Corona-Bonus soll Geringverdiener in Pandemie unterstützen

Einmal-Bonus für Hartz-IV-Empfänger?

Marcel Rotgers wartet vor der Ausgabestelle der Siegener Tafel auf die Zuteilung von Lebensmitteln. Ihn würde die Einmalzahlung von 150 Euro entlasten.

Marcel Rotgers wartet vor der Ausgabestelle der Siegener Tafel auf die Zuteilung von Lebensmitteln. Ihn würde die Einmalzahlung von 150 Euro entlasten.

sabe Weidenau. Sie kommen mit großen Plastiktüten, manche haben kleine Rollkoffer dabei. Unter der HTS in Weidenau stehen einige in Gruppen auf Abstand beieinander, reden, tauschen sich aus. Andere wieder haben sich in die Schlange eingereiht. Die Lebensmittelausgabe bei der Siegener Tafel bedeutet für nicht wenige der bedürftigen Menschen eine Möglichkeit, etwas in den Magen zu bekommen. Jetzt, in Coronazeiten, gibt es zwar keine warme Mahlzeit, aber die Pakete füllen zu Hause den Vorratsschrank.

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Aus eigener Tasche können sie sich Käse, Wurst oder ein paar Extras im Supermarkt mehr schlecht als recht leisten. Die 2 Euro, die sie entrichten müssen für eine gut gefüllte Lebensmitteltüte von der Tafel an der Bismarckstraße, fallen da kaum ins Gewicht.

Hygieneartikel sprengen Budget

Auch Hygieneartikel wie Masken sind teuer und sprengen das Haushaltsbudget der meisten, denn man kann sie natürlich nur eine gewisse Zeit verwenden und muss sie dann neu kaufen. „Bei dem wenigen Geld, das uns zur Verfügung steht, muss man da richtig rechnen. Wir kriegen ja für die Masken nichts dazu“, sagt Sascha Blasius, der mit seiner Partnerin schon seit vielen Jahren zur Ausgabe kommt. Er kaufe ohnehin immer die günstigsten. FFP2, das sei Luxus.

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Hier sollen die am Mittwoch von der CDU/CSU und SPD vereinbarten Hilfen ansetzen. Nicht nur die hart gebeutelten Branchen, wie Gastronomie und die Kultur, sollen zusätzliche Mittel bekommen, auch Familien am Existenzminimum, Geringverdiener oder Hartz-IV-Empfänger sollen durch die beschlossene milliardenschwere Unterstützung Luft zum Durchatmen bekommen. Für einen erwachsenen Grundsicherungsempfänger heißt das im Einzelfall eine Einmalzahlung von 150 Euro. Hilft das weiter? „Das wäre wie Weihnachten und Ostern zusammen“, schwärmt Sascha Blasius, während er auf seine Portion Brot wartet. „Für uns ist das ein Haufen Geld“, sagt der 42-Jährige.

Nicht überall am Treffpunkt unter der HTS gibt es aber den gleichen Beifall für die Einmalzahlung. Einige zusammenstehende Frauen, die ihren Namen nicht nennen mögen, dafür aber ihre Ansichten teilen, sind da skeptisch. „Die Politiker“, sagt eine, „reden im Fernsehen so viel Mist“. Sie glaube nicht daran, dass das Geld überhaupt auf ihrem Konto lande. Und wenn doch, ergänzt Ameti Nedzmije, die ein paar Meter weiter in der Schlange steht, wäre das Geld sicher schnell aufgebraucht. Sie hat Kinder und Enkel, denen sie auch einmal etwas zukommen lassen will. Eine langfristige Hilfe sieht sie in dem Zuschuss also nicht.

Pandemie ist teure Angelegenheit

Aber eines steht fest: Die Pandemie ist für sie eine teure Angelegenheit. Deshalb sei sie froh, ihren kleinen Nebenjob noch zu haben. Natürlich würde sie sich trotzdem über das Geld freuen. „Eine kleine Entlastung ist es schon.“ Das sieht auch Marcel Rotgers so. Er und Ameti kennen sich von der Tafel. Rotgers arbeitet am Heidenberg in der AWo-Werkstatt und ist auch in der Schausteller-Branche aktiv. Er kümmert sich in der Zirkussaison um die Tiere. „Wenn es denn eine Saison gibt“, sagt er ernüchtert. Auch der Zirkus kämpft ums Überleben.

Dorothee Hillgärtner hilft als Ehrenamtlerin bei der Essensausgabe.

Dorothee Hillgärtner hilft als Ehrenamtlerin bei der Essensausgabe.

Mit Corona, fasst er zusammen, sei alles irgendwie schwerer geworden. Er könne das Geld also mehr als gut gebrauchen. Essen kaufen würde er damit, für sich und seinen Hund. Vielleicht sogar etwas in den Wohnwagen investieren, in dem er wohnt.

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Tafel im zweiten Lockdown offen

Auf dem Gelände ist auch Tim Müller, Pressereferent der Siegener Tafel, zugegen. „Jeder Euro bringt natürlich etwas“, gibt er eine Einschätzung ab. Es stopfe Löcher, aber ob das strukturell helfe, das könne er nicht beurteilen.

Glücklich ist er darüber, dass die Tafel – anders als im ersten Lockdown – offen gehalten werden konnte. Und auch viele seiner Kunden seien dafür zutiefst dankbar. Die Weitergabe von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs federe die größten Härten ab. „Viele sind darauf wirklich angewiesen.“

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