"Hoff's Wertvoll" in Bilstein

Menschen mit Behinderung führen Frischemarkt

Teamleiterin Andrea Drüeke (r.) arbeitet auch mit ihrer Mutter Elisabeth Richard, die seit über 50 Jahren im Frischemarkt tätig ist, Hand in Hand.

Teamleiterin Andrea Drüeke (r.) arbeitet auch mit ihrer Mutter Elisabeth Richard, die seit über 50 Jahren im Frischemarkt tätig ist, Hand in Hand.

yve Bilstein. Corinna Nathen steht auf einer kleinen Leiter, konzentriert räumt sie die Butter ins Regal. „Mittwochs ist bei uns immer Großkampftag“, sagt Andrea Drüeke, die ein paar Meter weiter die frisch eingetroffene Ware sortiert. „Einmal Lotto bitte“, ruft plötzlich ihre Kollegin. „Ich bin gleich wieder zurück“, wechselt Andrea Drüeke in den vorderen Bereich des Geschäfts. Die SZ ist vor Ort, um mehr über ein im Kreis Olpe und darüber hinaus einzigartiges Konzept zu erfahren. Denn der Markt im Lennestädter Ortsteil Bilstein wird von Menschen mit Behinderungen geführt. „Das macht mir richtig Spaß, hier möchte ich nicht mehr weg“, erzählt Corinna Nathen. Die Frau aus Rahrbach hat einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Wie auch ihre Kolleginnen und Kollegen, ist sie Beschäftigte der Werthmann-Werkstätten der Abteilung Lennestadt. „Ich finde es so schön“, schwärmt sie über ihren nun externen Arbeitsplatz.

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Seit über 100 Jahren vor Ort

Der Frischemarkt „Hoff’s“ an der Freiheit 29 ist eine Institution in Bilstein, jahrzehntelang ein echter Familienbetrieb. „Ohne die Pandemie hätten wir im vergangenen Jahr 100-jähriges Jubiläum gefeiert“, erzählt Andrea Drüeke. Als hauptamtliche Mitarbeiterin der zum Caritasverband gehörenden Werthmann-Werkstätten hat sie die Funktion der Teamleiterin im Markt übernommen. „Ich bin auch ein Hoffs Mädchen“, lacht Andrea Drüeke, Zuletzt habe ihr Vetter Peter Burghaus den Betrieb geführt, sich dann aber für eine berufliche Umorientierung entschieden. So seien die Werthmann-Werkstätten ins Spiel gekommen. Bereits vor einem Jahr habe die Übernahme festgestanden. „Corona hat unsere Pläne aber immer wieder durchkreuzt.“ Vor sechs Wochen sei es dann endlich in die konkrete Phase gegangen. „Das war ein Kraftakt“, lobt Susanne Rüenauver, Leiterin der Abteilung Lennestadt, den rührigen Einsatz der Helfer sowie der Ehrenamtlichen. In nur einer Woche seien kleinere Baumaßnahmen erledigt und das Geschäft mit allen Produkten des täglichen Gebrauchs gefüllt gewesen.

Menschen mit Behinderung beschäftigt

Sechs Menschen mit Behinderungen arbeiten in Bilstein. Seite an Seite mit der Teamleiterin, Gabriela Kleff, und Ehrenamtlichen. Eine große Unterstützung ist Elisabeth Richard, die Mutter von Andrea Drüeke. Seit einem halben Jahrhundert ist sie hier beschäftigt, kennt die meisten Kunden persönlich und die Abläufe im Markt aus dem Effeff. „Auch Vorbesitzer Peter Burghaus steht uns beratend zur Seite“, so die Teamleiterin. Beim Besuch der SZ öffnet und schließt sich die Eingangstür regelmäßig. Ob für einen Großeinkauf oder nur eine Zeitschrift, der Frischemarkt ist gut frequentiert. Auf Abstand fehlt auch der gewohnte Plausch nicht. Der Laden war und bleibt Treffpunkt, ein Ort der Kommunikation. „Wir planen, einen Stehtisch zum Kaffeetrinken aufzustellen“, wagt Andrea Drüeke einen Blick in eine Zeit ohne Kontaktbeschränkungen. Was derzeit noch fehle, sei ein elektronisch betriebenes Lastenfahrrad für Auslieferungen. Das sei aber nur mit Spenden finanzierbar. „Jetzt freuen wir uns aber erstmal, dass der Start – allen anfänglichen Hürden zum Trotz – funktioniert hat.“ Beim Besuch der SZ läuft der Betrieb reibungslos. Daniela Fischer bedient die Kasse, als hätte sie nie etwas anderes in ihrem Leben gemacht. „Dabei habe ich zehn Jahre nur zu Hause verbracht“, erzählt sie. Die Mutter von drei Kindern ist mit einer Erbkrankheit zur Welt gekommen, die sie jetzt in den Rollstuhl zwingt. Seit dem Beginn ihrer Ausbildung bei den Werthmann-Werkstätten 2019 nehme sie wieder aktiver am Leben teil, sei wieder mehr Teil der Gesellschaft.

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Frischemarkt "Hoff's" ist wertvoll

Einen richtigen Traumjob habe Manuel Hellekes aus Kirchveischede in Bilstein gefunden, so Andrea Drüeke. „Wir müssen ihn fast in die Pause zwingen. Freie Tage bedeuten für Manuel Höchststrafe.“ Für ihn und seine Mitstreiter sei das Lebensmittelgeschäft wertvoll. „Und wertvoll ist es auch für die Kunden.“ Daher sei der Name Frischemarkt „Hoff’s“ um das Wort „Wertvoll“ ergänzt worden. Der Buchstabe „W“ sei in Rot gehalten und stehe für die Werthmann-Werkstätten, die sich die Schaffung von Strukturen für selbstständiges Arbeiten auch auf dem ersten Arbeitsmarkt zum Ziel gesetzt hat. Dazu sollen auch die Beschäftigten bei „Hoff’s Wertvoll“ befähigt werden. Doch so schnell möchten Corinna Nathen, Manuel Hellekes und die anderen nicht gehen. Sie fühlen sich angekommen, „einfach rundum zufrieden“, wie Daniela Fischer zusammenfasst.

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