CDU-Prüfantrag ohne Erfolg

Dreifachhalle wird modernisiert

Anfang der 1970er-Jahre wurde die Dreifachturnhalle im neu entstehenden Schul- und Sportzentrum der jungen Stadt am Kindelsberg errichtet, 1974 wurde sie in Betrieb genommen. 45 Jahre später denkt die CDU über Abriss und Neubau nach – die Mehrheit der Kreuztaler Lokalpolitik aber sprach sich am Donnerstag gegen einen entsprechenden Prüfantrag aus. Foto: SZ-Archiv

Anfang der 1970er-Jahre wurde die Dreifachturnhalle im neu entstehenden Schul- und Sportzentrum der jungen Stadt am Kindelsberg errichtet, 1974 wurde sie in Betrieb genommen. 45 Jahre später denkt die CDU über Abriss und Neubau nach – die Mehrheit der Kreuztaler Lokalpolitik aber sprach sich am Donnerstag gegen einen entsprechenden Prüfantrag aus. Foto: SZ-Archiv

nja Kreuztal. Eine Bundesförderung wird es bekanntlich nicht geben – die Anträge gingen leer aus. Dennoch möchte die Stadt Kreuztal zwei Großprojekte nun endlich angehen: Die Investitionsmaßnahmen „Erweiterung/Sanierung der Dreifachturnhalle“ und die Modernisierung des Warmwasserfreibads Buschhütten sollen mit eigenen Mitteln umgesetzt werden. Dafür votierte am Donnerstag einstimmig der Haupt- und Finanzausschuss. Mit Blick auf die Sporthalle enthielt sich die Union der Stimme, beim Warmwasserfreibad stimmten alle Fraktionen für das seit Langem geplante Prozedere.

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Heiß und in epischer Breite diskutiert worden waren zuvor die beiden Anträge der CDU, über die die SZ bereits berichtete: Es solle zum einen geprüft werden, welche Kosten ein Neubau der Dreifachturnhalle mit sich bringe, ob hierfür Fördermittel beantragt werden könnten und ob es weitere Investoren/Partner zur Realisierung gebe. Nur die fünf CDU-Vertreter selbst stimmten für dieses Prozedere, alle anderen dagegen.

Ferner wollte die Union prüfen lassen, welche Kosten auf Kreuztal zukämen, wenn im Schulzentrum ein schulbedarfsorientiertes Lehrschwimmbecken entstünde, ob es hierfür Fördermittel geben könne und ob ein solches Becken in Kombination mit dem Neubau einer Dreifachhalle/Mehrzweckhalle erfolgen könne. Hier sprang Frank-Wieland Frisch (FDP) der Union zur Seite, Simone Farr von den Grünen enthielt sich: Die Mehrheit des Ausschusses ließ den Antrag somit scheitern.

Kreuztals Bürgermeister Walter Kiß (SPD) verlieh recht deutlich seiner Verwunderung über den Vorstoß der Union Ausdruck, über eine Neubau-Alternative zu Sanierung und Tribünenerweiterung der Dreifachturnhalle nachzudenken. Knapp 3 Mill. Euro stünden im Etat bereit, die Logik des Antrags erschließe sich ihm nicht: Weil es keine Million Förderung gebe, könnten 12 Mill. Euro ausgegeben werden? Kiß: „Das hat im Rathaus für große Überraschung gesorgt.“ Enorm seien die Vorplanungen gewesen, die Halle stehe noch mit 1 Mill. Euro in den Büchern, sei also noch gar nicht abgeschrieben, ein Abriss werde rund 200 000 Euro kosten. „Zwei bis drei Jahre“ Schul- und Vereinssport – nicht nur der Zweitliga-Handball des TuS Ferndorf – könnten im Falle eines Neubaus nicht in der Stählerwiese stattfinden: „Das muss erläutert werden!“ Für Umbau und Erweiterung gebe es ein sehr enges Zeitfenster, da die Bauarbeiten in der Saisonpause 2020 – von Mai bis August – über die Bühne gehen müssten: „Wenn wir jetzt nicht zügig loslegen, ist der Zeitplan nicht zu halten.“

