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Bei Familie Koch dreht sich alles um Orchideen
Vom Dosenkind zum Blütentraum

Thomas und Trudi Koch präsentieren hier stolz ihre Orchidee „Lennestadt“.
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yve Grevenbrück. An diesem sonnigen, aber frischen Apriltag fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt. Ich stehe vor einem Meer aus grünen Jungpflanzen, unter der Maske gerate ich ein wenig ins Schwitzen, unter den Dächern aus Glas ist die Luft tropisch feucht.

Neben mir steht Thomas Koch, er führt mich durch verschiedene Klimaabteilungen auf etwa 3000 Quadratmetern. Hier inmitten dreier Naturparks auf einem Hügel in Grevenbrück mit traumhafter Aussicht – umgeben von Wiesen und Wäldern – dreht sich alles um Orchideen. Mit über 30.000 unterschiedlichen Arten gehören sie zu einer der größten Blütenplanzenfamilien der Welt.

yve Grevenbrück. An diesem sonnigen, aber frischen Apriltag fühle ich mich in eine andere Zeit versetzt. Ich stehe vor einem Meer aus grünen Jungpflanzen, unter der Maske gerate ich ein wenig ins Schwitzen, unter den Dächern aus Glas ist die Luft tropisch feucht.

Neben mir steht Thomas Koch, er führt mich durch verschiedene Klimaabteilungen auf etwa 3000 Quadratmetern. Hier inmitten dreier Naturparks auf einem Hügel in Grevenbrück mit traumhafter Aussicht – umgeben von Wiesen und Wäldern – dreht sich alles um Orchideen. Mit über 30.000 unterschiedlichen Arten gehören sie zu einer der größten Blütenplanzenfamilien der Welt. Bei unserem Rundgang, angefangen im „Orchideen-Kindergarten“ bis zum 450 Quadratmeter großen Verkaufsraum, bin ich umgeben von zarten Düften, exotischen Farben und wunderschönen Formen. Es fällt leicht, an diesem Ort von fernen Reisezielen zu träumen.

„Unsere Qualität ist überregional anerkannt“

Die Orchideen-Farm Koch besitzt in Südwestfalen und darüber hinaus ein Alleinstellungsmerkmal. „Unsere Qualität ist überregional anerkannt“, so der Gartenbauingenieur, der sich mit seinen Mitarbeitern und seiner Frau Trudi vor allem auf die Züchtung von zwei Gattungen konzentriert. Auf den Frauenschuh (Paphiopedilum) und die unermüdlich blühende Schmetterlingsorchidee, die Phalaenopsis, Thomas Koch gilt als bester Produzent dieser Art.

Für die Züchtung vermehren die Orchideengärtner zunächst Wachstumsknospen im Labor – „die Rosinchen werden rausgepickt, sozusagen die Claudia Schiffers geklont“, sagt Koch. Das übernehmen heute andere für den Familienbetrieb. Früher seien 20 Mitarbeiter im eigenen Labor beschäftigt gewesen, „eine spannende Zeit“. Quasi als Dosenkinder kommen die Pflanzen nun in den Grevenbrücker Betrieb, gedeihen drei bis vier Jahre in den verschiedenen Klimaabteilungen. Es sind die Sorten, die ursprünglich „aus der Feder“ der Gärtnerei Koch stammen. 1887 gründet der Großvater von Thomas Koch einen Gartenbaubetrieb in Unna. Sein Vater wiederum entdeckt seine Leidenschaft für die Orchidee im Jahr 1958 und beginnt in der Nachbarschaft der Lindenbrauerei mit der Zucht. So erfolgreich, dass eine Spezialisierung auf die Tropenkinder in den Fokus gerät. 1984 steigt Thomas Koch in das Unternehmen ein, hat zu diesem Zeitpunkt seine Lehre zum Gärtner und sein Studium abgeschlossen, einige Zeit im Ausland verbracht. In dieses Jahrzehnt fällt auch der Umzug aus dem Ruhrgebiet ins Sauerland.

Ende der 1980er-Jahre lernt Thomas Koch seine Frau Trudi aus Förde am Niederrhein kennen. Eigentlich Lehrerin, beginnt sie auf den Höhen von Lennestadt, sich dem Privatkundenverkauf zu widmen. „Die Sparte wurde für den Betrieb dann immer wichtiger“, erinnert sich der Inhaber. Die faszinierende Welt der Orchideen ziehe einfach magisch an. In Grevenbrück kann sie hautnah erlebt werden. Ob Stammtisch, Karnevalsverein, Lions Club, politische Gremien oder Touristen – unzählige Gruppen kehren in die Orchideen-Farm ein – zumindest vor der Pandemie.

