Backesfest-Unglück Alchen

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen die SZ-Berichterstattung: Nach dem Backesfest-Unglück in Alchen wird gegen ein Vorstandsmitglied des Heimatvereins wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigen die SZ-Berichterstattung: Nach dem Backesfest-Unglück in Alchen wird gegen ein Vorstandsmitglied des Heimatvereins wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

sz Alchen/Siegen. Was die Siegener Zeitung bereits am Montagabend exklusiv vermeldete, bestätigen am Dienstagmorgen die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein und die Staatsanwaltschaft Siegen ganz offiziell. Die Ermittlungen nach dem Backesfest-Unglück in Alchen ergäben den Verdacht, "dass trotz Einweisung in die Handhabung des Gasgrills die handelnden Personen überfordert waren", heißt es in einer an die Medien versendeten Pressemeldung. Als der Grill angefangen habe, sich zu überhitzen und zu wölben, sei ein Verantwortlicher des Festes darauf hingewiesen worden. Dieser sei mit der Funktionsweise des Grills vertraut gewesen und habe zuvor die Einweisung in die Handhabung vorgenommen. "Er reduzierte darauf die Energiezufuhr. Die Fehlfunktion selbst wurde nicht abgestellt und der Grill auch nicht aus dem Betrieb genommen. Kurze Zeit später kam es zur Explosion. Gegen diese Person richten sich nun die weiteren Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung", heißt es weiter.

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"Umfangreiche Ermittlungen"

"Nach dem schrecklichen Unglück beim Backes Fest in Freudenberg-Alchen hat die Staatsanwaltschaft Siegen umfangreiche Ermittlungen durchgeführt", so Staatsanwalt Fabian Glöckner. Durch die Staatsanwaltschaft wurden unabhängige Sachverständigenbüros mit der Begutachtung des eigengebauten Gasgrills beauftragt, der während des Festes explodiert war. Die Gutachten liegen vor und sind ausgewertet. Die Beamten des Kriminalkommissariats 1 der Kripo in Siegen haben Zeugen und Geschädigte vernommen. Zurzeit richten sich die weiteren Ermittlungen gegen einen Verantwortlichen des Heimat- und Verschönerungsvereins Alchen.Zur Erinnerung: Am Sonntag, 8. September 2019, kam es während eines Brauchtumsfestes im Freudenberger Ortsteil Alchen zur Explosion einer gasbetriebenen übergroßen Bratpfanne. Eine 67-jährige und eine 31-jährige Frau kamen dabei ums Leben. Weitere Personen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Bei der explodierten Pfanne handelte es sich um eine selbstgebaute Konstruktion, die bereits seit mehreren Jahrzehnten im Besitz des Heimat- und Verschönerungsvereins Alchen war. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde diese Pfanne durch Sachverständige untersucht, um die mögliche Ursache für die Explosion zu ermitteln. Das Gutachten der Sachverständigen liegt nun vor.

Eine Verkettung unglücklicher Umstände

Demnach führte eine Verkettung verschiedener Umstände zur Explosion: Die Eigenkonstruktion war so aufgebaut, dass durch externe Gasbrenner unter dem Boden der Pfanne Öl erwärmt wurde, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu erzielen. Das Öl befand sich dabei im Hohlraum zwischen Pfannenboden und Deckel in einem geschlossenen System. Pfannenboden und Pfannendeckel waren durch Metallstreben miteinander verschweißt. Zum Druckausgleich war ein Ventil angebracht.Dem Alter des Gasgrills entsprechend war das Öl ebenfalls gealtert und der Siedepunkt erheblich gesunken. Dadurch dehnte sich das Öl schon bereits bei geringerer Wärme stark aus. Das zur Druckentlastung angebrachte Ventil war geschlossen, sodass zum Explosionszeitpunkt kein Druckausgleich stattfinden konnte.

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Öl wurde durch den Druck sehr fein verteilt

Durch die Ausdehnung des Öls und den fehlenden Druckausgleich stieg der Druck in dem geschlossenen System stark an, die Pfannenkonstruktion begann sich zu wölben. Dies führte dazu, dass die verschweißten Metallstege aus dem Pfannenboden gerissen wurden. Dabei entstanden mehrere Löcher im Boden. Durch diese Löcher spritze nun das heiße Öl - durch den herrschenden Druck sehr fein verteilt - auf die offenen Flammen der Gasbrenner. Ein sofortiges explosionsartiges Abbrennen mit enormer Stichflammenbildung und Verspritzen brennenden Öls war die Folge. Die sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Personen unter dem Unterstand, in dem sich die Pfanne befand, erlitten lebensgefährliche bis tödliche Brandverletzungen.

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