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"Überteuerte Monsterplanung"

Route57: Naturschützer hoffen, dass schon die Südumgehung scheitert

Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne) war die stellv. Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Nyke Slawik, vor Ort und sah sich im Mattenbachtal um: Dort, wo die Südumgehung einmal herführen soll.

Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne) war die stellv. Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Nyke Slawik, vor Ort und sah sich im Mattenbachtal um: Dort, wo die Südumgehung einmal herführen soll.

Buschhütten/Ferndorf. Das ist ein völlig überteuertes Monsterprojekt, für das wertvoller Naturraum zerstört werden soll“: Laura Kraft, heimische Bundestagsabgeordnete der Grünen, findet deutliche Worte, was sie vom geplanten Bau der Kreuztaler Südumgehung und der Route57 insgesamt hält: nichts!

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Sie hat zu einer Begehung der Trasse eingeladen, die von Buschhütten durch das Mattenbachtal, vorbei am Reiterhof Hubensgut und hinunter nach Ferndorf führen soll. Etliche Naturschützer sind gekommen, und auch die stellv. Vorsitzende des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestags, Nyke Slawik, ist dabei.

Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne, r.) war die stellv. Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses,  Nyke Slawik, vor Ort und sah sich im Mattenbachtal um: Dort, wo die Südumgehung einmal herführen soll.

Auf Einladung der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne, r.) war die stellv. Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Nyke Slawik, vor Ort und sah sich im Mattenbachtal um: Dort, wo die Südumgehung einmal herführen soll.

Es macht doch keinen Sinn angesichts Tausender kaputter Brücken ein neues Straßenbauprojekt nach dem anderen zu planen.

Nyke Slawik

stellv. Vorsitzende des Berliner Verkehrsausschusses

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Sie kämpfe für eine Verkehrswende, die „nicht auf das alte Modell Straßenbau setzt“, sondern auf ein klimaschützendes Mobilitätskonzept, sagt die Leverkusenerin. Sie weiß aber auch: Die Grünen allein werden das in Berlin nicht durchsetzen können: „Die Mehrheit des Bundestages ist noch nicht beim Klimaschutz angekommen“, sagt sie und spricht von „direkt gewählten Lobbyisten für den Straßenbau“.

Ja, sagt Laura Kraft: „Die SPD möchte genau so viele Straßen wie die FDP! Dabei haben wir weder das Geld noch das Personal dafür.“ Allein in NRW gebe es schließlich 873 besonders sanierungsbedürftige Brücken. Die Politik habe den Auftrag zur Transformation der Wirtschaft, in der Region gebe es viele innovative Unternehmen: „Wird die Route57 gebaut, müssen wir hier über die Dekarbonisierung nie wieder reden!“ Es sei zudem „Quatsch“, dass ohne die Kette an Ortsumgehungen Wittgensteiner Arbeitsplätze in Gefahr seien.

Naturschützer-Urgestein Friedrich Henstorf erläutert der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne, r.) und der stellv. Vorsitzenden des Bundestags-Verkehrsausschusses, Nyke Slawik, wo die Südumgehung das Buschhüttener Mattenbachtal einmal durchqueren soll.

Naturschützer-Urgestein Friedrich Henstorf erläutert der heimischen Bundestagsabgeordneten Laura Kraft (Grüne, r.) und der stellv. Vorsitzenden des Bundestags-Verkehrsausschusses, Nyke Slawik, wo die Südumgehung das Buschhüttener Mattenbachtal einmal durchqueren soll.

Südumgehung: Reit- und Fahrverein hat geklagt

Dr. Gert Bültermann, Vorsitzender des gegen die Südumgehung klagenden Reit- und Fahrvereins Kindelsgerg, fasst das nun schon sieben Jahre währende juristische Ärgernis zusammen: Die Pläne für die B508 gefährdeten die Existenz des gesunden Vereins. Im Februar 2021 gab das Oberverwaltungsgericht Münster ihm mit Blick auf die dem Verein abverlangten Ausgleichsflächen Recht: Die Bezirksregierung muss nachbessern (die SZ berichtete). Bültermann: „Wir wüssten allmählich gerne mal, woran wir sind!“

Nicht nur Dr. Gert Bültermann vom Reit- und Fahrverein Kindelsberg und Waldgenosse Rüdiger Becker (2. und 4. v.l.) halten die Pläne für die Südumgehung für nicht akzeptabel.