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„Wir haben lange nachgedacht“, erläuterte CDU-Fraktionschef Arne Siebel den Antrag. Man sei sich bewusst, dass es vorübergehend zu Problemen beim Schul- und Vereinssport kommen werde. Die Halle aber sei über 40 Jahre alt, Erweiterung und Sanierung liefen auf einen Kompromiss hinaus, der Wünsche und Forderungen offen lasse. So gebe es in der Halle z. B. auch den Landesleistungsstützpunkt Gewichtheben – und dort „mangele es an allen Ecken und Kanten“. So fehlten geschlechterspezifische Umkleiden. Die Union schlage vor, darüber nachzudenken, nach der Wartezeit, als auf Fördermittel gehofft wurde, „schweren Herzens eine weitere Ehrenrunde zu drehen“ und sich gegebenenfalls optisch, energetisch und sporttechnisch ganz neu aufzustellen.

Zu prüfen wäre auch, ob nicht neben dem Hallenkomplex ein Neubau entstehen könnte – und der Abriss erst anschließend über die Bühne gehe. Dabei fiel das Wort „Campus“. Bürgermeister Kiß äußerte große Erschrockenheit: Zwei Jahre sei intensiv am Schul- und Sportcampus geplant worden – mit großer Bürgerbeteiligung. Noch vor der Sommerpause werde Kreuztal für das 2,9-Mill.-Euro-Projekt die Bewilligung von 2,3 Mill. Euro Fördergeldern erhalten: Dass dies von der Union nun infrage gestellt werde, konnte er nicht nachvollziehen. Mit einem „Wisch aus dem Handgelenk“ werde dies vom Tisch gefegt – Zahlen, mit denen Harald Görnig (CDU) „jongliere“, entbehrten zudem jeglicher Grundlage. Görnig hatte sinngemäß gesagt, im Etat stünden 4 Mill. Euro für das Sanierungsprojekt Dreifachhalle zur Verfügung, die Differenz zu einem Neubau betrage also 6 Mill. Euro – gegebenenfalls auch nur „2 oder 3 Mill. Euro“ – je nach sich eventuell ergebendem weiteren Sanierungsbedarf.

„Ist der Wohlstand ausgebrochen oder hat der Wahlkampf begonnen?“ Das wollte Karl-Heinz Schleifenbaum (SPD) wissen. Drei Jahre seien die Dreifachhallenpläne gemeinsam getragen worden, die „ausreichend den Wünschen und Notwendigkeiten Rechnung tragen“. 20 Mill. Euro seien vor Jahren über Swaps und Co verbrannt worden, rieb er der CDU unter die Nase. Für ein Luxusprojekt Hallenneubau sei die SPD nicht zu haben. Ein Prüfauftrag würde „unser Projekt weiter verzögern“. „Ausreichend ist nicht gut“, konterte Philipp Krause (CDU), von Beruf Lehrer.

Frank Frisch (FDP) hielt es für falsch, die Halle abzureißen und „bei null anzufangen“ – und sprach auch als Architekt: Die bestehende Substanz sei durchaus verbesserungsfähig. Schon die Überprüfung der CDU-Idee koste Zeit und Geld, argumentierte Dieter Gebauer (Grüne) gegen den CDU-Antrag; die möglichen Baukosten nannte er enorm, das Ganze „unrealistisch“. 45 Jahre seien zudem kein Alter. „Wir waren mal auf dem Weg, Kosten einzusparen“, positionierte sich Reinhard Lange (UWG). Die Wortmeldungen weckten den Eindruck man glaube, die CDU habe „nicht alle Tassen im Schrank“, monierte Arne Siebel: „Man darf doch noch nachdenken!“ Ein populistischer Wahlkampfantrag sehe anders aus: „Wir sollten Alternativen prüfen, bevor wir vielleicht ein Fass ohne Boden aufmachen.“

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