Halt in Corona-Zeiten

Weniger Kirchenaustritte als im Vorjahr

In der heimischen Region sind im Corona-Jahr 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten als 2019.

In der heimischen Region sind im Corona-Jahr 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten als 2019.

sp Siegen/Betzdorf/Olpe. Warum Menschen sich dazu entscheiden, aus der Kirche auszutreten, kann sehr unterschiedliche Gründe haben, die den Kirchenkreisen selbst nicht immer bekannt sind. Es ist ein recht formaler Akt beim zuständigen Amtsgericht. Dennoch machten diesen Schritt im vergangenen Jahr in der Region weniger Menschen als 2019 – damit liegt die Region im Landestrend. 2020 gab es laut Justizministerium in Nordrhein-Westfalen insgesamt 89.694 Kirchenaustritte. 2019 waren es 120.188. Ob die Corona-Pandemie hier Einfluss genommen hat?

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Wunsch nach Gemeinschaft

Simone Conrad, Superintendentin des ev. Kirchenkreises Wittgenstein, vermutet, dass, „ganz platt gesagt, die Menschen mit anderen Sachen beschäftigt waren“. Aber in Zeiten, in denen viele Beziehungen unfreiwillig gekappt und Kontakte eingeschränkt würden, spielten Beziehungsgeflechte eine besondere Rolle. Den Menschen sei es wichtig, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen „und den Draht nach oben zu behalten“. Und: „Menschen denken noch einmal über die Werte nach, die ihnen wichtig sind.“

Trost und Ruhe in der Kirche

Der Superintendent des ev. Kirchenkreises Siegen, Peter-Thomas Stuberg, vermutet, dass die Pandemie noch einmal sichtbar gemacht haben könnte, wo die Kirche überall aktiv sei und welchen Beitrag sie leiste, beispielsweise mit ihren Kitas, diakonischen Einrichtungen und anderen professionellen Angeboten, die mit den Kirchensteuern gezahlt würden. „Die Kirche tut ihr Gutes, oft eben sehr geräuschlos.“ Aber auch die Möglichkeit, in die Gotteshäuser zu gehen, Trost und Ruhe zu finden, jemanden zu haben, an den man sich mit seinen Sorgen wenden könne. „Das sind alles Beweggründe, zu sagen, wir bleiben in der Kirche“.

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Kirchensteuer kann ein Grund sein

„Vielleicht ist die Kirche oder Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft im Tiefsten doch noch ein Halt für die Menschen“, erwägt Siegens Dechant Karl-Hans Köhle. Den Schritt, aus der Kirche auszutreten, wollten sie da erst einmal nicht tun. Es sei ein Stück Sicherheit, das nicht genommen werde. Ob auch ganz praktische Gründe eine Rolle gespielt haben könnten, wie die Einschränkungen aufgrund des Coronavirus bei den Amtsgerichten, könne er nicht beurteilen, so Köhle. Gründe für Austritt aus der Kirche entnehmen die drei geistlichen Leiter vor allem persönlichen Gesprächen. Sie wissen: Die Kirchensteuer kann ein Grund sein. Die Menschen stellten sich die Frage: „Was ist es mir wert?“ Es sei eine Grundsatzfrage, so Conrad. Die könnte laut Köhle folgendermaßen lauten: „Wenn Glaube in meinem Alltag keine Relevanz hat, warum soll ich dafür dann noch Gebühren zahlen?“ Auch persönliche Enttäuschungen könnten eine Rolle spielen, „da gehen Menschen sehr unterschiedlich mit um. Mein Wunsch wäre, dass die Menschen mit uns sprechen“, sagt Conrad.

Fehlen Beziehungen, folgt der Austritt

„Es gibt nie nur einen Grund, sondern meist eine Wegstrecke“, sagt Stuberg zu der Entscheidung eines Menschen, der Kirche den Rücken zu kehren. Oft fehlten die Bindungen zur Kirche vor Ort, dabei gehe es nicht um die Räumlichkeit selbst, sondern zu den Menschen und Programmen. Die Beziehungen fehlten, dann folge der Austritt.

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