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Politischer Aschermittwoch / Laschet: „Die AfD zu halbieren, ist schön gesagt – aber wie macht man das?“
Hiebe mit Degen statt Schwert

Weit mehr als 600 CDU-Mitglieder aus allen Landesteilen Nordrhein-Westfalens machten sich gestern auf den Weg in die Schützenhalle in Kirchveischede.
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  • Weit mehr als 600 CDU-Mitglieder aus allen Landesteilen Nordrhein-Westfalens machten sich gestern auf den Weg in die Schützenhalle in Kirchveischede.
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hobö Kirchveischede. Das direkte Aufeinandertreffen blieb aus. Weder Norbert Röttgen noch der vermeintlich stärkste Widersacher, Friedrich Merz, kamen zum 19. Politischen Aschermittwoch der CDU NRW ins sauerländische Kirchveischede, also jenem großen Stelldichein ihres eigenen Partei-Landesverbands. Ihr Fernbleiben wunderte letztlich nicht, hatten die beiden Kandidaten für den Vorsitz der Bundespartei doch kein Rederecht. Das besaß hingegen Armin Laschet, dem tags zuvor mit der Ankündigung seiner eigenen Kandidatur für den „Chefsessel“ im Berliner Konrad-Adenauer-Haus ein politisch viel gelobter Schachzug gelungen war. Denn mit Jens Spahn als eingebundenem Bewerber für einen stellv.

hobö Kirchveischede. Das direkte Aufeinandertreffen blieb aus. Weder Norbert Röttgen noch der vermeintlich stärkste Widersacher, Friedrich Merz, kamen zum 19. Politischen Aschermittwoch der CDU NRW ins sauerländische Kirchveischede, also jenem großen Stelldichein ihres eigenen Partei-Landesverbands. Ihr Fernbleiben wunderte letztlich nicht, hatten die beiden Kandidaten für den Vorsitz der Bundespartei doch kein Rederecht. Das besaß hingegen Armin Laschet, dem tags zuvor mit der Ankündigung seiner eigenen Kandidatur für den „Chefsessel“ im Berliner Konrad-Adenauer-Haus ein politisch viel gelobter Schachzug gelungen war. Denn mit Jens Spahn als eingebundenem Bewerber für einen stellv. Vorsitzendenposten der CDU-Deutschlands fühlen sich gleich verschiedene Flügel in der Partei von der Laschet-Spahn-Kandidatur angesprochen und vertreten.

Landwirte als Begrüßungskomitee für Armin Laschet

Wie wird Laschet seinen Auftritt beim Politischen Aschermittwoch gestalten? Diese Frage stellten sich viele, ehe der nordrhein-westfälische Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzende das Wort erhob. „So nervös habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen“, schilderte eine langjährige Beobachterin des Aachener Politikers ihre Eindrücke. Ebenfalls nicht wirklich verwunderlich, gilt das Sauerland doch weithin als „Friedrich-Merz-Land“. Der stammt nicht nur aus Brilon im Sauerland, hierzulande gelten die CDU-Mitglieder wie Merz gemeinhin als eher konservativ – und von ihnen waren viele da.

Wie löste Laschet dieses „Problem“? Er blieb sachlich, lobte die Erfolge der von ihm geführten schwarz-gelben Landesregierung, hob nur selten die Stimme zum verbalen Angriff, vermied es einhergehend aber nicht, zwei Seitenhiebe auf den ehemaligen Unionsfraktionschef zu setzen. „Die AfD zu halbieren, ist schön gesagt – aber wie macht man das?“, bezog sich Laschet auf eine Merz-Aussage, dem ungeliebten politischen Kontrahenten auf der rechten Seite Wähler wieder abzunehmen. Im Sauerland würde kaum jemand die AfD wählen, erklärte Laschet, und selbst die 7 Prozent in NRW seien ein „geringer Wert“. Man schaffe diese Ergebnisse, „indem man nicht über die und deren Themen redet, sondern so regiert, dass Probleme der Bürger gelöst sind“. Sein Ding, so der NRW-Ministerpräsident ferner, sei es ohnehin nicht, „Theorien zu erörtern“, wie das andere (Merz) tun würden. „Ich will es machen. Ich will alles umsetzen, was wir versprochen haben.“ Und das, so setzte der CDU-Landesvorsitzende fort, „werden wir als CDU nur schaffen, wenn alle mit an Bord sind“. In der NRW-Landesregierung sei es gelungen, die CDU als Volkspartei mit all ihren Facetten einzubinden. „Wenn uns das auf Bundesebene gelingt, stellen wir auch den nächsten Kanzler.“

Sprach’s und genoss sodann den zuvor in dieser Form eher unerwarteten Beifall. In der großen Schützenhalle von Kirchveischede standen alle auf und lieferten mehrere Minuten lang stehende, rhythmische Ovationen. Es gab zudem „Zugabe“-Rufe. Der Verweis auf Erfolge seiner Landesregierung sowie die Seitenhiebe mit dem verbalen Degen statt dem Schwert hatten ebenso für den Beifall gesorgt wie der stets mitschwingende Appell zur Einigkeit in der CDU, „damit uns nicht das Gleiche passiert wie der SPD“.

Dass Klaus Kaiser, Parlementarischer Staatssekretär in Düsseldorf und CDU-Bezirksvorsitzender in Südwestfalen, unter dem Beifall der Anwesenden die „fulminante Rede“ Laschets sehr lobte, bot einen weiteren Anhaltspunkt dafür, dass dem Ministerpräsidenten auf dem Weg von Düsseldorf nach Berlin ein weiterer erfolgreicher Schachzug gelungen war. Denn unter den Anwesenden dürften viele Delegierte gewesen sein, die am 25. April über die Nachfolge von „CDU-Chefin“ Annegret Kramp-Karrenbauer abstimmen werden. Die zum Ende des Politischen Aschermittwochs über Kirchveischede fallenden dicken Schneeflocken dürften selbst für Armin Laschet dann schon fast zu viel Romantik eines für ihn sicherlich sehr erfolgreichen Abends gewesen sein.

Autor:

Holger Böhler (Redakteur) aus Wenden

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