Josef Jendrek hat 7000 Quadratmeter blühende Landschaften erschaffen

Wildwuchs willkommen

Wegwarten sind selten geworden. Auf den Wildblumenwiesen von Josef Jendrek sieht man sie reichlich.

Wegwarten sind selten geworden. Auf den Wildblumenwiesen von Josef Jendrek sieht man sie reichlich.

damo Kirchen. Dass die letzten Jahrzehnte für das große Heer der Sechsbeiner dramatisch schlecht waren, dürfte mittlerweile jeder mitbekommen haben: Die Krefeld-Studie zum Insektensterben ist im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen, und auch die Bilder von Chinesen, die auf Bäume klettern und Apfelblüten bestäuben, haben traurige Bekanntheit erlangt. Bloß: Lamentieren alleine wird das Artensterben nicht aufhalten – und das weiß auch Josef Jendrek. Deshalb versucht er gegenzusteuern.

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Zumindest im Rahmen seiner Möglichkeiten. Klar: Wenn’s um den globalen Raubbau am Planeten Erde geht, sind seine 7000 Quadratmeter praktisch nichts – aber führt man sich vor Augen, dass er eigens Flächen im Wald aufgekauft hat, um dort dem Wildwuchs eine Chance zu geben, ist sein Engagement allemal vorbildlich.

Die Idee dahinter liegt auf der Hand: Ohne Wildblumen keine Wildbienen. „Jede einzelne Fläche hilft, denn jede einzelne Fläche bietet Insekten einen wertvollen Lebensraum“, sagt Jendrek im Gespräch mit der SZ. Und die Flächen müssen nicht einmal groß sein, meint er: „Viele kleine Wildblumenwiesen, die zusammen ein großes Mosaik ergeben, sind sogar besser.“

Schon seit knapp 20 Jahren bringt Jendrek an Wegrändern, auf Brachflächen, auf Lichtungen oder auf Schneisen im Wald Saatgut-Mischungen aus – und so hat der Jäger insbesondere in seinem Revier in Kirchen vielerorts Spuren hinterlassen. Die Spaziergänger nehmen das oft gar nicht wahr, denn viele Flächen liegen abseits der Wege – was den Hummeln, Bienen und Schmetterlingen natürlich herzlich egal ist. Sie freuen sich über Natternkopf und Wegwarte, über Lichtnelke und Kornblume, über Buchweizen und Goldrute und über unzählige weitere Pflanzen, die früher allgegenwärtig waren.

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„Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es früher viel mehr Wildblumen in der Landschaft gab“, sagt Jendrek. Über die Jahre hinweg seien es immer weniger geworden – und lange, bevor die Krefelder Entomologen Alarm geschlagen haben, hat Jendrek mit seinem ganz privaten Wildblumenprogramm begonnen.

Dazu nutzt er eigene Flächen, aber nicht nur: Immer wieder spricht der Jäger auch andere Grundstücksbesitzer an – und viele geben ihm freie Hand, unter anderem die Kirchener Haubergsgenossen.

Mit Flächen allein ist es freilich nicht getan: Jendrek hat sich Partner gesucht, die ihn unterstützen. Der Imker Marko Plett gibt Jendrek Tipps, und Armin Utsch von den Kirchener Baumschulen stellt ihm kostenlos seine Maschinen zur Verfügung.

Denn zumeist beginnt Jendreks Arbeit damit, die Flächen erst einmal für die Einsaat vorzubereiten. Dazu fräst er sie; im nächsten Schritt bringt er regionale Saatgutmischungen aus. Bewässern kann er die Flächen mitten im Wald natürlich nicht: „Da bleibt nur, auf Regen zu hoffen.“

Dass Jendrek immer wieder auch Rückschläge erlebt, liegt auf der Hand: In diesem Jahr sind ihm reihenweise Keimlinge erfroren, und der knochentrockene Boden dämpft natürlich auch auf seinen Wildblumenwiesen das Wachstum. Und trotzdem brummt, summt und flattert es dort in einem fort, und Hasen und Rehe lassen sich ebenfalls regelmäßig blicken.

Und das motiviert ihn, noch mehr Flächen zu schaffen, auf denen Wildwuchs willkommen ist: Jendrek verfolgt das ehrgeizige Ziel, „auf lange Sicht 2,5 Hektar im Revier Kirchen in Blühflächen umzuwandeln“. Dabei ist es ihm wichtig, nicht mit Landwirten in Konkurrenz zu treten: „Ich werde den Bauern auch nicht einen einzigen Quadratmeter abnehmen.“ Das ist auch gar nicht nötig: Geeignete Flächen gibt’s reichlich.

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Das größte Potenzial sieht Jendrek aber in der Summe der privaten Gärten: „Wenn jeder 50 Quadratmeter der Natur überlassen würde, wäre enorm viel gewonnen.“ Und es sei nicht einmal nötig, dort gezielt Wildblumen anzusiedeln oder gar Fachwissen mitzubringen: „Ein Stück vom Garten einfach in Ruhe zu lassen, reicht völlig aus. Den Rest erledigt die Natur."

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