Hilfe für ausgesetzte Haustiere

„Die haben keine Chance, draußen zu überleben“

Mit dem Käscher hat Martin Szostak zumindest zwei der ausgesetzten Kaninchen erwischt. Die anderen haben die Verantwortungslosigkeit ihres Besitzers wohl mit dem Leben bezahlt.

Mit dem Käscher hat Martin Szostak zumindest zwei der ausgesetzten Kaninchen erwischt. Die anderen haben die Verantwortungslosigkeit ihres Besitzers wohl mit dem Leben bezahlt.

damo Freusburg. Auch wenn Martin Szostak mittlerweile Giebelwaldförster im Ruhestand ist, bleibt er doch für viele Freusburger ein wichtiger Ansprechpartner, wenn’s um den Wald und seine Bewohner geht. Und so klingelte Szostaks Telefon am Wochenende gleich mehrfach: „Die Leute haben mich informiert, dass jemand kleine Kaninchen am Waldrand ausgesetzt hat.“

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Nun kennt sich Szostak in der Natur blendend aus, und so kann er sich an zwei Fingern abzählen, wie gut die Ex-Stallhasen in freier Wildbahn klarkommen werden: „Gar nicht.“ Also rückte Szostak an, um den Langohren zu helfen.

Neues Zuhause für ausgesetztes Kaninchen

Er musste gar nicht weit laufen: Keine hundert Meter vom Forsthaus entfernt kauerte ein halbes Dutzend kleine Häschen im Dickicht – und zwar direkt am Hauptwanderweg. Dass dort immer wieder Spaziergänger entlanglaufen und hin und wieder ein Haubergsgenosse mit seinem Auto langkommt, störte die Hasen nicht. „Die waren völlig zahm, man konnte sich ihnen bis auf zwei Meter nähern“, berichtet Szostak.

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Um aber helfen zu können, musste er noch näher rankommen – da trifft es sich, dass es am Forsthaus mehrere Gartenteiche und folglich einen stabilen Käscher  gibt. Mit diesem Werkzeug gelang es Szostak, zwei Kaninchen einzufangen. Eines davon hat er selbst in gute Hände vermitteln können: „Ich wusste, dass auf einem Grundstück in der Siedlung ein Kaninchenstall steht – also hab ich’s da versucht.“ Und siehe da: Die Kinder der Familie haben das pechschwarze Kaninchen mit Kusshand aufgenommen.

Eines der Kaninchen hat eine neue Heimat in Freusburg gefunden.

Eines der Kaninchen hat eine neue Heimat in Freusburg gefunden.

Das zweite Tier, das Szostak ins Netz gegangen ist, leidet aber an einer Augenentzündung – und so hat der Freusburger den Tierschutzverein informiert. „Die sind noch am selben Nachmittag angerückt und haben das Kaninchen in die Tierarztpraxis gebracht.“

Zwei Kaninchen waren schon tot

Damit sind zwei der Findelkinder gut versorgt – aber eben längst nicht alle. Denn zwei weitere Kaninchen waren schon tot, als Szostak zum ersten Mal an Ort und Stelle war. Und zwei weitere haben sich schlichtweg nicht einfangen lassen. Weil sie in den Folgetagen nicht mehr gesichtet worden sind, schwant dem ehemaligen Förster Böses: „Ich befürchte, die hat sich der Marder geholt.“

Denn Fluchtreflexe haben die domestizierten Kaninchen kaum noch: „Und sie kennen auch keinen Uhu, keinen Waldkauz und keinen Fuchs“, ergänzt Szostak. Zudem tun sie sich nach seiner Einschätzung schwer damit, geeignetes Futter zu finden, und eine Höhle werden sie sich wohl auch kaum bauen können. Also fällt Szostaks Prognose ernüchternd aus: „Die haben keine Chance, hier draußen zu überleben.“

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Und genau das war für Szostak auch der Grund, die SZ-Redaktion zu informieren: Er will deutlich machen, wie verantwortungslos es ist, Tiere auf diese Art und Weise loszuwerden. „So was macht mich traurig – das hat nichts mit Verantwortung und mit Achtung vor dem Leben zu tun.“

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