Offener Brief fordert Konsequenzen

Nach Entgleisung von Siegener Unternehmer Quast: Hat das Baugewerbe ein Sexismus-Problem?

Frau am Bau: Mit einem offenen Brief fordert der Verein "Frauen in Führung" den Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) auf, Stellung zum Sexismus-Vorfall zu nehmen und die Konsequenzen darzulegen, die daraus folgen, insbesondere in Bezug auf den nötigen Kulturwandel im Verband.

Frau am Bau: Mit einem offenen Brief fordert der Verein "Frauen in Führung" den Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) auf, Stellung zum Sexismus-Vorfall zu nehmen und die Konsequenzen darzulegen, die daraus folgen, insbesondere in Bezug auf den nötigen Kulturwandel im Verband.

Siegen. Das kann so nicht stehenbleiben! Zum Sexismus-Vorfall auf der Bühne des Tag des Deutschen Baugewerbes am 23. November in Berlin nimmt der Verein „Frauen in Führung - Initiative der deutschen Immobilienwirtschaft für mehr Frauen in Führungspositionen“ in einem offenen Brief Stellung. Unterzeichnet haben ihn 48 Menschen aus der Bau- und Immobilienwirtschaft, Fach- und Führungskräfte, Handwerker*innen, Lehrende und Berufseinsteiger*innen. Gefordert wird u.a. eine Stellungnahme des Verbands.

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„Wollen Sie sich ausziehen oder was?“

Bei der Eröffnung des Tags des Deutschen Baugewerbe am 23.11.2022 in Berlin hatte Präsident Reinhard Quast der Moderatorin auf deren Frage „Darf ich Ihnen den roten Teppich ausrollen?“ mit der Gegenfrage geantwortet „Wollen Sie sich ausziehen oder was?“. In das anschließende Gelächter des Siegener Unternehmers stimmten auch Teile des Publikums ein.

Videos von Website und YouTube gelöscht

Wie wenig Problembewusstsein der Verband in Bezug auf die Aussage des Präsidenten hatte, zeige, dass die Aufzeichnung der Veranstaltung zunächst in voller Länge auf die Website und den YouTube-Kanal des Verbands gestellt worden sei. Erst kurz nach der Veröffentlichung des LinkedIn-Posts und den Reaktionen darauf sei das Video von beiden Seiten gelöscht worden. Eine öffentliche Stellungnahme zum Vorfall seitens des Verbands sei bisher ausgeblieben, schreibt „Frauen in Führung“.

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Wir setzen uns für eine offene und inklusive Kultur in der Bau- und Immobilienwirtschaft ein, in der Sexismus keinen Platz hat. Sexismus und Diskriminierung dürfen nicht unkommentiert und folgenlos bleiben.

Offener Brief an den Zentralverband Deutsches Baugewerbe

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner dieses Briefs seien Vereine, Initiativen und Netzwerke der Immobilienwirtschaft sowie Menschen, die als Unternehmer/-innen, Lehrende, Handwerker/-innen, Fach- und Führungskräfte in der Branche tätig sind. „Wir setzen uns für eine offene und inklusive Kultur in der Bau- und Immobilienwirtschaft ein, in der Sexismus keinen Platz hat.

Denn sexistische Äußerungen sind mehr als einfach nur schlechte Witze oder verbale Ausrutscher. Ihre Absicht ist es, existierende Machtunterschiede zu demonstrieren und zu festigen, indem Menschen mit weniger Macht kleingemacht und ausgegrenzt werden. Sexismus und Diskriminierung dürfen nicht unkommentiert und folgenlos bleiben.“

Arbeits- und Fachkräfte werden abgestoßen

Der Vorfall lasse außerdem eine problematische Kultur im Verband und in Teilen der Bauwirtschaft vermuten, die der Branche auch deshalb schade, da sie dringend benötigte Arbeits- und Fachkräfte abstößt. Die Bau- und Immobilienbranche sei bunt und vielfältig. 31 Prozent der Absolvent/-innen im Bereich Bauingenieurwesen und 61 Prozent im Bereich Architektur seien Frauen, in den immobilienwirtschaftlichen Studiengängen liege ihr Anteil bei 45 Prozent.

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Kulturwandel in Verband gefordert

„Mit der Aussage Ihres Präsidenten beim Tag des Deutschen Baugewerbes und Ihrer fehlenden Kommunikation und Positionierung dazu als Verband läuft der ZDB Gefahr, der Branche extrem zu schaden. Wir fordern Sie hiermit auf, öffentlich Stellung zu nehmen und offenzulegen, welche Konsequenzen Sie daraus ziehen, insbesondere mit Blick auf den aus unserer Sicht dringend nötigen Kulturwandel in Ihrem Verband“, heißt es in dem Offenen Brief abschließend.

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