Extremcamping fürs Klima am Rathausplatz

"Feriencamp" for Future

Hieran wird sich die Rathaus-Belegschaft wohl in den nächsten Wochen gewöhnen müssen: Ein Zeltplatz vor der Haustür. Die Aktivisten vom Klimacamp Siegen campieren auf dem prominenten Platz – vermutlich bis zum Ende der Sommerferien – um auf Versäumnisse in Sachen Klimapolitik aufmerksam zu machen.

Hieran wird sich die Rathaus-Belegschaft wohl in den nächsten Wochen gewöhnen müssen: Ein Zeltplatz vor der Haustür. Die Aktivisten vom Klimacamp Siegen campieren auf dem prominenten Platz – vermutlich bis zum Ende der Sommerferien – um auf Versäumnisse in Sachen Klimapolitik aufmerksam zu machen.

sabe Siegen. Die erste Nacht im Zelt am Siegener Rathausplatz wird wohl ziemlich nass und frostig werden. Und auch sonst hatten sich die Klimaaktivisten vom „Klimacamp Siegen“ ihren Einstieg in ihren Zelt-Protest reichlich anders vorgestellt. Eigentlich wollten sie nämlich vor dem Siegener Rathaus campieren um für die Zukunft zu demonstrieren. Die Idee dahinter: Eine Art Zeltblockade um auf die Klimakatastrophe aufmerksam zu machen. Allerdings hatte die Realität dann wenig von Campingflair – und noch weniger von Demonstration. Die Stadt hatte dem Bündnis nämlich spontan einen sehr viel weniger prominenten Platz zugewiesen. Hinter der Nikolaikirche, Autoparkplatz.

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„Wir wurden hier auf eine unbrauchbare Fläche gedrängt“, sagt Tim Shirley, Mitinitiator der Aktion dazu. „Die Stadt Siegen sperrt sich komplett.“ Als Grund für die Campverlagerung habe das Rathaus den wöchentlich stattfindenden Mittwochsmarkt genannt.

"Wir wurden hier auf eine unbrauchbare Fläche gedrängt." Tim Shirley Mitinitiator der Aktion
Und auch das schlug auf die Stimmung: die Teilnehmerzahl schrumpfte bei Siegerländer Schlechtwetterverhältnissen auf ein Minimum. Nur eine Handvoll Hartgesottener hatte sich zu Beginn dem Aufruf angeschlossen. „Wir rechnen aber damit, dass wir immer mehr werden“, sagt Sprecher Lukas Hübner (21). Groß ist demnach der Frust über den neuen Stellplatz fernab von Publikum, der zwischen den vielen parkenden Autos nicht nur wenig Aufmerksamkeit verspricht, sondern auch dem Platzbedarf nicht gerecht werde. Hier könne man nicht nur ziemlich ungünstig das Nachtlager aufbauen, sondern auch mehr schlecht als recht mit Passanten ins Gespräch kommen. Und das gehöre ja auch zum Ziel der ganzen Aktion, sagt Hübner, der schon an ähnlichen Veranstaltungen in anderen Städten teilgenommen hat. „Mit den Menschen sprechen, aufklären.“

"Stadt hat mit ihren Maßnahmen versagt"

Zum Beispiel darüber, wie wichtig Klima- und Umweltschutz auf Kommunal- und Kreisebene ist. Und dem wurde laut Camp-Bündnis – überwiegend aus „Fridays-For-Future“-, „Extinction Rebellion“- und dem „Offenen Klimabündnis“-Aktivisten (alles Umweltschutzbewegungen) bestehend –, von Bürgermeister Stefan Mues (CDU) und Landrat Andreas Müller (SPD) in ihrer Politik zu wenig Rechenschaft getragen. „Die Stadt Siegen“, so heißt es in der Pressemitteilung, „hat mit ihren Maßnahmen versagt.

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Sie breche mit ihren eigenen sich gesetzten CO“-Reduktionszielen das Pariser Klimaabkommen. Dass sich den angeprangerten Versäumnisse der Politik statt mit einer Fuß- und Fahrraddemo mit dem Zelt entgegengesetzt wird, hat mit Lukas Hübner gute Gründe: „Wir wollen durchgängig Präsenz zeigen, um den Druck zu erhöhen.“

Innenstadt soll autofrei werden

Die Forderung(en): Das Pariser Klimaabkommen einhalten, die hiesige Industrie soll Co2 neutral und die Siegener Innenstadt autofrei werden. Dafür zelten 26-Mann im Schichtbetrieb. Immer drei, den Corona-Auflagen entsprechend, in einem großen Zelt. Die eigene Übergangsbehausung mitbringen und dazu gesellen bleibt verboten – auch das wurde dem Bündnis nicht genehmigt.

Trotzdem wollen die Camper das Beste aus ihrem Klimacamp machen. Auch in der Nacht und sogar bei Regen wolle man bleiben, im Schlafsack ein Symbol an die Regierenden schicken: „Wir bleiben bis ihr handelt.“

Ende? Offen

Wann das Lager wieder aufgelöst wird, hängt nämlich vornehmlich davon ab, wie sehr die Stadtoberhäupter den Forderungen entgegenkommen. So zumindest die Theorie. In der Praxis kommt das Ende der Sommerferien dazwischen – und: „man kann nur eine Versammlung anmelden, die ein Enddatum hat“, sagt Hübner. „Aber wir könnten ein weiteres Camp anmelden.“

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Die Infrastruktur dafür stünde zumindest. Für Toilettengänge zum Beispiel, wurde ein Arrangement mit umliegenden, befreundeten WGs in der Oberstadt getroffen.

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