Hansen: Mehr Methan zu gewinnen heißt mehr CO² zu emittieren

Erneuter Streit um Deponie-Entgasung

Dieses Schaubild zeigt deutlich, wie stark die Gasgewinnung aus dem Deponiekörper seit 2007 zurückgegangen ist.

Dieses Schaubild zeigt deutlich, wie stark die Gasgewinnung aus dem Deponiekörper seit 2007 zurückgegangen ist.

win Olpe. Das Thema „Deponieentgasung“ hat sich zu einem „Dauerbrenner“ in den Gremien des Kreises Olpe entwickelt, und auch am Montag sorgte Grünen-Fraktionschef Fred Hansen dafür, dass der Tagesordnungspunkt erneut intensiv diskutiert wurde. Für den neuen Kreisdirektor, Philipp Scharfenbaum, war es der erste Arbeitstag, und so durfte sich der Jurist wohl erstmals intensiv mit der „Optimierung von Gasfassung und Gasverwertung sowie Belüftung der Zentraldeponie ,Alte Scheune’“ befassen – und das sicher nicht zum letzten Mal.

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Aus dem Deponiekörper ausgasendes Methan, ein Gas, das bei der Zersetzung organischer Stoffe entsteht, ist ein starkes Klimagift: Es verstärkt den Treibhauseffekt in der Atmosphäre vermutlich 25-mal intensiver als Kohlendioxid. Daher wird dieses Methan an der „Alten Scheune“ durch Gasbrunnen aufgefangen, gereinigt und in einem Blockheizkraftwerk verbrannt. So wird das Methan einerseits in weit harmloseres CO2 umgewandelt, andererseits sein Energiegehalt genutzt, um sowohl Elektrizität zu erzeugen als auch, um feuchtes Industrierestholz ofenfertig zu trocknen.

Kreisvervaltung möchte, dass Zersetzungsprozess intensiviert wird

Doch sinkt die Methan-Menge seit einigen Jahren ab, sodass eine wirtschaftliche Nutzung nicht mehr lange möglich ist. Die Kreisverwaltung möchte daher durch eine Aktivierung und Belüftung dafür sorgen, dass der Zersetzungsprozess der organischen Bestandteile wieder intensiviert wird. Hansen hat sich mehrfach gegen das vorgeschlagene Verfahren ausgesprochen. Bislang galt seine Kritik der Befürchtung, dass die Belüftung des Abfallgemischs möglicherweise unerwünschte Reaktionen zur Folge haben könnten, die unter anderem das austretende Deponiewasser so verändern könnten, dass es nicht mehr in der eigenen Kläranlage zu reinigen sein könnte. Am Montag hatte er einen neuen Ansatzpunkt: „Ich habe mich mal wieder intensiv mit unserer Deponie beschäftigen müssen“, leitete er ein.

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Er glaube inzwischen, die Kreisverwaltung sei „da einem gewaltigen Irrtum aufgesessen“. Landrat Theo Melcher (CDU) gehe offenbar davon aus, dass die im Blockheizkraftwerk gewonnene Energie sich positiv auf Energiebilanz des Kreises auswirke. Doch das sei ganz und gar nicht der Fall: „Das, was da an Methan drin ist, ist zurzeit noch gebunden und gast in sehr geringem Umfang aus, so gering, dass wir davon ausgehen müssen, dass wir es nicht mehr verbrennen können. Und jetzt schlägt der Gutachter vor, die Erzeugung von Methan zu aktivieren, um daraus Energie zu gewinnen. Das Ergebnis ist ein erheblich höherer CO2-Ausstoß.“

Gutachten sei längst überholt

Dabei sei es doch viel sinnvoller, das CO2 in der Deponie zu lassen. „Was der Gutachter uns vorschlägt, ist längst überholt. Lassen Sie es möglichst in Ruhe und nutzen Sie nur das, was die Deponie freiwillig abgibt.“ Hansen ging so weit, das vom Kreis vorgeschlagene Verfahren mit der Nutzung von Kohle oder Braunkohle gleichzusetzen.

Das ließ Melcher nicht gelten: „Ich weiß nicht, woher Sie das haben, das läuft aller Wissenschaft entgegen.“ Das Methan gase aus, egal, ob es genutzt werde oder nicht, sei aber unverbrannt eben viel gefährlicher für das Klima. Eine Vielzahl von Deponiebetreibern setze das Methan als Brennstoff ein und sorge damit für die Nutzung seines Energiegehalts wie auch für die „Entschärfung“ des Klimagifts. Nicht umsonst habe die Bundesregierung gerade ein entsprechendes Förderprogramm aufgelegt. Unterstützung fand Melcher bei Dr. Franz-Josef Lenze (CDU): Er fragte Hansen, warum dieser diese Argumente nicht schon im Fachausschuss vorgebracht hätte, sondern erst im Kreisausschuss damit komme. In jedem Fall sei Hansens Argumentation aber falsch: „Das Klimagift Methan muss da raus, und dann ist es doch besser, wir verbrennen es und nutzen es dabei.“

Diskussion endete ohne Klärung

Hansen entgegnete, der Gutachter habe nicht berücksichtigt, dass die gärende Deponie „irgendwann in ein Gleichgewicht geraten und nichts mehr emittieren“ werde, und das werde schneller eintreten als man denke. Die Diskussion endete ohne Klärung.

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Rainer Uta (AfD) ging auf drei Anfragen seiner Fraktion zum Thema ein. „Unsere Anfrage sollte ja die Kostenfrage beleuchten. In der Beschlussvorlage waren zwei Ziele angegeben: Betriebssicherheit und Emissionsreduktion. Die Aufschlüsselung der Kosten ist mir hier nicht klar genug.“ Melcher entgegnete lapidar: „Klimaschutz kann Geld kosten.“ Uta fand diesen Hinweis „lax. Da müsste man rechnen und vielleicht lieber ein paar Hektar Wald ökologisch sinnvoll aufforsten“. Melchers Replik: „Vielleicht kann man beides tun.“ Die große Mehrheit des Kreisausschusses stimmte für den Plan, die Entgasung zu aktivieren. Die Grünen votierten dagegen, die FDP enthielt sich der Stimme. Endgültig beschlossen wird am 22. März im Kreistag.

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