39-Jähriger aus Herdorf verurteilt

Sexueller Missbrauch: zwölf Jahre Haft

Im Landgericht Koblenz ist ein 39-jähriger Herdorfer jetzt zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

Im Landgericht Koblenz ist ein 39-jähriger Herdorfer jetzt zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden.

sz Koblenz/Herdorf. Die 1. Große Strafkammer des Koblenzer Landgerichts hat Michael T. (alle Namen geändert) zu zwölf Jahren hinter Gittern verurteilt. Der 39-Jährige hat nach Ansicht der Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Metzger über rund zehn Jahre hinweg immer wieder seine leibliche Tochter Johanna missbraucht. Das Mädchen ist heute 16 Jahre alt und lebt seit ihrem Gang zur Polizei von der Familie getrennt. Johanna hatte sich seinerzeit zwei Freundinnen anvertraut, beim beliebten Spiel „Wahrheit oder Pflicht“. Später erzählte sie auch dem Vater einer Freundin von ihren Erlebnissen. Dabei soll sie gesagt haben: „Ich bin Papas Sexspielzeug.“ Wie mehrfach berichtet, kam im Laufe des Prozesses immer wieder der PC ins Spiel. Denn teilweise hatte Michael T. die Sexualstraftaten an seiner Tochter im Internet übertragen. Davon zeigte sich das Gericht letztlich überzeugt. Die Familie von Michael T. – seine Verlobte und deren Kinder – hatten indes einhellig ausgesagt, dass sie nie etwas von etwaigen Vorfällen mitbekommen hätten. Und dass sie die Vorwürfe für aus der Luft gegriffen erachten. Der Sohn hob in seiner Aussage unter anderem auf die zahlreichen Gebrechen von Michael T. ab, fragte aus dem Zeugenstand heraus: „Was soll der Mann groß können?“ Die Mutter des Angeklagten berichtete, ihr Sohn sei „nie ungezogen“ gewesen, habe sich „ganz normal“ entwickelt. Die Verlobte von Michael T. – Johannas Mutter – sprach von einem „harmonischen Familienleben“ in dem Wohnhaus in Herdorf. Sie betonte auch, dass jeder, der sich im Haus bewegte, theoretisch Zugang zu besagtem Computer habe. Zu dieser Zeit sei es in ihrem und dem Umfeld ihres Lebensgefährten auch zu Datenmissbrauch gekommen. Auf dem Rechner wurden u. a. Chat-Protokolle mit eindeutigem Inhalt gefunden. Ein Polizeibeamter, der den Laptop ausgewertet hatte, berichtete davon, dass der eingetragene Benutzername mit dem des Angeklagten übereinstimme. In einem Chat mit sexuell offenbar ähnlich veranlagten Nutzern hatte es zumindest einmal geheißen: „Mein Name ist Michael.“ Und: „Meine Tochter heißt Johanna.“ Darin wurde auch von den Freundinnen der Tochter geschwärmt. Die eine sei „acht Jahre alt, Top-Figur.“ Für einen Richter, der Johanna Monate vor Prozessbeginn zur Sache befragt hatte, waren die Schilderungen des Mädchens indes glaubhaft – weil sie demnach immer wieder Details wiedergab, die sich schwerlich ausdenken lassen. „Das klang für mich völlig plausibel“, sagte er im Zeugenstand. Johanna, die selbst als Nebenklägerin im Verfahren auftrat, hatte zu Beginn die Aussage verweigert. Ein medizinischer Gutachter war überdies zu dem Schluss gekommen, dass Michael T., der stets auf Krücken in den Gerichtssaal kam, sehr wohl körperlich in der Lage gewesen wäre, die ihm vorgeworfenen Taten zu begehen. Das alles hat die Kammer dazu bewogen, insgesamt 26 Missbrauchsfälle von Schutzbefohlenen anzunehmen. Teilweise spielen auch Körperverletzungen und die Verbreitung von kinderpornografischen Inhalten in das gefällte Urteil hinein. Richter Metzger wandte sich in seiner Urteilsbegründung an Johannas Mutter: Sie habe ihrer Tochter, die nun fürs Leben gezeichnet sei, in dieser Sache nie beigestanden, so der Tenor seiner Ausführungen. Michael T. sitzt bereits seit knapp eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Die Verteidigung kündigte an, Revision beantragen zu wollen.

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