Heute Wahlen in Rheinland-Pfalz

Das doppelte Kopf-an-Kopf-Rennen im AK-Land

Haben in der Kirchener Verwaltung derzeit alle Hände voll zu tun, um den Massen an Briefwahlunterlagen Herr zu werden: Celina Schumacher, Petra Urigshardt und Stephan Romschinski (v. l.).

Haben in der Kirchener Verwaltung derzeit alle Hände voll zu tun, um den Massen an Briefwahlunterlagen Herr zu werden: Celina Schumacher, Petra Urigshardt und Stephan Romschinski (v. l.).

thor Kreis Altenkirchen. Als Julia Klöckner an diesem Abend im Februar 2016 im Kulturwerk in Wissen spricht, umgibt sie die Aura der künftigen Ministerpräsidentin. Angesichts hervorragender Umfrageergebnisse knapp vier Wochen vor der Landtagswahl strotzt die Spitzenkandidatin der CDU nur so vor Selbstbewusstsein – und die Basis im AK-Land liegt ihr zu Füßen und zollt stehende Ovationen. Was folgte, ist bekannt: Am 13. März kam für die rheinland-pfälzische Union die große Ernüchterung, zwei Jahre später verabschiedete sich Klöckner Richtung Berlin.

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Spannendes Rennen in in beiden heimischen Wahlkreisen

Nicht nur die Christdemokraten im Kreis Altenkirchen haben dieser Tage ein Déjà-vu-Erlebnis. Lange Zeit lag die CDU mit Christian Baldauf an der Spitze schier uneinholbar vorn, doch Stück für Stück hat sich die SPD und vor allem Malu Dreyer zurückgekämpft. Inzwischen gehen fast alle politischen Beobachter davon aus, dass sich nach der Landtagswahl am heutigen Sonntag an den Kräfteverhältnissen in Mainz nichts bzw. nur wenig ändern wird und die Ampelkoalition weitermachen kann.

Ungleich spannender dürfte es hingegen in den beiden heimischen Wahlkreisen werden. Beide Male könnte es ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben. Im Wahlkreis 1, der den Oberkreis des AK-Landes plus die Verbandsgemeinde Rennerod umfasst, treffen zwei alte Bekannte aufeinander: Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) kämpft gegen Michael Wäschenbach (CDU) wie schon 2016 um das Direktmandat. Vor fünf Jahren schaffte das der Wallmenrother mit 41,6 Prozent der Stimmen, seine prominente Kontrahentin kam auf 38,7 Prozent. Da bei ihr – natürlich – der Listenplatz zog, ist der Wahlkreis 1 mit zwei Abgeordneten im Landtag vertreten.

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Sabine Bätzing-Lichtenthäler sehr präsent in den Medien

Nun sind die Vorzeichen 2021 ganz andere. In einer Zeit, in der Wahlkampf fast ausschließlich virtuell funktioniert, profitiert Bätzing-Lichtenthäler als Gesundheitsministerin in der Pandemie von einer enormen Medien-Präsenz. Michael Wäschenbach hat in den vergangenen Wochen wacker versucht, dagegen zu halten. Viele namhafte CDU-Politiker waren zu Gast in seinen Online-Veranstaltungen. Doch unter Umständen wird auch er die Auswirkungen der Masken-Affäre seiner Partei in Berlin im Wahlkreis spüren. Die Seite „wahlkreisprognose.de“ sieht derzeit jedenfalls einen Gleichstand. Was bedeutet, beide Kandidaten trennen maximal 3 Prozent.

Zwei Newcomer treten im Wahlkreis 2 gegeneinander an

Etwas anders sieht es im Wahlkreis 2 aus. Hier lautet derzeit die Botschaft der Prognose: „Too close to call für CDU.“ Damit ist ein leichter Vorsprung gemeint. Im Unterkreis treffen zwei Newcomer aufeinander. Dr. Matthias Reuber (CDU) und Matthias Gibhardt (SPD). 2016 hatte noch Dr. Peter Enders den Wahlkreis haushoch für die Union gewonnen. Nach seinem Wechsel auf den Chefsessel der Altenkirchener Kreisverwaltung war Jessica Weller nachgerückt. Die Gebhardshainerin unterlag aber vor Monaten in einer Kampfkandidatur gegen den erst 28-jährigen Reuber.

Auch bei der SPD gab es mitten in der Legislaturperiode einen Bruch: Thorsten Wehner musste im Zuge der Affäre um den AWo-Kreisverband zurücktreten.

Für ihn kam Heijo Höfer ins Landesparlament, aus Altersgründen verzichtete der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen auf eine erneute Kandidatur. Sowohl Reuber als auch Gibhardt sind aufgrund ihrer hinteren Listenplätze zwingend darauf angewiesen, den Wahlkreis direkt zu holen.

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Insgesamt sind am Sonntag 3,1 Millionen Rheinland-Pfälzer wahlberechtigt. 63.000 junge Menschen dürfen zum ersten Mal überhaupt bei einer Wahl ihre Kreuzchen machen. Im Wahlkreis 1 gibt es genau 56 095 Wahlberechtigte, im Wahlkreis 2 sind es 56.500. Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung bei 66,2 bzw. 66,4 Prozent.

Enorm hoher Anteil von Briefwählern

Keine Überraschung ist der enorm hohe Anteil von Briefwählern. Schon vor Corona war der Trend eindeutig. Nach Angaben des Landeswahlleiters Marcel Hürter haben bereits rund 45 Prozent der Wahlberechtigten Briefwahl beantragt. Auch die Menschen im Kreis Altenkirchen nutzen diese Option, wie das Beispiel der Verbandsgemeinde Kirchen zeigt.

Mit Stand von Donnerstagmittag haben sich von den 18.332 Wahlberechtigten 7433 für eine Briefwahl entschieden. – damit ist auch hier die Marke von 40 Prozent schon locker überschritten. „Wir haben einige Wahllokale mit fast 50 Prozent Briefwählern“, berichtete Petra Urigshardt von der Verwaltung. Klare Botschaft also: Das Virus hat vieles verändert, aber nicht das demokratische Pflichtbewusstsein.

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