Tragödie von Niederschelderhütte

Acht Jahre Haft wegen Totschlags

In der Adolfstraße in Niederschelderhütte kam es im August vergangenen Jahres zu einer folgenschweren Tragödie.

In der Adolfstraße in Niederschelderhütte kam es im August vergangenen Jahres zu einer folgenschweren Tragödie.

thor Koblenz/Niederschelderhütte. Die Tragödie von Niederschelderhütte hat am Mittwoch ihr vorläufiges Ende gefunden: Für den Totschlag seiner eigenen Mutter hat das Landgericht Koblenz den 38-jährigen Manuel K. (Name von der Redaktion geändert) zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Zugleich wurde die Unterbringung in einer psychiatrischen Fachklinik angeordnet. Bei dem Schelderhütter wurde eine schwere Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.

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Vonseiten der Staatsanwaltschaft waren zehn Jahre gefordert worden, die Verteidigung hatte auf sieben Jahre plädiert. Nach drei Verhandlungstagen sah es die Kammer unter Vorsitz von Reiner Rühmann als erwiesen an, dass der Beschuldigte im August vergangenen Jahres in einem Haus an der Adolfstraße seine 61-jährige Mutter getötet hat. Diese war erst kurz vorher dort wieder eingezogen. Die Frau verblutete noch am Tatort, nachdem sie von Manuel K. mit Fäusten, Teller, Messer und Beil traktiert worden war.

„Hier sind zwei Menschen aufeinander getroffen in einer Konstellation, die sie nicht bewältigen konnten“, sagte Rühmann. Oft sei an diesem Prozess-Tag von „tragisch“ die Rede gewesen. Und das sei wirklich so: „Dass Menschen nicht voneinander lassen können, obwohl sie wissen, dass es nicht gut ist.“

Minder schwerer Fall wegen Persönlichkeitsstörung

Auch aufgrund der Persönlichkeitsstörung des Anklagten wertete das Gericht die Tat als minderschweren Fall (darauf steht eine Strafe zwischen einem Jahr und elf Jahren), dennoch wollte Rühmann keine Verharmlosung betreiben. Es sei auf eine brutale, grausame und vernichtende Art getötet worden: „Es ist ein Mensch abgeschlachtet worden. Das kann man eigentlich nicht aushalten.“

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Das Beil stehe sinnbildlich für die völlige Zerstörung, Manuel K. sei bis zuletzt in dieser Mutter-Kind-Beziehung gefangen gewesen, so Rühmann, nichtsdestotrotz habe auch er immer die Chance gehabt, daraus auszubrechen. Acht Jahre halte das Gericht für angemessen, um dem Geschehenen gerecht zu werden.

Begonnen hatte der Verhandlungstag mit der Vernehmung der beiden letzten Zeugen. So wurde ein Nachbar des Angeklagten mit der Polizei vorgeführt. Eigentlich war sein Erscheinen schon zuvor angeordnet gewesen, doch die Reise nach Koblenz hatte er aus „Kostengründen“ abgesagt. Das brachte ihm nun ein Ordnungsgeld von 300 Euro ein.

Spannung war spürbar

Der Nachbar, nach eigenen Angaben, ein Freund von Manuel K., war der erste am Tatort, nachdem seine Freundin Whats–App-Nachrichten vom Täter erhalten hatte. „Ich wusste, dass es stimmte, was er da sagte.“ Zur Vorgeschichte gab er an, dass die Spannung zwischen Mutter und Sohn spürbar gewesen sei. Beider Umgang sei respektlos gewesen. Auf Nachfrage erklärte er zudem, dass Manuel K. oft ein frauenverachtendes Verhalten an den Tag gelegt habe – was diesen sichtlich empörte.

Ebenfalls in den Zeugenstand gerufen wurde der damalige Haftrichter aus Koblenz. Der Beschuldigte habe auf ihn unheimlich erschöpft gewirkt. Manuel K. habe auch noch die „Werkzeuge“ benennen können, darunter auch das „Hackebeil“, sich aber an die Tat selbst nicht mehr richtig erinnern können. Das Verlesen der bisherigen Vorstrafen förderte nochmals zutage, dass Manuel K. schon häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, in erster Linie wegen Körperverletzung. Die DNA-Analyse war eindeutig: Die Blutspuren und Anhaftungen konnten dem Angeklagten und dem Opfer zugeordnet werden.

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Während Staatsanwältin Teicher dem 38-Jährigen unterstellte, die Tat genau in Erinnerung zu haben und keinen Affekt erkennen konnte, widersprach Verteidigerin Marion Faust in der Hinsicht, dass man nach wie vor nichts Genaues über die Details wisse. Manuel K. sei ein Produkt der Familiengeschichte und irgendwie auch ein zweites Opfer. Für den Affekt spreche die „eruptive Entladung“ der Gewalt. Manuel K. hatte sich in seiner letzten Wortmeldung eine Zeitreise gewünscht: „Um allen zu zeigen, was ich durchgemacht habe mit der.“

Auch Rechtsanwältin Rita Holstein-Brass gab für die Nebenklage ein kurzes Statement ab: „Der Schwester ist wichtig, dass der Angeklagte Hilfe bekommt, um die Tat aufarbeiten zu können.“ Ob Manuel K. direkt in die auch von ihm gewünschte Behandlung einsteigen kann, ist noch ungewiss: Die Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach hat einen Aufnahmestopp verhängt. Als Rühmann ihm erklärte, dass er eventuell erst einmal die „normale“ Haft antreten werde, antwortete der 38-Jährige: „Alles kein Problem.“

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