BIS AUF WEITERES

Nur der Panzer fuhr

SZ-Redakteur Michael Roth.

SZ-Redakteur Michael Roth.

Schauen wir einmal nach draußen und ordnen die winterlichen Gegebenheiten richtig ein. Stimmt, die Kälte mit minus 22 Grad in Teilen von Wittgenstein ist drastisch. Kollege „howe“ hat das intern nett umschrieben mit der Ortsmarke „Hemschlarsibirsk“. Aber von der „russischen Kältepeitsche“, die uns alle ins Chaos stürzen wird, schreibt für gewöhnlich nur die Boulevard-Zeitung mit den vier Buchstaben. Ein paar Zentimeter Schnee auf Siegens Dächern sind normal, an den Straßen türmen sich keine Schneeberge. Kein Vergleich zum Winter 1978/79, damals starteten die winterlichen Turbulenzen eigentlich schon am 6. Dezember. Ein Freitag, 15 Uhr Kasernenschluss in Braunschweig. Der Gefreite gleichen Namens wollte unbedingt zurück ins Siegerland, mit drei weiteren Jungs aus Hagen gings auf die Autobahn: Kurz hinter Bielefeld schon Schluss mit lustig, Fuß vom Gas, vorsichtig auslaufen lassen. Binnen einer Minute war die vorher trockene Asphaltpiste überzogen mit Blitzeis. Vollstau für zwölf Stunden die ganze Nacht hindurch, mitten in der ostwestfälischen Pampa, kein Ort, keine Helfer, keine Handys, kein Kontakt. Erst mit Tauwetter löste sich die prekäre Zwangslage auf. Dichten Schneefall gab es in dem Jahr erst kurz vor Silvester. Im Januar und Februar fast durchweg Minusgrade und weitere Schneefälle. Für die Bundeswehr kein Grund, ein Manöver abzusagen. Drei Wochen auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne. Als Kradmelder. Auf dem Bock gesessen habe ich keine Minute. Weil: Jeden Tag kam Schnee dazu, die Verwehungen rund um die schlecht heizbaren Baracken wuchsen mannshoch an. Eine Grippewelle raffte fast die gesamte Kompanie dahin, Dutzende Männer waren bettlägerig. Nur der Bergepanzer der Kompanie rückte aus, half beim Räumen der total vom Schnee blockierten Straßen rund um Celle. Zwei Teams im Wechsel, bis spät in den Abend, jeden Tag. Vor diesen Panzerfahrern hab‘ ich heute noch Hochachtung, sie haben damals richtig was geleistet als Katastrophenhelfer.

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m.roth@siegener-zeitung.de

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