Ambulante Hospizarbeit hört zu

Trauer zulassen - auch am Telefon

Gabriele Brede (l.) blickt auf 21 Jahre Erfahrung in der ambulanten Hospizarbeit zurück. Katherina Platte übernimmt die Leitung in einer schwierigen Phase.

Gabriele Brede (l.) blickt auf 21 Jahre Erfahrung in der ambulanten Hospizarbeit zurück. Katherina Platte übernimmt die Leitung in einer schwierigen Phase.

nja Kreuztal. Es gibt Gespräche, die gehen unter die Haut, die sind via Videokonferenz kaum vorstellbar. Wenn die Mitarbeiter der ambulanten Hospizarbeit sterbenskranke Menschen auf ihrem letzten Lebensweg begleiten und auch deren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite stehen, ist zwischenmenschliche Nähe eigentlich unverzichtbar. Das Coronavirus aber bringt neben den gesundheitlichen Risiken auch soziale Nebenwirkungen wie Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln und ganz viel Verunsicherung mit sich. Im ersten Lockdown ab März 2020 gab es keine Begleitung durch Ehrenamtler. „Wir haben in den vergangenen Monaten viele Gespräche am Telefon geführt und versucht, den Angehörigen auf diese Weise mit Rat und Tat zur Seite zu stehen“, erzählt Gabriele Brede, die seit 21 Jahren die ambulante Hospizarbeit der Stiftung Diakoniestation Kreuztal leitet. Zum 1. April geht sie in Rente. Ihre Nachfolgerin in wahrlich schwierigen Zeiten wird Katherina Platte.

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Harte Zeiten ohne direkten Kontakt

„Wir konnten am Telefon Fragen beantworten und auch trösten – aber es ist schon richtig hart, wenn man sich nicht von Angesicht zu Angesicht trifft und auch in den Arm nehmen darf“, erzählt Brede auch von schwierigen Gesprächen, in denen es um wichtige Entscheidungen ging. Im Schnitt betreut das rund 25 Personen starke ehrenamtliche Team pro Jahr bis zu 45 Patienten. 2020 waren es 15 bis 20. Neue Anfragen wurden selten. Auch dies galt es auszuhalten: Zu wissen, dass Menschen die Hilfe benötigen, sich aber wegen der Pandemie nicht melden. Zeit mitbringen, zuhören und gegebenenfalls auch miteinander weinen – das zählt zu den wertvollen Geschenken, die die ambulanten Hospizhelfer im Gepäck haben. In Corona-Zeiten gelingt dies aber auch mit Maske und auf Abstand. Angehörige reden sich ihren Kummer von der Seele, können mit den ausgebildeten Begleitern Probleme besprechen – sind auf dem Weg zu wichtigen Entscheidungen nicht allein. Seit Januar kehrt in die ehrenamtliche Arbeit wieder mehr „Normalität“ ein, auch, weil wieder mehr betroffene Familien den Mut finden, nach Hilfe zu fragen. Die ehrenamtlichen Betreuer werden vor ihren Einsätzen natürlich auf das Virus getestet.

Trauergespräch am Telefon

Auch mit ihrer Trauer werden die Menschen nicht allein gelassen. Das monatliche Trauercafé wurde im März 2020 geschlossen, telefonisch hält Gabriele Brede Kontakt. Eine schöne Idee: Im August lud sie die offene Gruppe zu einem Trauerspaziergang an die Breitenbachtalsperre ein. Dabei wurden nicht nur endlich wieder persönliche Schwätzchen gehalten, sondern es wurde Trauerarbeit geleistet. „Wo stehst du heute – und wo willst du hin?“ Antworten auf Fragen wie diese wurden unterwegs „gefunden“. Ein Trauergespräch am Telefon – auch das war und ist nicht leicht: „Ich höre die Einsamkeit! Wenn mein Gegenüber im persönlichen Gespräch weint, dann lassen wir es zu – und das ist ja auch heilsam. Am Telefon bemühen sich die Trauernden aber eher, sich zu beherrschen. Und kommen die Tränen, legen manche den Hörer auf.“ Das sind belastende Momente. Für beide Seiten. Sobald wie möglich möchte Katherina Platte die regelmäßige Trauergruppe wieder zu neuem Leben erwecken. Grundsätzlich legen sie und Gabriele Brede allen von schwerer Krankheit oder Trauer Betroffenen ans Herz: „Melden Sie sich! Es findet sich immer ein Weg!“

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