Angeklagter muss Therapie machen

Messerstecher kommt mit Bewährung davon

ap Siegen. Zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf Bewährung verurteilte das Siegener Landgericht am Dienstag einen 53-jährigen Mann aus Netphen. Damit folgte Richterin Elfriede Dreisbach dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft. Strafbar gemacht hat sich der Netphener wegen schwerer Körperverletzung mit dauerhafter Entstellung seines Opfers. Grund für die Verletzung war ein wochenlanger Streit, der Anfang Januar 2020 eskaliert war (die SZ berichtete).

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Mit einem scharfen, acht Zentimeter langen Messer mit feststehender Klinge fügte Ralf Carsten M. seinem 54 Jahre alten Nachbarn eine „sehr tiefe Wunde“ vom rechten Mundwinkel bis zur Ohrmuschel zu. Dabei verlor das Opfer drei Liter Blut und habe „zu Recht Todesangst gehabt”, erläuterte Richterin Elfriede Dreisbach.

Der Geschädigte klagt zudem über „erhebliche Angst” und Alpträume sowie fehlende Empfindungen im Wangenbereich, weshalb er sich seit der Tat vorwiegend durch Flüssignahrung ernähren müsse. Dass der Angeklagte ihm solch eine schwere Verletzung zufügen wollte, könne man ihm jedoch nicht unterstellen, so die Juristin.

Anzeichen einer paranoiden Schizophrenie

Das Strafmaß hängt zum einen mit der verminderten Steuerungsfähigkeit zusammen, die M. zur Tatzeit attestiert wurde. Laut eines psychiatrischen Gutachtens zeigt der Angeklagte Anzeichen einer paranoiden Schizophrenie mit akustischen Halluzinationen. Bereits vor seiner „Impulstat“ habe er das Gefühl gehabt, in seinem Heimatort Netphen hätten sich alle gegen ihn verschworen. Aus diesem Grund habe er immer ein Messer dabeigehabt.

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Schuldminderungsgründe seien außerdem ein Geständnis und Reue sowie eine Entschuldigung bei seinem Opfer gewesen. Darüber hinaus hat sich der einmal wegen Betrugs vorbestrafte Angeklagte bereiterklärt, sich einer ambulanten psychiatrischen Behandlung zu unterziehen. „Das ist für uns eine ganz wichtige Sache“, betonte Dreisbach. Eine stationäre Unterbringung in einer Klinik sei demnach nicht erforderlich – es bestehe keine erhöhte Wahrscheinlichkeit für ähnliche Taten, hieß es in der Urteilsverkündung. „Auf gar keinen Fall“, pflichtete der Angeklagte M. bei.

Berufung gegen dieses Urteil will der Geschädigte nicht einreichen – auch wenn Dreisbach der Meinung war: „Das ist eigentlich zu wenig für die gravierenden Folgen.“ Der Antrag auf Schmerzensgeld war aufgrund eines Formfehlers zuvor abgelehnt worden, da materielle sowie immaterielle Schäden nicht beziffert werden konnten.

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