Beweidungsprojekt der Familie Schulmeister im Sottersbachtal

Gina und Lisa knabbern für den Naturschutz

Lisa (l.) und Gina haben das große Los gezogen. Sie dürfen ein rund ein Hektar großes Areal im Sottersbachtal „bewirtschaften“. Zu fressen gibt es hier genug, in diesem Jahr wurde noch nicht ein Mal gemäht. Familie Schulmeister aus Dermbach hält das Grundstück der Fa. Thomas mit seinen Rindern offen.

Lisa (l.) und Gina haben das große Los gezogen. Sie dürfen ein rund ein Hektar großes Areal im Sottersbachtal „bewirtschaften“. Zu fressen gibt es hier genug, in diesem Jahr wurde noch nicht ein Mal gemäht. Familie Schulmeister aus Dermbach hält das Grundstück der Fa. Thomas mit seinen Rindern offen.

dach Herdorf. Besser hätten es Gina und Lisa nicht antreffen können. Ist ihnen zu heiß, suchen sie Schatten unter den Bäumen, haben sie Durst, schlabbern sie das kühle Wasser des Sottersbachs. Und wenn sie hungrig sind – also eigentlich die ganze Zeit – bedienen sie sich an der reichlich gedeckten Tafel, pardon: Wiese.

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Die beiden Charolais-Färsen (weibliche Rinder, die noch nicht gekalbt haben) sind seit einigen Tagen auf einer Wiese im Sottersbachtal zuhause, sind jetzt gewissermaßen Nachbarn der Fa. Thomas. Und es ist auch deren Grund und Boden, auf dem es sich die Wiederkäuer nun gutgehen lassen. Sie sind Teil eines Beweidungsprojekts der Familie Schulmeister, das mit der Erweiterung des Industrieunternehmens in Zusammenhang steht.

Wie berichtet, hatte die Fa. Thomas nicht nur jüngst die 1000-Mitarbeiter-Marke geknackt, sondern hegt nach wie vor Expansionspläne. Nach zwei Produktionshallen oberhalb und unterhalb des ursprünglichen Firmengeländes sollen am Innomotion Park 1, also zwischen Sottersbach und Landesstraße, demnächst weitere Hallenkapazitäten entstehen. Bei solchen Baumaßnahmen sehen das Naturschutzgesetz und das Baugesetzbuch sogenannte Ausgleichsmaßnahmen vor: Der Natur soll es nach einer Baumaßnahme nicht schlechter gehen als vorher.

Eine Maßnahme für die anstehende Erweiterung ist „die Wiederaufnahme der Nutzung einer Feuchtwiese“, wie Firmensprecher Peter Rollepatz auf Anfrage mitteilt. Gemeint ist ein Wiesenstück unterhalb der neu gebauten Brücke über den Sottersbach als Teilstück der Anbindung der Fa. Thomas an die Landesstraße.

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Insgesamt 1,3 Hektar umfasst das Areal, wie Henning Schulmeister berichtet. Ein kleiner Teil davon sei Privateigentum, der weitaus größere Bereich gehöre dem Unternehmen.

Im vergangenen Jahr sei die Wiese mit einem Balkenmäher von Hand gestutzt worden, also möglichst schonend. Das rief den Nebenerwerbs-Landwirt aus Dermbach auf den Plan. „Ich musste wir was einfallen lassen“, sagt er in Bezug auf das Winterfutter für seine sieben Rinder und sechs Schweine, die er einige hundert Meter weiter bachabwärts hält. Denn bislang hatte er dafür unter anderem die Wiesen am Innomotion Park 1 gepachtet. Doch die fallen als Flächen für den Teilzeitbauern nun weg. Eigentlich hatte er also die Feuchtwiese mähen wollen – bis er erfuhr, dass das aus Naturschutzgründen zumindest mit dem Traktor nicht möglich ist.

Schnell war aber die Idee zu einem Beweidungsprojekt geboren. „Wir sind seit zehn Tagen auch als ,Partnerbetrieb Naturschutz’ vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum ausgezeichnet“, so Schulmeister. Das passt also. Die Familie betreibt in Dermbach den Hof Zöllerswies samt eigenem Hofladen (Internet: www.hof-zoellerswies.de).

Als vor ca. vier Wochen der Vertrag mit der Fa. Thomas unterzeichnet war, machte sich Henning Schulmeister, der nach Kräften von seiner Frau Alexandra sowie Sohn Moritz und Tochter Helene unterstützt wird, frisch ans Werk. Zunächst kam der Erdbohrer zum Einsatz, danach der Vorschlaghammer: 120 Zaunpfähle rammte der Dermbacher in die Herdorfer Erde. „Alles Käferholz“, betont er den naturnahen Ansatz des Projekts. 1200 Meter Elektrozaun wurden gezogen, fertig war das Färsenparadies.

Das umfasst auch einen Zugang zum Bach. Mehr noch: Für das kommende Jahr soll zusätzlich ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück auf dem anderen Ufer mit eingezäunt werden, sodass die Tiere sich dann noch freier bewegen können.

Die Wiese ist in diesem Jahr noch gar nicht gemäht worden und rund einen Meter hoch. „Da haben die lange dran zu knabbern“, sagt Schulmeister schmunzelnd, den Blick auch Gina und Lisa gerichtet. Ein weiterer Pluspunkt: Hier sind nicht nur verschiedene Pflanzenarten zu finden, auch völlig unterschiedliche Tiere. Rehkitze fühlen sich hier ebenso wohl wie Ringelnattern oder Erdwespen.

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Aber warum denn nur zwei Rinder? Nun, zum einen soll hier wirklich eine urtümliche Haltung der Tiere verwirklicht werden. Zum anderen kommt, wie bei Bauern üblich, die Europäische Union ins Spiel. Schulmeister hat Fördergelder für die Offenhaltung der Wiese beantragt. Dabei wird pro Rind eine gewisse Fläche gefordert. Demnächst erwartet er einen Biologen der Kreisverwaltung, der die Artenvielfalt des Areals bestätigt.

Das dürfte Gina und Lisa aber herzlich egal sein, solange sie hier ihren Schatten, ihr Wasser, ihr Futter und jede Menge Platz haben, um sich nach Lust und Laune die Hufe vertreten zu können. Hier, im schönen Sottersbachtal.

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