SZ

Die SZ auf Tour mit Alpaka und Lama
Unterwegs mit den Meistern der Entschleunigung

Karin und Stefan Simon bieten in Kickenbach Alpaka- und Lamawanderungen an.
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yve Kickenbach.  Karin Simon öffnet das Gatter, sofort spitzen die Tiere ihre geraden und speerförmigen Ohren. Ein Pfiff, und die Herde trabt in Richtung Stall. Ein eigenartiges Brummen erklingt, große, dunkle Kulleraugen, umhüllt von scheinbar endlos langen Wimpern kommen näher. Neugierig regieren die zutraulichen Geschöpfe auf den Besuch der SZ, die zum Alpaka- und Lamahof nach Kickenbach gereist ist. Dort betreiben Karin und Stefan Simon Landwirtschaft im Nebenerwerb, und ihre Leidenschaft gehört eindeutig den sanften Säugetieren. 35 tummeln sich auf ihren Wiesen, mit zwei von ihnen soll es auf einen Spaziergang durch die winterliche Landschaft gehen.
Karin Simon führt das braune Lama Coco mit schwarz-weißem Kopf von der Weide.

yve Kickenbach.  Karin Simon öffnet das Gatter, sofort spitzen die Tiere ihre geraden und speerförmigen Ohren. Ein Pfiff, und die Herde trabt in Richtung Stall. Ein eigenartiges Brummen erklingt, große, dunkle Kulleraugen, umhüllt von scheinbar endlos langen Wimpern kommen näher. Neugierig regieren die zutraulichen Geschöpfe auf den Besuch der SZ, die zum Alpaka- und Lamahof nach Kickenbach gereist ist. Dort betreiben Karin und Stefan Simon Landwirtschaft im Nebenerwerb, und ihre Leidenschaft gehört eindeutig den sanften Säugetieren. 35 tummeln sich auf ihren Wiesen, mit zwei von ihnen soll es auf einen Spaziergang durch die winterliche Landschaft gehen.
Karin Simon führt das braune Lama Coco mit schwarz-weißem Kopf von der Weide. Munter ruft ihre kleine Tochter „Elvis, Elvis, ich möchte Elvis haben“. Das grau-weiß-schwarze Alpaka ist Emilys absoluter Liebling. Geduldig schreitet der Hengst neben der Dreijährigen her, das Tempo ist langsam. Ganz gemächlich bewegen sich die Wiederkäuer, bleiben dabei aber gute Beobachter. Die Simons erzählen derweil von den Anfängen ihrer Zucht. „Das hat eigentlich etwas mit dem Wetter zu tun“, lacht Stefan Simon. „Wir waren im Urlaub an der Nordsee.“ Nass und stürmisch sei es gewesen. Der Blick auf die Wetterkarte habe bessere Aussichten an der Ostsee versprochen. „Also sind wir hingefahren.“ Bei Ankunft in der Ferienwohnung blicken die beiden in die unverkennbaren Augen flauschiger Alpakas, der miserable Ferienstart ist gleich vergessen. Kurze Zeit später ziehen die ersten beiden Vierbeiner mit Wurzeln in den südamerikanischen Anden nach Kickenbach. Die Herde wächst in den nachfolgenden Jahren stetig, selbst Corona zählt zu den Neuzugängen auf der „Laki-Ranch“, lange bevor das Virus die Welt in Atem hält.

„Zu uns kommen auch  viele Erwachsene“

Schließlich reift der Plan, geführte Alpaka-Wanderungen durchzuführen. Die Simons belegen Lehrgänge in TGA (Tiergestützte Aktivitäten) und Kurse in Sachkunde. So steht dem Ziel, im Kreis Olpe eine einzigartige Attraktion zu verwirklichen, nichts mehr im Weg. „Das ist nicht nur etwas für Kinder“, hält Karin Simon fest . „Zu uns kommen auch sehr viele Erwachsene.“ Der Kontakt zu Kamelidenarten, zu denen die höckerlosen Lamas und Alpakas zählen, wirke sich positiv auf die menschliche Psyche aus. Das liege an der beruhigenden Wirkung, die die meisten Tiere ausstrahlten, weiß das Ehepaar. Bei den Ausflügen durch die sauerländische Natur sinke der Stresslevel. „Ins Schwitzen gerät dabei niemand“, so Karin Simon. Die Strecken sind kinderwagentauglich, und kürzlich erst war ein 80-Jähriger mit von der Partie. Die Paarhufer, die heute zur einzigen lebenden Familie der Unterordnung Schwielensohler zählen, besitzen große Anziehungskraft. An den niedlichen bis zuweilen skurrilen Flauschpaketen kommt so schnell keiner vorbei. „Das sind aber keine Kuscheltiere“, so Stefan Simon. Auf den Touren hielten sie einen respektvollen Abstand zu ihrem Begleiter, „sie lassen sich zwar streicheln, zum Beispiel am Hals oder am Rücken, aber nicht so gerne am Kopf“. Halte man ihnen jedoch den Handrücken entgegen, schnupperten sie ausgiebig.
Die Wanderungen dauern je nach Wunsch eine bis drei Stunden. Viele Gäste reisen aus dem Ruhrgebiet, aus Köln und dem Paderborner Raum an und nutzen den Tag mit den Tieren gleich für einen Wochendaufenthalt im Sauerland. Direkt neben der Weide bietet ein Gasthof mit sechs Zimmern zu „normalen“ Zeiten Speisen und Getränke an. Die Simons müssen ihr Touren nicht einstellen. „Meine Frau darf mit einem Haushalt oder einer Familie durch die Wälder ziehen.“ Ein unvergessliches Erlebnis an der frischen Luft, das trotz Corona möglich sei.

Wolle mit hervorragender Thermoeigenschaft

Wenn die Herdentiere nicht „arbeiten“, stehen sie mit ihren weichen Schwielenpolstern auf der Wiese – das schont die Grasnarbe. Alpakas und Lamas eignen sich daher ausgezeichnet für die Beweidung empfindlicher Flächen. Die Simons haben allerdings noch weiteren Nutzen von ihren Vierbeinern. Immer im Frühling werden sie geschoren. Aus dem Vlies wird Wolle hergestellt, die Karin Simon neben frischen Eiern, Nudeln, Honig, Alpaka-Seife und -Socken im Hofladen der Familie an der Straße An der Karlshütte im benachbarten Langenei anbietet.
Alpakawolle besitzt eine hervorragende Thermoeigenschaft, sie ist feuchtigkeitsregulierend, für Allergiker geeignet, selbstreinigend und geruchsneutral. Schlechtes kann man von Alpakas also nicht behaupten. Oder doch? Die Frage die Karin und Stefan Simon wohl am häufigsten gestellt wird, liegt auf der Hand. „Spucken die?“ Ja, aber nicht so, wie viele glauben. „Nur auf Artgenossen“, verspricht der Nebenerwerbs-Landwirt. „Damit zeigen sie ihre Dominanz.“ In Kickenbach ist die vorherrschende Sprache jedenfalls das Brummen, das drückt bei den Meistern der Entschleunigung Freude und Zufriedenheit aus.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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