"Autokino" mit Ingo Appelt auf der Griesemert

Angriffslustige IG Metall stimmt sich auf Warnstreiks ein

In 150 Autos reisten IG-Metaller am Montag auf das Verkehrsübungsgelände. Über eine gesonderte Radiofrequenz sowie Großbildleinwände verfolgten sie die Redebeiträge und den Auftritt von Ingo Appelt durchaus in einer sehr bequemen Form.

In 150 Autos reisten IG-Metaller am Montag auf das Verkehrsübungsgelände. Über eine gesonderte Radiofrequenz sowie Großbildleinwände verfolgten sie die Redebeiträge und den Auftritt von Ingo Appelt durchaus in einer sehr bequemen Form.

hobö Griesemert. „Wir sind handlungsfähig – auch in Corona-Zeiten“, lautet die Kampfansage von André Arenz an die Unternehmer in der Metall- und Elektroindustrie. Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Olpe und in Personalunion auch Vorsitzender des DGB-Kreisverbands Olpe sprach diese Worte am Montag nicht in einen Corona-bedingt leeren Raum hinein, sondern vor geschätzt 200 Mitgliedern der Industriegewerkschaft. Die standen aber hinsichtlich der geltenden Schutzverordnung nicht verbotenerweise dicht beieinander, sondern saßen in ihren Autos.

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IG Metall ludt Komiker Ingo Appelt auf die Griesemert ein

Denn die IG Metall zeigt sich in der laufenden Tarifrunde innovativ, um die Mitglieder zu informieren und zu aktivieren. Man lädt sie zu einer Art Autokino-Veranstaltung ein. So auch im Kreis Olpe, wo die Gewerkschaft auf das Übungsgelände des Verkehrssicherheitszentrums auf der Griesemert bat. Und um nicht nur die eigentlich klaren Forderungen für die Tarifauseinandersetzung auszusprechen (die SZ berichtete), gelang André Arenz noch ein besonderer Coup: Er lud Komiker Ingo Appelt ein, und der kam eigens aus Berlin ins Südsauerland, um die sogenannte Aktionskonferenz der IG Metall mit seinem Auftritt zu garnieren.

Komiker Ingo Appelt erwies sich wieder einmal als besonders scharfzüngig und Vertreter des schwarzen Humors.

Komiker Ingo Appelt erwies sich wieder einmal als besonders scharfzüngig und Vertreter des schwarzen Humors.

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Fast eine Stunde glänzte der scharfzüngige Entertainer auf der Bühne mit gleichermaßen tiefsinnigen wie provokanten Seitenhieben auf die Politik im Besonderen und die Gesellschaft im Allgemeinen.

IG Metall ruft zu Warnstreiks auf

Die IG-Metaller mussten zum Zuhören nicht die Seitenscheiben ihrer Autos runterdrehen oder gar das Fernglas bemühen, um einen Blick auf den bekannten Gast zu werfen. Sämtliche Redebeiträge der Veranstaltung wurden über die Frequenz 88,4 ins Autoradio übertragen, großdimensionierte Bildschirme ermöglichten selbst den Insassen der ganz hinten parkenden Fahrzeuge einen optimalen Blick auf die Bühne. Dort, wo sonst Autos absichtlich aus der Spur geworfen werden, brachte Appelt ein ums andere Mal seine Fertigkeiten als Stimmenimitator zum Einsatz. Da durften Helmut Kohl, Norbert Blüm oder Herbert Grönemeyer ebenso wenig fehlen wie natürlich Kanzlerin Angela Merkel. Die zeige schon beachtlichen Humor, wenn sie der Welt verspreche, wir zeigen unser freundliches Gesicht. Es bleibe offen, wie sie das schaffen wolle, so Appelt gewohnt bissig. Im Radio höre man von aktuell gefragten Interpreten nur Gejaule über die Schwere ihres Lebens, während Roland Kaiser vor wenigen Jahrzehnten noch stolz zugegeben durfte „sieben Fässer Wein können uns nicht gefährlich sein“. Grönemeyer-Lieder dichtete er kurzerhand um und sang statt Kinder, was von „Drosten an die Macht“ – in Anspielung an den allgegenwärtigen Virologen Christian Drosten. Abseits des verbalen Klamauks offenbarte Ingo Appelt seine Verbundenheit zur IG Metall, deren Mitglied er sei. Als er 1982 bei Siemens zu arbeiten begonnen habe, sei er sofort in die Gewerkschaft eingetreten und habe sieben Jahre als Funktionär für die IG Metall gewirkt. Die Initiativen am Montag sollten Auftakt für die am Dienstag (2. März) beginnenden Warnstreiks sein, die auch in der hiesigen Region starten. So beispielsweise ab 14 Uhr auf dem Kirmesplatz in Wenden, wo ein Warnstreik mit Beschäftigten der größeren Betriebe aus der Metall- und Elektroindustrie ebenfalls in Form eines Autokinos stattfinden wird.

IG Metall gibt sich kampfbereit

André Arenz freute sich im Übrigen nicht nur über das Kommen von Ingo Appelt, sondern auch geschätzt 200 Mitgliedern, die in den maximal zugelassenen 150 Autos zum Verkehrsübungsplatz kamen. „Das ist ein tolles Bild.“ Alle Teilnehmer mussten sich vorher anmelden, erhielten einen Code, der bei der Zufahrt eingescannt wurde. Für das passende Autokino-Gefühl sorgten Getränke, Popcorn und Kekse, die den Teilnehmern kontaktlos in der Kofferraum gelegt wurden. Wessen Autobatterie bei der fast zweistündigen Übertragung am Radio mitsamt der zahlreichen Hup-Einlagen schlapp machen sollte, dem wurde auch geholfen. Für Starthilfen war gesorgt. Für die IG Metall im Kreis Olpe wirkte die in dieser Form bislang einmalige Aktionskonferenz jedenfalls wie eine Starthilfe für die nun in die heiße Phase tretende Tarifrunde.

Forderung nach der 32-Stunden-Woche

Die IG-Metaller sind jedenfalls kampfbereit, wie unter anderem auch kleine Gesprächsrunden mit Fabio Mariano (Gebr. Kemper, Rüblinghausen), Annette Benfer (Berker, Ottfingen) und Annette Stahlhacke (Gedia, Attendorn) zeigten. Ganz oben auf der Prioritätenliste für den Tarifstreit, stellte André Arenz heraus, stehe die Beschäftigungssicherheit. Davon habe man schon in der Finanzkrise 2009 profitiert. „Liebe Arbeitgeber, kommt auf uns zu, damit wir in Deutschland vernünftig aus der Krise kommen“, formulierte der IG-Metall-Bevollmächtigte. Außerdem müsse die betriebliche Möglichkeit von 35 auf 32 Wochenstunden geschaffen werden – „die Arbeit für alle absenken, damit für alle Arbeit da ist“. Auch die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung steht auf dem Wunschzettel der IGM. Und wer, wie die Arbeitgeber, eine Nullrunde bei den Entgelten vorschlage, der vergesse, dass sich Autos nicht selbst kaufen könnten. Fehle den Arbeitnehmern Geld, schaufelten sich die Arbeitgeber das eigene Grab, so Arenz. Nach der Veranstaltung auf der Griesemert fuhren viele der Teilnehmer noch in Form eines Korsos durch die nahegelegene Kreisstadt Olpe, um statt mit gewerkschaftstypischen Trillerpfeifen mit Hupkonzerten auf sich aufmerksam zu machen.

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