Olper Betriebe wenig optimistisch

Volksbank-Umfrage: Ein Hoffnungsschimmer, wenig Eigenkapital und noch mehr Arbeitslose

ch Bonzelerhammer. In der Wirtschaftsberichterstattung dreht sich derzeit alles um diese Frage: Ist die wirtschaftliche Lage besser als die Stimmung in den Unternehmen, oder ist es eher umgekehrt? Während die Medien sich mit einer eindeutigen Antwort schwer tun, lieferten die Volksbanken im Kreis Olpe gestern Zahlenmaterial aus einer Firmenkundenbefragung, mit dem sie Lage und Aussichten des heimischen Mittelstandes skizzierten: »Die Stimmung hat sich gegenüber dem Sommer 2002 leicht aufgehellt«, bilanzierte Grevenbrücks Volksbankdirektor Peter Hundt vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung in der Firma Egon Großhaus GmbH & Co. KG, Bonzelerhammer.

Bevor in dem Unternehmen die Ergebnisse am runden Tisch diskutiert wurden, ging Hundt ins Detail. So werde die Geschäftslage von den 150 Umfrageteilnehmern – davon rund 50 Handwerksbetriebe und der große Rest Firmen aus Industrie, Handel und Gewerbe – insgesamt etwas günstiger beurteilt als vor Jahresfrist. Allerdings: »Geschäftslage und Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf werden sehr gedämpft bewertet«, sagte Hundt. Gerade einmal 16 Prozent der Befragten gehen von anziehenden Geschäften aus.

Wenig Zuversicht herrsche zum Beispiel im Verarbeitenden Gewerbe – dieser Sektor stellt im Kreis Olpe allein mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze. Die Betriebe aus dieser Branche schätzen die aktuelle Lage etwas ungünstiger als im vergangenen Sommer ein. Die Hersteller von Investitionsgütern schneiden dabei sowohl in der diesjährigen Geschäftsentwicklung als auch in der Bewertung ihrer Lage tendenziell günstiger ab und die Vorleistungsgüterproduzenten etwas schlechter als der Schnitt des Verarbeitenden Gewerbes.

Erfreulich, so Hundt: Gegen den Trend in den Nachbargebieten und im Landesvergleich stellten die Volksbanken in der Befragung eine positives Stimmungsbild im Bau- und Ausbaugewerbe fest. Immerhin 25 Prozent dieser Unternehmen sprachen den Zahlen nach von einer guten bis sehr guten Geschäftssituation. Vor Jahresfrist waren das gerade mal sieben Prozent. Gab es auch im Handel ein deutliches Stimmungsplus, halte im Dienstleistungs der Negativtrend an. Jede zweite Dienstleister klagt über eine Verschlechterung seiner Lage.

Sind die allgemeinen Trends bereits für sich interessant, lohnt der Blick in das betriebswirtschaftliche Innere der Unternehmen um so mehr. Ein Beispiel: die Ertragslage. Sie bleibt weiter angespannt, vor allem im Bau- und Ausbaugewerbe und im Handel. Insgesamt verschlechterten sich in den vergangen 12 Monaten die Erträge bei einem Drittel der Umfrageteilnehmer. Hundt weiter: »Aufgrund dieser Situation verwundert es nicht, wenn der Mittelstand kaum Möglichkeiten hatte, sein Eigenkapital aufzustocken!« Bei 20 Prozent der Betriebe schrumpfte die Eigenkapitaldecke weiter, fast jeder zweite Befragte verfüge über eine Eigenkapitalquote von weniger als 20 Prozent.

Ertragsprobleme und Absatzschwäche dämpften außerdem die Investitionsneigung. Ein Drittel der Firmen im Kreisgebiete strich die Investitionsbudgets zusammen, gerade 15 Prozent der Befragten stockten die Etats auf. Parallel dazu hat die mittelständische Wirtschaft im Kreis Olpe per Saldo auch in diesem Jahr Personal abgebaut, wieder ein Drittel der Befragten strich Stellen. Und der Beschäftigungsabbau gehe in 2003 weiter, so der Volksbankdirektor. Damit dürfte zudem das Ausbildungsplatzangebot im Kreis Olpe weiter zurückgehen, wie die Genossenschaftsbanken ermittelten.

Hinter diesen durchwachsenen Ist-Zuständen und Aussichten stecken Gründe, Hundt sprach dabei eher von »Hürden«: Besondere Probleme bereiteten dem Mittelstand die Sozialabgaben (bei 61 Prozent der Befragten), die Steuerbelastung (55 Prozent) und der zunehmende Wettbewerb (45 Prozent). Diese Ausgangssituation war denn auch Gegenstand intensiver Diskussion bei Egon Großhaus. Wurde die Stimmungsaufhellung im Bau- und Ausbaugewerbe zunächst als unwesentlich abgetan – »hierfür sind Sondereffekte wie ein schöner Sommer und die Streichung der Eigenheimzulage verantwortlich«, so IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt –, stieg die Runde vor allem in die Debatte um die Verlängerung der (Lebens-)Arbeitszeit ein. »Diese Diskussion wird den parlamentarischen Winter beherrschen«, meinte Bundestagsabgeordneter Hartmut Schauerte (CDU). Nur in Deutschland gingen jungen Menschen spät in den Beruf und Ältere früh in den Ruhestand, es gelte Tages-, Wochen- und Jahresarbeitszeitmodelle flexibel zu überdenken. Der Streit drehte sich dann um das Thema Ausbildungsabgabe, die von der Wirtschaft vehement abgelehnt wird. Arbeitsamtsdirektor Roland Sagasser signalisierte dafür Verständnis, schließlich erhöhe die Einführung einer solchen Abgabe nicht die Zahl der Lehrstellen, sondern nur die Budgets für Projekte überbetrieblicher Ausbildung. »Den Abzug von letztlich Eigenkapital aus den Firmen allerdings halte ich nicht für geschickt«, so Sagasser. Der könnte etlichen Unternehmen der Region eher noch größere Probleme bereiten, wie er mit Blick auf die mittlerweile zehnte Unternehmensbefragung der Volksbanken betonte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen