Corona-Tests vor dem Einkauf stoßen auf wenig Gegenliebe

Händler und Kunden sind genervt

Ramona Olberts, Inhaberin des Olper Modegeschäfts
„Stilsicher“, beriet am Dienstag Beate Wendt vor dem Ladeneingang. Der Negativtest, den die Kundin am Montag um 9 Uhr gemacht hatte, war abgelaufen.

Ramona Olberts, Inhaberin des Olper Modegeschäfts „Stilsicher“, beriet am Dienstag Beate Wendt vor dem Ladeneingang. Der Negativtest, den die Kundin am Montag um 9 Uhr gemacht hatte, war abgelaufen.

mari Olpe. „Olpe ist meine Stadt. Hierhin fahre ich immer zum Shoppen. Wir waren heute im Raiffeisenmarkt, dort konnte man ohne Termin reingehen. Doch ich sehe nicht ein, mich testen zu lassen, nur um in ein Modegeschäft zu gehen. Das ist mir zu doof, zumal der Einzelhandel die Hygienekonzepte hervorragend umgesetzt habt“, sagte am Dienstag Heidi Grube aus Bergneustadt, die mit ihrem Mann durch die Kreisstadt spazierte. So wie sie denken momentan viele Bürgerinnen und Bürger. „400 Leute halten sich gleichzeitig im Kaufland auf. Aber um ein Geschäft des Einzelhandels zu betreten, braucht man einen Corona-Negativtest. Das ist nicht nachzuvollziehen“, kritisierte eine Passantin. „Wenn man nirgendwo hingehen kann, braucht man auch keine neuen Sachen. Deshalb ist es für mich nicht notwendig, einen Test zu machen“, meinte eine andere Dame.

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Beate Wendt aus Olpe arbeitet im Krankenhaus und wird einmal pro Woche getestet. „Der letzte Test war am Montag um 9 Uhr. Er gilt also heute nach 24 Stunden nicht mehr“, so die gelernte Arzthelferin. Sie stöberte am Ständer vor dem Modegeschäft „Stilsicher“. „Wer keinen Test hat, kann im Außenbereich Auswahlware in Empfang nehmen oder einen Kauf abschließen“, erklärte Inhaberin Ramona Olberts.

Keine Anmeldung mit Test zum Shoppen

Sie konnte bis Dienstagvormittag keine Anmeldung mit Test zum Shoppen verzeichnen. „Es ist schon alles prekär. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Wir Textiler sind echt in den Hintern gebissen, denn Miete, Energiekosten, Gehälter und Versicherungen laufen weiter. Während des zweiten Lockdowns haben wir keine Überbrückungshilfen erhalten, weil wir ja im Dezember die ersten drei Wochen noch öffnen konnten. Doch die letzte Woche, die aufgrund von Gutscheineinlösungen die umsatzstärkste ist, fiel weg. Und während des dritten Lockdowns sind noch keine Hilfen geflossen. Dagegen mussten wir neue Ware ordern und bezahlen.“ Die Inhaberin des Modegeschäfts hat ihr Sortiment auf sportlich umgestellt. „Wer kauft jetzt schon was Schickes, wenn man es nicht tragen kann?“

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Das Einkaufen unter dem Motto „Click & Meet“ ist bei „Stilsicher“ in den vergangen drei Wochen – auch aufgrund der Reduzierungen von bis zu 90 Prozent – sehr gut verlaufen, auch wenn die Umsatzverluste der vergangenen drei Monate keinesfalls aufgefangen werden konnten. Allerdings hätten es die meisten Kundinnen bevorzugt, spontan am Ladeneingang zu fragen, ob sie ins Geschäft können. „Ich hatte das Gefühl, dass sich die Leute verpflichtet fühlen, etwas zu kaufen, wenn sie im Vorfeld einen Termin gebucht haben“, glaubt Ramona Olberts. Von der verschärften Verordnung Einkaufen mit Negativtest hält sie nicht viel. „Ich glaube nicht, dass sich die Leute testen lassen, nur um shoppen zu gehen.

Nach Ostern Öffnungszeiten zurückfahren

Deshalb haben wohl einige Geschäfte wie S’Oliver, Schuh-Mann und Tedi heute erst gar nicht aufgemacht. Ich muss schauen, wie es weitergeht. Wenn es so bleibt, werde ich nach Ostern die Öffnungszeiten zurückfahren.“ Auch Klaus-Dieter Kraft, Geschäftsführer von Herrenmoden Kraft, steht der neuen Verordnung kritisch gegenüber. „Warum macht man keinen harten Lockdown und schließt zwei Wochen bis auf die Lebensmittelgeschäfte alles? Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Mich nervt das Hin und Her. Die Kunden haben keinen Bock auf Schnelltests, und die meisten wissen nicht, wo sie die Tests überhaupt machen können. Wir hatten heute Morgen einen Kunden, der in der vergangenen Woche einen Termin vereinbart hat. Als er ohne Test kam, haben wir ihm geraten, in einer Apotheke einen Schnelltest zu machen. Doch dort wurde er abgewiesen, Termine gäbe es erst wieder nach Ostern.“

Bei Herrenmoden Kraft verliefen die vergangenen drei Wochen ebenfalls sehr positiv. „Es hat gut funktioniert mit den Terminen. Dass das jetzt nur noch mit Tests geht, ist sehr schade, denn der Einzelhandel hat nicht dazu beigetragen, dass die Inzidenz in die Höhe gegangen ist. Aber wir büßen immer.“

Termine bündeln sich

Für das Shoppen in den Filialen von Maiworm-Moden wurden bereits in der vergangenen Woche viele Termine vereinbart. „Absagen liegen noch nicht vor, ich gehe aber davon aus, dass die meisten Kunden erst gar nicht kommen werden“, glaubt auch Geschäftsführer Peter Enders nicht daran, dass nun alle erst zum Testen gehen. Er vermute eher, dass sie die Termine bündeln, um mit einem Test mehrere Dinge abzuhandeln. Doch man müsse grundsätzlich die vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen akzeptieren und er hoffe, dass das Konzept „Click & Collect“ – bestellte Ware am Eingang abholen – nach wie vor weiter laufe.

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