Friseure aus Olpe und Wenden beteiligen sich an bundesweiter Aktion

„So langsam brodelt es in mir“

„Ich sehe das Friseurhandwerk als systemrelevant“, so Friseurmeister Peter Fischer aus Ottfingen. Er nahm mit seinen Mitarbeiterinnen Sonja Fischer und Sina Müller an der Protestaktion teil (v. r.). Grableuchten sollen die Stimmung untermauern.

„Ich sehe das Friseurhandwerk als systemrelevant“, so Friseurmeister Peter Fischer aus Ottfingen. Er nahm mit seinen Mitarbeiterinnen Sonja Fischer und Sina Müller an der Protestaktion teil (v. r.). Grableuchten sollen die Stimmung untermauern.

mari Olpe/Ottfingen. „Macht das Licht in den Salons an, bevor es ganz ausgeht!“ Mit dieser Kampagne hat der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks alle Friseurbetriebe in Deutschland aufgerufen, für eine Öffnung der Salons ab 15. Februar zu kämpfen. Daran beteiligten sich am Sonntagabend auch zahlreiche Betriebsinhaber aus dem Kreis Olpe. Sie machten die Lichter in ihren Salons an und lassen sie 24 Stunden brennen. Damit setzen sie ein Zeichen für ihre Notlage und den Willen, für ihre zu Existenz kämpfen.Seit dem 16. Dezember haben sie keine Einnahmen mehr, die Fixkosten laufen weiter. Für viele Betriebsinhaber ist die Situation des zweiten Lockdowns dramatisch. Trotz aufwendiger Hygienemaßnahmen stehen viele Salons vor dem Aus. Sie können die Umsatzverluste nicht mehr überbrücken, zumal die versprochenen Überbrückungshilfen vom Bund noch nicht geflossen sind.

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Friseure formulieren klare Forderungen

Ziel der Aktion ist die Kommunikation von vier Kernforderungen: „Überbrückungshilfen müssen passgenau gestaltet und schnell und unbürokratisch gewährt werden. Eine nachhaltige Förderung der Ausbildungsleistung ist jetzt notwendig, um die duale Berufsausbildung zu sichern. Auch der Chef oder die Chefin als wichtigster Mitarbeiter des Betriebs muss berücksichtigt werden. Sie gehen in den aktuellen Regelungen noch leer aus. Schwarzarbeit muss gestoppt werden. Sichere Friseurdienstleistungen können nur Profis unter Wahrung der Hygiene- und Arbeitsschutzstandards in den Salons bieten.“

Heike Hilbig betreibt seit 23 Jahren in Lennestadt und seit sechs Jahren in Olpe die Friseursalons „Haareszeiten“ und beschäftigt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch sie machte am Sonntagabend die Lichter an. „Die Situation ist sehr schwierig“, so die 44-jährige Friseurmeisterin. „Den Betrieben fehlen in einem knappen Jahr die Einnahmen von vier Monaten, die Kosten laufen aber weiter. Das Einzige, was wir derzeit anbieten, ist der ,Farbservice to go’. Wir mischen die Farben wie gewohnt, und die Kundinnen holen sich das Paket mit allem Zubehör und Videoanleitung kontaktlos an der Eingangstür ab. Das Feedback ist sehr positiv.“

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Friseursalons sind keine Corona-Hotspots

Heike Hilbig ist der Ansicht, dass viel differenzierter auf die verschiedenen Branchen geschaut werden müsse. Friseursalons seien keine Hotspots. Im Gegenteil, die Betriebsinhaber hätten alle ordentlich investiert, um Hygiene auf höchstem Standard zu bieten. Sie befürchtet, dass bei zahlreichen Salons das Licht tatsächlich ausgeht, wenn nicht bald wieder geöffnet werden darf. „Es ist bei Friseurbetrieben nicht so wie bei anderen Unternehmen, es gibt keine Margen. Um zu überleben, müssen die meisten ans Ersparte gehen oder KfW-Mittel beantragen. Ein Problem ist, dass es zu der von der Bundesregierung in Aussicht gestellten unproblematischen Hilfe noch keine Antragsformulare gibt. Sie sollen erst ab 14. Februar zugänglich sein.“ Heike Hilbig befürchtet, dass derzeit die Schwarzarbeit im Friseurhandwerk trotz der Androhung von hohen Strafen zunimmt. „Das kann ich nicht gutheißen, wenn ich es auch zum Teil verstehe. Viele kratzen jetzt am Existenzminimum, besonders die, die keinen Partner haben, der sie auffängt. Doch das Risiko der Infektion ist dabei viel größer, das fängt schon damit an, dass man zu Hause die Geräte nicht wie im Salon sterilisieren kann.“