Verkauf geht weiter

Aktuell zeugen nur noch die vielen Tische mit Schalen, Übertöpfen und saisonalen Accessoires und Stühle inmitten der aus den Regenwäldern Südamerikas und Südostenasien stammenden Pflanzen vom regen Treiben. Der große Raum steht eigentlich für Geselligkeit. Häufig in Kooperation mit dem Verein Musik und Theater (MuT) Sauerland vereint sich die Gärtnerei durch Kleinkunst, Lesungen und Konzerte mit dem kulturellen Leben der Region. „Jetzt stehen wir von einer reinen Dekofläche.“ Der Verkauf gehe weiter, das funktioniere aufgrund der Größe des Areals auch sehr gut.

Auffällig ist, dass viele Schmetterlingsorchideen mit ihren kräftigen, edlen Blüten in dunkelpink die Ausstellungsfläche säumen. „Das ist unsere ,Lennestadt’“, ist Trudi Koch sichtbar stolz auf die anmutigen Pflanzen im Topf, immer zwei in einem für eine Vielzahl an Blütenköpfen. „Wir haben viel mehr ,Lennestädter’ als du“, damit habe er den früheren Bürgermeister Stefan Hundt auf eine freundschaftliche Art immer gut ärgern können, schmunzelt Koch. Die häufigsten Fragen, die Thomas und Trudi Koch gestellt werden, gehören in den Bereich der Pflege des Gewächses, das in der Natur in luftiger Höhe auf Bäumen blüht. Umpflanzen sei wichtig, so Thomas Koch, etwa alle zwei Jahre mit gutem Pflanzstoff – „das übernehmen wir auf Wunsch bei uns“. Er erläutert, dass es Orchideen grundsätzlich hell mögen, „direkte Sonneneinstrahlung sollte aber vermieden werden, die Pflanze bekommt einen Sonnenbrand.“

Ab dem Frühsommer sollte sie daher mehr in den Raum gestellt werden, sozusagen in die zweite Reihe rücken. Beim Gießen sei der Tipp „regelmäßig ein Schnapspinnchen“ längst Geschichte. Koch rät zum Eintauchen, ein paar Minuten, dann gut abtropfen lassen.

Die Pflege sei zwar komplex, aber leicht umzusetzen, jeder Kunde bekomme umfassende Anleitungen mit nach Hause, sagt Thomas Koch und möchte mir dann eine Besonderheit zeigen. Wir gehen wieder zurück in das 28 Grad Celsius warme Gewächshaus. Im hinteren Bereich neben den unzähligen Orchideen-Jungpflanzen gedeihen Stecklinge, die zu Brotfruchtbäumen heranwachsen sollen. Seine bis zu 6 Kilogramm schweren Früchte dienen vor allem in Asien als Grundnahrungsmittel.
500 Jungpflanzen sind kürzlich vom Sauerland aus nach Gambia geschickt worden. „Das ist ein Hilfsprojekt, Brotfrüchte aus dem Sauerland für die Welt“, betont Koch. „Ich übernehme den Jungpflanzenpart.“ Die Vermehrung der Brotfruchtbäume sei schwierig und technisch anspruchsvoll. „Ich bin der einzige, der das weit und breit macht.“ Ein erntereifer Baum könne in Gambia eine vierköpfige Familie ernähren.

Verzicht auf Verpackungsfolie

Eine Tür weiter schimmern silber-metallisch viele kleine weiße Punkte auf grünen Blättern im Licht. Thomas Koch züchtet auch eine Begonien-Art, die Eigenmarke „Pünktchen“, eine auffällige und dekorative Zimmerpflanze, neben den Orchideen möglichst umweltfreundlich produziert. Dazu gehöre die Nutzung von Abwärme aus der benachbarten Biogasanlage und der Verzicht auf Verpackungsfolie. „Wir verwenden Papier, das zu 40 Prozent aus Gras besteht.“

In dieser Hülle verlässt auch meine „Lennestadt“ die Farm, bei mir hat sie einen neuen Platz gefunden, im Halbschatten auf der Kommode und zieht dort mit einer unsagbaren Leuchtkraft die Aufmerksamkeit im Nu auf sich.

Autor:

Yvonne Clemens (Redakteurin) aus Stadt Olpe

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