Hilfe aus der Kostenfalle

Anne Hausmann, Leiterin der Verbraucherzentrale in Altenhundem, stellte gestern die Jahresbilanz für 2018 vor. Foto: win
  • Anne Hausmann, Leiterin der Verbraucherzentrale in Altenhundem, stellte gestern die Jahresbilanz für 2018 vor. Foto: win
  • hochgeladen von Jörg Winkel (Redakteur)

win  Seit zehn Jahren gibt es die Verbraucherzentrale in Altenhundem. Und nach wie vor haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, um die Bevölkerung im Kampf gegen Nepper, Schlepper und Bauernfänger zu unterstützen. „Die Fälle werden komplexer“, berichtete gestern Leiterin Anne Hausmann bei der Vorstellung der Jahresbilanz für 2018. Ursache hierfür ist im doppelten Sinne das Internet. Denn zum einen sorgt das weltweite Datennetz dafür, dass die Jagd nach Betrügern schwieriger wird, operieren die Täter doch oft vom Ausland aus. Zum anderen nutzen viele Opfer das Inernet zunächst zur eigenen Recherche, klären oft einfachere Fälle selbst ab und kommen daher erst zur Verbraucherzentrale, wenn die Sachlage schwieriger wird. „Das sehen wir daran, dass aus Beratungen viel häufiger zu rechtlichen Vertretungen durch uns führen“, so Anne Hausmann.

Nicht immer sind es echte Betrugsfälle, die Menschen zur Verbraucherzentrale Kontakt aufnehmen lassen. „Die Bürger dringen immer öfter gar nicht zum Anbieter durch“, hat Anne Hausmann festgestellt: Selbst eigentlich als seriös geltende Versorger, ob aus dem Energie- oder dem Telekommunikationsbereich, lassen die Verbraucher in endlosen Warteschleifen am Telefon hängen, beantworten E-Mails entweder gar nicht oder mit Standardtexten. „Das ist bei uns zwar nicht so, aber wir merken auch, dass aus einer Zwei-Wochen-Frist, die ich früher für mich angesetzt habe, oft vier Wochen werden, bis wir etwas hören.“

Hauptgrund für Beschwerden von Verbrauchern: der große Bereich „digitaler Alltag“. In jüngster Zeit immer häufiger melden sich Kunden, die sich bei vermeintlich kostenfreien Dating-Portalen angemeldet haben und dann mit heftigen Rechnungen konfrontiert werden. „Aus einem kostenlosen Schnupperabo wird dann ein Zweijahresvertrag für 79,99 Euro im Monat“, nennt Anne Hausmann einen konkreten Fall. Einen, den die Verbraucherzentrale stoppen konnte. Der Kunde hatte sich gemeldet, als er als Reaktion auf eine Kündigung eine erneute Rechnung erhielt – aufgestockt um über 70 Euro, die das vom unseriösen Unternehmen beauftragte ebenso unseriöse Inkassobüro für sich draufschlug. „In fast allen Fällen sind das keine gültigen Verträge“, erklärt Anne Hausmann, weil rechtliche Voraussetzungen nicht erfüllt worden seien. Insbesondere der Verzicht auf die 14-tägige Kündigungsfrist erfordere eine besondere, ausdrückliche Zustimmung des Kunden, und die werde fast nie eingeholt.

Derartige Inkassobüros kommen auch in vielen anderen Fällen zum Einsatz. Beispielsweise, wenn halbseidene Stromversorger durch trickreiche Anrufe die Zählerdaten des Kunden herausgefunden und von sich aus einen neuen Vertrag vereinbart haben. „Tatort Telefon“, so Anne Hausmann.

Wer glaubt, bei seinem Stromanbieter zu viel zu bezahlen, dem empfiehlt sie von vornherein einen Gang zur Verbraucherzentrale. Als Teil der Arbeit wird hier eine Anbieterwechselberatung vorgenommen, bei der Grund- und Arbeitspreis, Seriosität und mehr berücksichtigt werden. Oft lockten Anbieter mit einem auf den ersten Blick günstigen Preis, der aber nur für ein Jahr gelte – und im zweiten Jahr werde es dann so teuer, dass der Kunde draufzahle.

Außer der Beratung und Vertretung in Rechtsfällen ist die Verbraucherzentrale auch im Einsatz, um aufzuklären, etwa bei Vorträgen oder auf Messen.

Genau 10 344 Anfragen gingen im Jahr 2018 bei der Beratungsstelle ein – ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr, aber durch die steigende Komplexität der Fälle mit Mehrarbeit verbunden. Konkret belegbar hat die Zentrale Verbrauchern aus dem Kreisgebiet Zahlungen in Höhe von 54 460 Euro erspart. Überregional ist sie in das Netzwerk der 62 Verbraucherzentralen eingebunden, die auch politische Lobbyarbeit für die Verbraucher leisten. „Es ist unsere Aufgabe, für den Verbraucher da zu sein, damit er nicht allein gegen die Rechtsabteilung eines ganzen Konzerns dasteht“, erklärt Anne Hausmann.

Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen