Familie Rameil betreibt seit 1901 die Zuchtanlage
Ein Leben für die Forelle

Die Sauerländer Forellenzucht in Gleierbrück hat beeindruckende Ausmaße. Jahr für Jahr wachsen hier Hunderttausende Speisefische heran.
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  • Die Sauerländer Forellenzucht in Gleierbrück hat beeindruckende Ausmaße. Jahr für Jahr wachsen hier Hunderttausende Speisefische heran.
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hobö Gleierbrück. In Gedanken an Fische und Fischmärkte bauen sich Bilder idyllischer Häfen an Nord- und Ostsee auf. Aber Speisefische gibt es beileibe nicht nur dort, so hat sich das Südsauerland bereits vor vielen Jahrzehnten zu einer Hochburg der Fischzucht entwickelt. Insbesondere im Kreis Olpe gibt es bedeutende Betriebe. Acht von ihnen erbrachten im vergangenen Jahr 30,8 Prozent der gesamten in NRW produzierten Fischmenge (vergl. gesonderten Bericht). Der älteste Forellenzuchtbetrieb im Kreis ist in Gleierbrück zwischen Altenhundem und Saalhausen beheimatet. Die SZ besuchte die Sauerländer Forellenzucht von Familie Thomas Rameil und erhielt bemerkenswerte Einblicke in dem gleichermaßen traditionsreichen wie modernen Betrieb.

Jährlich kommen 800.000 Forellen aus dem Bruthaus

22 Teiche in Gleierbrück, vier Teiche im Gleiertal, der Anglerpark „Sauerländer Anglerglück“ mit sieben weiteren Teichen sowie ein Bruthaus in Saalhausen gehören zu dem Familienbetrieb, den Fischwirtschaftsmeister Thomas Rameil in vierter Generation seit 1996 führt. Hinzu kommen Häuser am Firmensitz an der B236 in Gleierbrück für die Verarbeitung, den Versand sowie den Hofladen.
Fünf Vollzeit- und sieben Aushilfskräfte bewirtschaften den Betrieb. Immerhin gelangen Jahr für Jahr rund 800.000 Forellen aus dem Bruthaus in die Teiche, wo sie je nach Wachstum viermal umgesetzt werden müssen, ehe sie 15 bis 18 Monate nach Eilegung als ausgewachsene Forellen entnommen werden. Und nicht nur Fische landen in den Teichen, wie Thomas Rameil mit seinem typisch sauerländischen Humor beiläufig erwähnt. Auch ein aktueller Firmenwagen schaffte es ungewollt in eins der Becken und versank im Wasser. Kein Problem für den umtriebigen Unternehmer. Der Wagen wurde herausgehoben, trockengelegt und wird seither problemlos genutzt. Einen Versicherungsfall daraus zu machen, lag Rameil fern.

In 15 bis 18 Monaten sind diese kleinen Fischchen ausgewachsene Speisefische.
  • In 15 bis 18 Monaten sind diese kleinen Fischchen ausgewachsene Speisefische.
  • Foto: Holger Böhler
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1901 wurde das Unternehmen gegründet

Bereits sein Urgroßvater, Emil Rameil, bewies eindrucksvolle Zielstrebigkeit. Um seine neun Kinder sattzubekommen nutzte er sein Fangrecht nicht nur dazu, Fische aus der Lenne zu angeln, sondern diese auch zu verkaufen. In Zusammenarbeit mit dem Fischereiverband Münster keimte der Gedanke auf, die hervorragende Wasserqualität des Gleierbachs für ein größeres Projekt zu nutzen: eine betriebliche Forellenzucht. 1901 gründete Emil Rameil dann das Unternehmen, das sein Urenkel Thomas 109 Jahre später in „Sauerländer Forellenzucht GmbH“ umfirmierte. Zurück zum Ursprung: Nach Erwerb der Grundstücke wurden in zehnjähriger Arbeit mit Hacke und Schüppe
17 Teiche ausgehoben, die heute noch genutzt werden.

Das Pfund, mit dem die heutige Familie wuchern und den Betrieb erfolgreich führen kann, liegt im unbefristeten und uneingeschränkten Nutzungsrecht des kompletten Gleierbach-Wassers, das Firmengründer Emil Rameil erwarb. Andere Unternehmen müssen hingegen immer wieder mit den Behörden um Nutzungsrechte kämpfen, weshalb nach Einschätzung von Thomas Rameil immer mehr Betriebe aufgeben.

Die Regionalvermarktung liegt im Fokus

Thomas Rameil richtete den Betrieb neu aus. Dem massenhaften Verkauf von Lebendfischen wurde der Rücken gekehrt. Die Direkt- und Regionalvermarktung rückte stattdessen in den Fokus. Sein Betrieb liefert den selbstgezüchteten, verarbeiteteten und verpackten Fisch in zahlreiche Lebensmittel- und Gastronomiebetriebe in der Region. Zudem boomt der eigene Hofladen. Dort bietet Rameil eine breite Auswahl an Frisch- und Räucherfisch, Salaten und Marinaden an. Fischarten wie Regenbogen-, Lachs-, Bach-, Goldforelle und Saibling stammen allesamt aus eigener Zucht und werden täglich in der eigenen Räucherei veredelt und anschließend weiterverarbeitet. Derart frische, regionale Produkte liegen bekanntlich voll im Trend. Die Kundschaft wächst stetig. Inzwischen werden auch viele Forellen über den 2020 neugegründeten Onlineshop fischversand24.de geordert.

Das 2004 errichtete Bruthaus in Saalhausen wird ausschließlich mit klarem Quellwasser versorgt. Hier legt Familie Rameil jedes Jahr eine  Million Eier auf. Nach dem Schlüpfen sind die kleinen Fische hier vor Räubern geschützt.
  • Das 2004 errichtete Bruthaus in Saalhausen wird ausschließlich mit klarem Quellwasser versorgt. Hier legt Familie Rameil jedes Jahr eine Million Eier auf. Nach dem Schlüpfen sind die kleinen Fische hier vor Räubern geschützt.
  • Foto: Holger Böhler
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In dem 2004 in Betrieb genommenen Bruthaus in Saalhausen legt Familie Rameil jedes Jahr 1 Million Eier auf. Nachdem die Dottersackbrut in Unterstromapparaten geschlüpft ist, werden die Fische in Aufzuchtbecken bis zu einer Größe von ca. 6 cm herangefüttert. Das klare Quellwasser ist Garant für eine hohe Qualität der hier geschlüpften Bachforellen, Goldforellen und Saiblinge.
Die Vermarktung lebender Salmoniden insbesondere an Angelvereine bildet ein weiteres Standbein des Unternehmens.

Die Fischzucht als Traumberuf

Der 59-jährige Thomas Rameil und seine Ehefrau Angelika als Geschäftsführerin leiten den Betrieb mit spürbar viel Enthusiasmus. „Ich persönlich kann mir überhaupt nichts anderes vorstellen“, erklärt Thomas Rameil, der 1980 seine Ausbildung zum Fischwirt und 1987 die Prüfung zum Fischwirtschaftsmeister bestand. Das Jahr habe zwar 365 Arbeitstage und es müsse im Winter auch schon mal ordentlich „Eis weggekloppt werden“, aber die Nähe zu den Kunden, das Wirken in der Natur und die vielen facettenreichen Aufgaben der Fischzucht machten seine Arbeit zum Traumberuf. Die drei Kinder von Angelika und Thomas Rameil haben nach ihrem Studium andere Berufswünsche, wollen den Familienbetrieb aber auf jeden Fall erhalten und in anderer Form weiterführen.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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