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Funde unterm Kirchenboden
LWL entdeckt Relikte aus dem 13. Jahrhundert

Die Pfarrkirche von Kirchveischede: Neue Grabungen geben wichtige Rückschlüsse auf die Geschichte des Gotteshauses bzw. seiner Vorgängerbauten.
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  • Die Pfarrkirche von Kirchveischede: Neue Grabungen geben wichtige Rückschlüsse auf die Geschichte des Gotteshauses bzw. seiner Vorgängerbauten.
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sz/win Kirchveischede. Bei Umbauarbeiten in der Pfarrkirche St. Servatius in Kirchveischede hat das Fachreferat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie gemeinsam mit Kollegen der Außenstelle Olpe, beide angehörig zur LWL-Archäologie für Westfalen, eine baubegleitende Untersuchung vorgenommen. Dabei wurden wichtige, neue Erkenntnisse zum bestehenden Kirchenbau sowie zu älteren Bauphasen gewonnen, die im Internet-Blog der LWL-Archäologie veröffentlicht wurden.
Wichtige Erkenntnisse für die HistorikerErste einigermaßen sichere Hinweise auf eine Kirche bzw. Pfarrei in Kirchveischede erscheinen laut LWL erstmals um 1313 als „Veske“, in den Arnsberger Güterverzeichnissen auch „Vesche“ genannt, im Liber Valoris, einem Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe.

sz/win Kirchveischede. Bei Umbauarbeiten in der Pfarrkirche St. Servatius in Kirchveischede hat das Fachreferat für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie gemeinsam mit Kollegen der Außenstelle Olpe, beide angehörig zur LWL-Archäologie für Westfalen, eine baubegleitende Untersuchung vorgenommen. Dabei wurden wichtige, neue Erkenntnisse zum bestehenden Kirchenbau sowie zu älteren Bauphasen gewonnen, die im Internet-Blog der LWL-Archäologie veröffentlicht wurden.

Wichtige Erkenntnisse für die Historiker

Erste einigermaßen sichere Hinweise auf eine Kirche bzw. Pfarrei in Kirchveischede erscheinen laut LWL erstmals um 1313 als „Veske“, in den Arnsberger Güterverzeichnissen auch „Vesche“ genannt, im Liber Valoris, einem Steuerverzeichnis der Kölner Erzbischöfe. Allerdings gibt es auch hier keine weitergehende Informationen zur Frühgeschichte der Kirche. Umso wertvoller für die Historiker sind die Erkenntnisse aus den neuen Funden.

Rechts vorne im Bild ein ungestörtes Teilstück der Apsis, mittig von einem Grab unterbrochen, dahinter das frühgotische Altarfundament.
  • Rechts vorne im Bild ein ungestörtes Teilstück der Apsis, mittig von einem Grab unterbrochen, dahinter das frühgotische Altarfundament.
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Die Verehrung des heiligen Servatius, dessen Patrozinium die Kirchveischeder Pfarrkirche trägt, verbreitete sich seit der Mitte des 10. Jahrhunderts. Daher vermuten die Fachleute des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), dass eine Kapelle am Standort der heutigen Kirche nicht ausgeschlossen werden kann. Daher ist es nach gegenwärtigem Forschungsstand am wahrscheinlichsten, dass die „Gründung“ einer Kirche zu Kirchveischede in die Mitte bis zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zu datieren ist. Sie dürfte auf Initiative der seit etwa 1220/1225 auf der gleichnamigen Burg aufsitzenden Edelherren von Bilstein, des Nachbarorts von Kirchveischede, entstanden sein, da diesen nachweislich das Kirchenpatronat in Kirchveischede und Rahrbach zustand. Ihnen folgten die späteren Inhaber der Herrschaft Bilstein, zunächst die Grafen von der Mark und ab 1445 die Erzbischöfe von Köln.

Aufdeckung eines Apsis-Fundaments

Wichtigstes Ergebnis der nun durchgeführten Untersuchungen ist die Aufdeckung eines Apsis-Fundaments, das dem noch heute bestehenden gotischen 5/8-Chorschluss vorausging.
Die über halbkreisförmigem Grundriss mit einer Fundamentstärke von 1,40 Metern errichtete Apsis bildete den östlichen Abschluss einer spätromanischen Saalkirche, deren Schiff eine Breite von etwa 6,80 Metern besaß. „Sehr wahrscheinlich“, so Wolfram Essling-Wintzer und Kim Wegener von der LWL-Archäologie, „gehörte auch bereits der noch heute erhaltene Westturm zu diesem Kirchenbau.“ Für dessen frühgotischen Nachfolger habe man den Westturm übernommen, ein nun gut 8,40 Meter breites, zweijochiges Kirchenschiff mit Kreuzgewölben ausgestattet und den Altarraum um ein Chorjoch mit 5/8-Schluss erweitert.

Sehr wahrscheinlich gehörte auch bereits der noch heute erhaltene Westturm zu diesem Kirchenbau.
Wolfram Essling-Wintzer
und Kim Wegener
LWL-Archäologie

Genaue Aussagen über die Datierung können die Archäologen nicht machen

Mittig vor dem Hauptaltar dieses neuen Kirchenbaues erfolgte zu einem unbekannten Zeitpunkt – für eine Datierung hilfreiches Fundmaterial entdeckten die Archäologen nicht – die Anlage eines ausgemauerten Grabes. Die prominente Lage im Chorjoch macht für die LWL-Fachleute die Annahme wahrscheinlich, dass hier einer der Edelherren von Bilstein – vielleicht gemeinsam mit seiner Gattin – die letzte Ruhe fand. Vermutet wird, dass es sich um den Stifter der neuen Kirche handelte.
Zahlreiche weitere Angehörige dieser Adelsfamilie sowie andere vermögende Bürger wurden unter dem Fußboden des Kirchenschiffs bestattet. Dies zeigen bis heute diverse Grabplatten, die bündig mit dem Fußboden aus Schieferplatten verlegt wurden. Die Füße von Tausenden von Kirchgängern haben im Lauf der Jahrhunderte aber deren Inschriften bis zur Unlesbarkeit abgeschliffen, auch die Verzierungen sind nicht mehr zu erkennen.

Die Pfarrkirche von Kirchveischede: Neue Grabungen geben wichtige Rückschlüsse auf die Geschichte des Gotteshauses bzw. seiner Vorgängerbauten.
Rechts vorne im Bild ein ungestörtes Teilstück der Apsis, mittig von einem Grab unterbrochen, dahinter das frühgotische Altarfundament.
Autor:

Jörg Winkel (Redakteur) aus Stadt Olpe

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