Bürgerinitiative sammelt alte Computer

Alte Rechner für junge Leute

In den Räumen von „Hasi“ – Hackspace Siegen – werden die Notebooks so hergerichtet, dass Kinder sie auch für den Distanz- unterricht nutzen können. (V. l.): Sebastian Vitt, David Amend und Franco Ergoi.

In den Räumen von „Hasi“ – Hackspace Siegen – werden die Notebooks so hergerichtet, dass Kinder sie auch für den Distanz- unterricht nutzen können. (V. l.): Sebastian Vitt, David Amend und Franco Ergoi.

nja Siegen. Jung und Alt an einem Tisch: Das ist der Grundgedanke einer Aktion, die in Zeiten der Pandemie mit ihren Unbilden wie Homeschooling viral gegangen ist und auch das Siegerland erreicht hat. Der Name – „Hey Alter! Siegen“ klingt vielleicht zunächst leicht despektierlich – und doch verbirgt sich dahinter eine karitative Idee: Ausgediente oder abgeschriebene Computer, im Idealfall Laptops, können gespendet werden und Schülerinnen und Schülern (nicht nur im Distanzunterricht) neue Lernwelten erschließen helfen. Die Zeit des Homeschooling hat gezeigt, dass in vielen Familien nicht ausreichend Computer zur Verfügung stehen. „Hey Alter“ möchte niederschwellig helfen.

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Die Idee ist in Braunschweig entstanden

Die Zentrale der Siegener Aktion befindet sich in den Räumen des Vereins „Hasi“ – Hackspace Siegen. Dort wird aus vermeintlichem IT-Müll wertvolle Hardware. Initiator vor Ort ist Sebastian Vitt, selbst in der IT-Branche tätig, der auf die in Braunschweig entstandene Idee aufmerksam geworden war. Schon vorher hatte er privat die Initiative ergriffen und 15 ausgediente Notebooks kind- bzw. jugendgerecht eingerichtet und verschenkt. Er steht u. a. in Kontakt mit Schulsozialarbeitern, die wissen, wo es „brennt“. Vitt berichtet beispielhaft von einer Familie, in der sich vier schulpflichtige Kinder ein Handy als „Computer“ teilen: „Und selbst da ist das Display kaputt.“

Seit rund zwei Wochen nun wird bei Facebook mit dem Siegerland-Ableger von „Hey Alter“ geworben bzw. um Unterstützung gebeten. Hier ist Franco Ergoi federführend aktiv. „Wir wenden uns sowohl an Unternehmen als auch an Privatleute“, sagt er. 100 Geräte wurden bislang gespendet, 46 hergerichtet, mit Software bestückt und 19 schon ausgeliefert.

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Bis zu 3000 Computer werden benötigt

Wie hoch schätzt Vitt für das Siegerland den Bedarf? „Ich gehe davon aus, dass angesichts von rund 100 Schulen bis zu 3000 Computer benötigt werden. Wir richten unsere Aktion auf alle Jahrgangsstufen aus. Und denken gar nicht mal in erster Linie an Hartz-IV-Familien, die ja auch 350 Euro staatliche Hilfe für die Anschaffung von digitalen Endgeräten erhalten.“ Zielgruppe seien Kinder, die zu Hause bisher gar nicht oder nur sehr eingeschränkt Zugriff auf Laptop und Co. haben, weil das Geld dafür fehlt. Stichwort: Chancengleichheit. Die I-Pad-Aktion des Landes NRW sei nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Vitt: „Für den Preis eines I-Pads können wir 20 alte Notebooks fit machen.“ Es geht um funktionalität auf dem Schreibtisch

Es geht um Funktionalität auf dem Schreibtisch

„Wir suchen keine High-End-Geräte, sondern vor allem platzsparende Laptops, vielleicht sechs, sieben Jahre alt, weil dort ja alles dran ist – von der Kamera über Lautsprecher bis zum WLAN-Zugang. Einmal hergerichtet, laufen die Oldies wie Schmidts Katze. Uns geht es um Funktionalität auf dem Schreibtisch! Wir bieten den Spendern an, dass wir vor Ort die Festplatten ausbauen. Stichwort Datenschutz. Wir installieren dann neue SSD-Karten. Pro Gerät kostet uns das alles zwischen 50 und 80 Euro. Wir sind also auch auf Geldspenden angewiesen“, sagt Vitt. Hinzu kommen u. a. Maus und Headsets. Die Geräte werden komplett schultauglich eingerichtet. „Vom Usernamen über eine Anleitungs-PDF bis hin zu Browser, Mailprogramm, Open Office und der Teams-Vorinstallation“, berichten Vitt und David Amend, der im Hintergrund fleißig an einem Notebook friemelt und schraubt, das Tobias Bender vom „Caritas-Computer-Club“ am Heckersberg für seine Projekte abholen darf: darunter auch ein Berufsorientierungs-Seminar für Geflüchtete.

Die Geräte gehen nicht direkt an die Schulen

„Wir geben die Geräte nicht an die Schulen ab“, erläutert Vitt. Dort könnten rechtliche Haftungsprobleme zu Schwierigkeiten führen. Ansprechpartner seien vielmehr Schulsozialarbeiter und auch Fördervereine: „Sie können sich bei uns melden.“ Gleiches gelte für potenzielle Spender, die über „Hasi“ auch eine Spendenquittung erhalten. Zwar sei das Projekt in der Corona-Pandemie angelaufen, weil sich in dieser Phase der Bedarf eindrücklich offenbart habe. Doch sollte das Virus einmal besiegt sein, wollen Vitt und Co. weiter am Ball bleiben.

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