Junge Rehe sind keine Meister der Selbstverteidigung

Drohne soll Rehkitze retten

Sich zu ducken und still zu sein, mag eine gute Taktik sein, um Fuchs und Wildschwein fernzuhalten – gegen Kreiselmäher wirkt sie nicht. Um den Nachwuchs der Rehe vor dem Tod im Mähwerk zu bewahren, will der Hegering moderne Technik einsetzen.

Sich zu ducken und still zu sein, mag eine gute Taktik sein, um Fuchs und Wildschwein fernzuhalten – gegen Kreiselmäher wirkt sie nicht. Um den Nachwuchs der Rehe vor dem Tod im Mähwerk zu bewahren, will der Hegering moderne Technik einsetzen.

damo Kirchen. Niedlich, aber hilflos: Rehkitze sind nicht gerade Meister der Selbstverteidigung. Also wählen sie eine andere Strategie, wenn Gefahr droht: Sie drücken sich flach auf den Boden und hoffen, dass sie im dichten Gras übersehen werden. Und weil Rehkitze kaum einen Eigengeruch verströmen, funktioniert diese Strategie gegen Füchse, Dachse und Wildschweine erstaunlich gut. Leider haben die Rehe aber die Rechnung ohne Kreiselmäher gemacht.

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Wenn ein Bauer im Frühsommer seine Wiese mäht, ist das für Rehkitze oft das Todesurteil. Denn einmal mehr war der Mensch zu schnell, um der Natur eine Chance zu geben: Auf natürliche Fressfeinde konnte sich das Rehwild im Laufe der Evolution einstellen – aber schlüssige Strategien, um einem Mähwerk zu entgehen, haben Rehe noch nicht entwickeln können. „Jährlich sterben in Deutschland hunderttausende Kitze bei der Wiesenmahd“, erklärt Josef Jendrek: „Sie haben keine Chance.“ Also sind andere gefordert: Meist versuchen Bauern und Jäger im Schulterschluss, die Rehkitze vor dem Tod zu bewahren.

So berichtet der Leiter des Hegerings Betzdorf-Kirchen, dass viele Landwirte auf Jäger kooperieren: Der Bauer ruft den Jäger an und teilt ihm mit, wann er seine Wiese mähen will. Dann rückt der Jäger ein paar Stunden vor dem Mähen an und lässt seinen Hund die Wiese absuchen. Wenn der Vierbeiner ein Kitz entdeckt hat, zeigt er es dem Jäger an, der das junge Reh schließlich in Sicherheit bringen kann.

Dieses Procedere hat auch Jendrek schon unzählige Male erlebt – und jedesmal hat es sich für ihn gelohnt: „Jagd ist Naturschutz, und es ist ein wirklich gutes Gefühl, ein Rehkitz vor dem sicheren Tod bewahrt zu haben.“

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Aber: Weil die Landwirte auf den maximalen Ertrag ihrer Wiesen als Silage angewiesen sind, wollen sie zum optimalen Zeitpunkt die Mahd durchführen – also dann, wenn das Gras hoch genug ist und das Wetter passt. Und so knubbeln sich die Mahdtermine, was nicht nur für die Jäger ganz schön stressig werden kann: Vor allem die Hunde sind dann massiv gefordert. Nun ist eine feine Hundenase zwar sensibel genug, um ein Rehkitz in der Wiese zu finden – aber das strengt den Nasenbesitzer ganz schön an: „Die Hunde werden müde“, weiß Jendrek aus Erfahrung.

Weil das Absuchen der Wiesen mit den Hunden zudem zeitintensiv ist, will der Hegering moderne Technik einsetzen: Geplant ist der Kauf einer Drohe mit Wärmebildkamera. Jendrek hat diese Technik vor Kurzem in Norddeutschland in natura erlebt, und er ist davon überzeugt, dass sie „zuverlässig und schnell ist. Und eine Drohne ermüdet nicht“. Zwei Jäger aus dem Hegering haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, sich zum Drohnenpiloten ausbilden zu lassen.

Eine Haken gibt’s aber noch: Die Technik ist nicht gerade billig. Rund 3200 Euro müsse man für den Kauf rechnen, sagt Jendrek – und so hofft der Hegering auf Unterstützung. „Wir versuchen, den Kauf der Drohne mit Spendenmitteln zu finanzieren.“ Etliche Jäger aus dem Hegering wollen sich beteiligen, und auch einige Landwirte sind mit von der Partie. Zudem gibt es auch gewerbliche Sponsoren. „Aber noch fehlt uns Geld“, sagt er. Wer die Jäger – und damit die Rehkitze – unterstützen will, kann sich gerne an Jendrek wenden: Tel. (01 60) 1 56 49 99. Als gemeinnütziger Verein kann der Hegering Spendenquittungen ausstellen.

Jendreks Telefonnummer dürfen aber nicht nur diejenigen wählen, die dem Hegering beim Drohnenkauf helfen wollen: „Wenn jemand ein Rehkitz findet und sich nicht sicher ist, ob alles okay ist: ruhig bei mir anrufen.“ Vor allem aber: „Auf keinen Fall das Kitz anfassen“, mahnt der Jäger, denn der Geruch des Menschen kommt bei Mama Reh gar nicht gut an.

Meist aber benötigen Kitze, die vermeintlich allein auf einer Wiese liegen, überhaupt keine Hilfe. Es sei nämlich völlig normal, dass die Ricke nur etwa eine Stunde pro Tag bei ihrem Nachwuchs sei. „Sie lässt die Kitze allein, um diese nicht zu gefährden“, erklärt Jendrek: Denn im Gegensatz zu ihrem Nachwuchs sind ausgewachsene Rehe für ihre Feinde leicht zu erschnuppern.

Und noch einen Appell formuliert Jendrek im Gespräch mit der SZ: „Es ist verantwortungslos, Hunde in Feld, Wald und Wiesen frei laufen zu lassen.“ Das gelte zwar das gesamte Jahr über, ganz besonders aber im Moment. Denn noch läuft die Setzzeit der Rehe, die Wiesen sind damit Kinderstuben. „Jetzt Hunde laufen zu lassen, endet oft tödlich.“

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