tenor. Doch wann die Umgebung die Lichter in der Gaststube wieder brennen sieht, ist ungewiss.

Was den Bräukels-Brauern derzeit bleibt, ist der reine Bierverkauf an der Rübergerbrücke 14, immer donnerstags in jeder ungeraden Kalenderwoche ab 19 Uhr. Jammern im Jammertal ist aber keine Option. Abwarten und Bier brauen ist die Devise des gut gestimmten Trios. Irgendwann werden Besucher wieder über die historische Brücke gehen, sind die Lampen in der ehemaligen „Forelle“ wieder an.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen