Denkanstoß der FDP: „Kleins Ecke“ soll Jugendamtsdomizil werden

Neubau-Idee für alten Schandfleck

Ein Hingucker ist die Uralt-Immobilie an „Kleins Ecke“ in jedem Fall. Doch was man sieht, finden wohl die wenigsten ergötzlich. Einfach abreißen kann man den alten Kasten aber auch nicht.

Ein Hingucker ist die Uralt-Immobilie an „Kleins Ecke“ in jedem Fall. Doch was man sieht, finden wohl die wenigsten ergötzlich. Einfach abreißen kann man den alten Kasten aber auch nicht.

mir Siegen. Jede Stadt hat sogenannte „Lost Places“ – verlassen, aufgegeben, verödet. Meist ohne eine Perspektive. In Siegen ist das etwas anders. „Kleins Ecke“, der verschieferte Schandfleck an der Ecke Koblenzer Straße/Leimbachstraße, dämmert zwar seit den Hausbesetzer-Aktionen in den 80er-Jahren gegen den HTS-Bau vor sich hin, aber das zentral gelegene Areal gilt als Filetstück im Immobiliensektor. Jetzt unternehmen die Freidemokraten aus Stadt und Kreis einen Vorstoß, „Kleins Ecke“ endlich sinnstiftend zu nutzen. „Wir könnten uns gut vorstellen, in einem Neubau die beiden Jugendämter der Stadt Siegen und des Kreises Siegen-Wittgenstein zusammenzuführen“, packt FDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Volker Walter (Stadt) den Kern der Sache in einen Satz. Eingedenk der Tatsache, dass Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden ist, will Walter das Vorhaben seiner Partei als „Denkanstoß mit Hintergrund“ verstanden wissen – halt eine konstruktive Idee mit mittelfristiger Perspektive.

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„Rathaus Weidenau ist sanierungsbedürftig“

Mit im Boot sitzt natürlich die FDP-Kreistagsfraktion mit Guido Müller als Sprecher. Und der beleuchtet das Projekt von einer eigenen Seite. Fakt sei nun einmal, dass die Kreisverwaltung einen Anbau oder Zusatzneubau für ungefähr 80 Leute benötige. „Da liegt es doch nahe, ein solches Vorhaben mit der Stadt Siegen gemeinsam zu realisieren“, gibt sich Müller optimistisch. Sollte Siegen sein Rathaus in Weidenau zumachen, ergäbe sich mit der Verlagerung des städtischen Jugendamtes an eben diesem neuen Standort eine sinnvolle Kooperation. Walter haut in die gleiche Kerbe: „Das Rathaus Weidenau ist sanierungsbedürftig, machen wir uns nichts vor, auch dort muss sich etwas tun.“

Nebenhaus noch immer in Privatbesitz

Zusatzfrage: Wem gehört eigentlich die Eck-Immobilie an „Kleins Ecke“? Guido Müller: „Der Bürgermeister hat mir gesagt, die Stadt Siegen sei der Besitzer.“ Stimmt. Stadtbaurat Henrik Schumann kann sich erinnern, dass der Kauf schon vor seinem Amtsantritt erfolgt sein muss. Auch die Alte Hammerhütter Schule ist städtisches Eigentum. Gleiches gilt für die Aral-Tankstelle nebenan. Einzig das kleine Nebenhaus an „Kleins Ecke“ befindet sich immer noch in Privatbesitz. Ein Verkauf scheint weiterhin fraglich zu sein. Weil aber beide Gebäude eine gemeinsame Hauswand haben, scheidet nach Schumanns Worten ein Abriss des städtischen Hausteils aus. Schumann: „Aber auch an anderer Stelle ist das Quartier sehr kompliziert und klein parzelliert. Wenn schon, dann wollen wir das gesamte Quartier städtebaulich entwickeln.“

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Siegen wartet auf Polizei und Land NRW

Bleibt die Frage nach dem Rathaus Weidenau: Auch an dem Punkt „warten wir die Entwicklung ab, was sich sonst noch im Stadtgebiet ergibt“, sagt Schumann. Und er meint damit das alte Polizeigebäude in Sichtweite des Weidenauer Rathauses. „Es wäre voreilig, jetzt etwas zu beschließen, das man in ein, zwei Jahren vielleicht bereut“, so der Stadtbaurat. Siegen wartet also auf die Polizei und das Land NRW, ob das angestrebte Investorenmodell zum Neubau der Kreispolizeibehörde ins Rollen kommt. Erst dann will man die Diskussion über die Zukunft des Rathauses Weidenau forcieren und finalisieren. Womit wieder „Kleins Ecke“ und ein Doppel-Jugendamt im Schatten des Kreishauses ins Spiel kommen. Fazit von Henrik Schumann: „Alles hängt irgendwie mit allem zusammen.“

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