Nicht nur Dr. Gert Bültermann vom Reit- und Fahrverein Kindelsberg und Waldgenosse Rüdiger Becker (2. und 4. v.l.) halten die Pläne für die Südumgehung für nicht akzeptabel.

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Südumgehung: Das sagen die Waldgenossen

„Wir wehren uns ja nicht grundsätzlich gegen alles“, betont Rüdiger Becker von der Waldgenossenschaft Hauberg Buschhütten. Doch die drohende Zerstörung des Mattenbachtals und damit auch seiner rund 165 Jahre alten Stieleichen sei nicht akzeptabel: „Einen Tunnel hätten wir akzeptiert. Und die Weiterführung der Kette an Ortsumgehungen ist doch der Wahnsinn!“ 70.000 Euro habe man sich Prozesse kosten lassen. Sein Eindruck: „Seit viele Leute im Homeoffice arbeiten, sind doch viel weniger Autos auf den Straßen. In Ferndorf gibt es doch kaum noch Staus, oder?“

Laura Kraft im Mattenbachtal.

Laura Kraft im Mattenbachtal.

Seit viele Leute im Homeoffice arbeiten, sind doch viel weniger Autos auf den Straßen. In Ferndorf gibt es doch kaum noch Staus, oder?

Rüdiger Becker

Buschhüttener Waldgenosse

Gibt es noch Hoffnung, dass die Ortsumgehungskette nicht Realität wird? Diese Frage schwingt über zwei Stunden lang immer auch unausgesprochen mit. „Der Bundesverkehrswegeplan 2030 datiert ins Jahr 2016. Seine Überprüfung hinsichtlich der Verkehrsentwicklung und des Bedarfs ist gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Slawik. „Wir versuchen, eine Gesamtperspektive für den Klimaschutz hineinzubringen. Es macht doch keinen Sinn angesichts Tausender kaputter Brücken, ein neues Straßenbauprojekt nach dem anderen zu planen.“

Am Hubensgut startete der Rundgang durch die Natur.

Am Hubensgut startete der Rundgang durch die Natur.

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Sie sei nicht ganz ohne Hoffnung auf ein gesamtgesellschaftliches Umdenken. Die Vorstellung, dass das Naherholungsgebiet Mattenbachtal mit „tonnenweise Asphalt“ zugebaut werde, gehe auch ihr nahe. „Ohne Südumgehung macht das Großprojekt Route57 keinen Sinn“, glaubt Philipp Kaltenbach vom Bündnis „Natur57″. Seine Kollegin Alrun Treude-Krönert ist sich sicher: „Jeder einzelne Abschnitt für sich würde keiner Wirtschaftlichkeitsprüfung standhalten.“

Je dunkler die Rotfärbung auf der Karte, desto größer sind die "Raumwiderstände" gegen die Planung der Route57. "Ich sehe keine weißen Flecken", merkt Bundestagsabgeordnete Laura Kraft an.

Je dunkler die Rotfärbung auf der Karte, desto größer sind die "Raumwiderstände" gegen die Planung der Route57. "Ich sehe keine weißen Flecken", merkt Bundestagsabgeordnete Laura Kraft an.

„Zeigt das bundesweite Bündnis Verkehrsinitiativen mit über 80 Bürgerinitiativen in Berlin Wirkung?“ Ja, beantwortet Nyke Slawik diese Frage von Naturschutz-Urgestein Friedrich Henstorf. „Weil es parteiübergreifend agiert.“ Henstorf fordert „Lösungen, die den Verkehr reduzieren und keine Trassen, die Verkehr anziehen. Hier sollen über eine Milliarde Euro verballert werden. Und der Effekt? Gegen null.“ Sein Credo: „Hier fordert eine Handvoll Wittgensteiner eine Straße für die eigene Bequemlichkeit.“

SZ

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