Julia Albrecht hat ihren Salon in Olpe erst kürzlich eröffnet

Julia Albrecht hat ihren Salon erst im November 2018 in Olpe eröffnet. Sie beschäftigt eine Friseurin, eine Nageldesignerin und zwei Auszubildende, die sie bezahlen möchte und müsse. Auch sie hofft darauf, dass bald Hilfen kommen und sie ihren Salon am 15. Februar wieder öffnen darf. Dass viele aus der Branche derzeit Schwarzarbeit betreiben, um sich über Wasser zu halten, kann sie aus dem besagten Grund verstehen. „Im zweiten Lockdown fallen mir viele frische Haarschnitte, Wimpernverlängerungen und frisches Nageldesign von Profis auf, viel mehr als im ersten Lockdown. Es ist aber nicht der richtige Weg“, sieht sie wie Heike Hilbig die Gefahr, dass bei Schwarzarbeit das Risiko der Infektionen viel eher steigt als in den Salons. Friseurmeister Peter Fischer aus Ottfingen hat sich aus Solidarität zu seinen Kunden seit dem 1. Dezember die Haare nicht mehr schneiden lassen. „So langsam brodelt es in mir. Das Problem sind die immer noch nicht abrufbaren Gelder. Ein Drittel unserer Kollegschaft geht in die Insolvenz, und in 14 Tagen werden es 50 Prozent sein. Man fühlt sich komplett in den Hintern getreten und geht seelisch und moralisch in die Knie“, kritisiert der 55-Jährige die Maßnahmen.

Friseure beklagen "Sterben auf Raten"

Dass die Hilfen vom Bund aus dem ersten Lockdown fast komplett zurückgezahlt müssen, sieht er als „Sterben auf Raten“. Peter Fischer hat sich im Alter von 19 Jahren mit Rückendeckung seiner Mutter selbstständig gemacht, die in Ottfingen ebenfalls einen Salon mit einigen Teilzeitkräften betreibt. Er selbst beschäftigt seit 37 Jahren eine Meisterin und seit 13 Jahren eine Gesellin. Wie er im Gespräch mit der SZ berichtete, stocke er zwar ihr Kurzarbeitergeld auf 100 Prozent auf. Dennoch hätten sich beide einen 450-Euro-Job gesucht, um ihr Soll aufzufangen, denn es fehle das Trinkgeld. Im ersten Lockdown war er sehr verärgert über die Dreistigkeit von Kollegen, die Schwarzarbeit betrieben. Mittlerweile kann er es aber verstehen. Auch ihm fallen derzeit von Profis frisierte Köpfe auf, so auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Fußballern der Bundesliga mit ihren frisch einrasierten Mustern. Ein großes Lob spricht der Friseurmeister seinen Kunden aus. „Sie stützen uns und machen uns Mut. Ich erhalte täglich

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Es bleibt die Hoffnung auf baldige Öffnungen

40 bis 50 Anrufe, die Stammkunden kaufen Gutscheine und bieten sogar Geld an, was ich jedoch ablehne. Da hat man schon einen Kloß im Hals.“ Dennoch hat Fischer Sorgen, dass sich die Kundschaft enorm reduziert, besonders im Herrenbereich. Das habe er bereits nach dem ersten Lockdown festgestellt. „Viele Männer lassen sich inzwischen die Haare von ihren Frauen mit der Maschine schneiden.“ Peter Fischer bedauert die gravierenden Entwicklungen, zumal er das Friseurhandwerk, das über ein umfassendes Hygienekonzept verfüge und das keine Infektionen nachweise, als systemrelevant sehe. Der Salon Zimmermann in Olpe ist nicht so stark von den Einschränkungen betroffen. Als Zweithaaranbieter für krebskranke Frauen ist er systemrelevant. „Ich war letzte Woche jeden Tag im Salon und bin auch in dieser Woche ausgebucht. Die Kundinnen haben keine Angst vor einer Infektion. Wir erfüllen alle Hygienestandards, haben einen Luftreiniger angeschafft, lüften sehr oft. Sie sind sehr dankbar, dass wir für sie da sind“, so Friseur Andreas Stenzel. Auch wenn es den Familienbetrieb nicht so hart trifft, hofft auch er auf baldige Öffnungen. Denn auch ihm sind im Straßenbild viele professionell frisierte Köpfe aufgefallen, und er ist der Meinung, besser dahin zu gehen, wo das Hygienekonzept funktioniert, nämlich in den Salon.

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