BIS AUF WEITERES

Das Bundeskanzler

SZ-Redakteur Dr. Andreas Göbel.

SZ-Redakteur Dr. Andreas Göbel.

Am Mittwochabend begrüßte die Moderatorin Sandra Maischberger zwei Feministinnen als Talkgäste: Die Journalistin Petra Gerster und die Autorin Dr. Nele Pollatschek, beides Frauen, die nicht auf den Kopf gefallen sind. Natürlich drehte es sich in dem Beitrag ums Gendern.

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Ich weiser alter Mann, der ich den rapiden Umbau unserer schönen deutschen Muttersprache mit einer Mischung aus Erheiterung und Beklommenheit verfolge, wusste an mancher Stelle nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Lob gab es erstmal von Gerster für meinen geschätzten Kollegen Claus Kleber vom ZDF, der das Verdienst erworben hat, als erster öffentlich-rechtlicher Anchorman neuerdings die sogenannte Genderpause einzulegen, also Bäcker*innen zu sagen, wenn er Bäckerinnen und Bäcker meint. Nicht nur, wer Deutsch als Fremdsprache belegt, wundert sich über die eingelegte Pause zwischen „Bäcker“ und „innen“. Die feministische Sprachwissenschaft nennt das den Glottisschlag. Es macht jetzt überall die Runde. Man scheint bei ARD und ZDF jetzt so sprechen zu müssen. Danke, vielen, vielen Dank einmal mehr, Claus Kleber! Frau Maischberger fragte ihre beiden Gäste, ob das Gendern nicht vielleicht doch dazu beitrage, die Kluft zwischen akademisch-urbanen Deutschen und ihren „einfachen Landsleuten“ zu vertiefen. Ob man es statt Kunstpause nicht doch besser beim sogenannten generischen Maskulinum belassen sollte.

Beispiel: Wenn ich zum Bäcker oder zum Arzt gehe, schließt das beide (oder alle) Geschlechter mit ein. Es ist sozusagen die Institution gemeint. Darauf schien Dr. Pollatschek nur gewartet zu haben. Sie ist gegen das Gendersternchen. In mir stieg kurz Hoffnung auf. Das Deutsche besitze doch das Neutrum, sagte sie. Ein riesiger Vorteil gegenüber anderen Sprachen sei das. Wir sollten künftig das Bundeskanzler sagen, schlug sie vor. Das Bundeskanzler Merkel. Ich bin dann ins Bett gegangen. Es war schon spät.

a.goebel@siegener-zeitung.de

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