Heftige Medienschelte im Burbach-Prozess

Wachmann leidet unter Verfolgungswahn

Im Burbach-Prozess sagte am Mittwoch ein früherer Wachmann ausführlich aus. Dabei kritisierte er besonders die Rolle der Medien.

Im Burbach-Prozess sagte am Mittwoch ein früherer Wachmann ausführlich aus. Dabei kritisierte er besonders die Rolle der Medien.

mick Siegen. Zehn Angeklagte sind es noch, die im Burbach-Hauptverfahren einem Urteil entgegensehen. Zehn Männer, gegen die inzwischen die meisten Beweise vorgelegt und Zeugen gehört worden sind. Einer von ihnen ist am Mittwoch der Aufforderung von Richterin Elfriede Dreisbach gefolgt, über seine persönlichen Verhältnisse zu sprechen. Bei den anderen gibt es möglicherweise weiteren Beratungs- oder Diskussionsbedarf. Sie sollen bis zur kommenden Woche auf Wunsch der Vorsitzenden noch einmal nachdenken und zumindest erwägen, über ihre Einkommensverhältnisse zu sprechen. Ansonsten müsse die Kammer weitere Ermittlungen „auch bei den Arbeitgebern“ in die Wege leiten. Ganz so ausführlich wie der frühere Wachmann, der an diesem Tag redet, müsse es gar nicht werden, betont die Vorsitzende. Der 36-Jährige hat ausgiebig vor allem über seine Probleme mit den Medien gesprochen, die nach Bekanntwerden der Vorwürfe mehr oder weniger sein Haus belagert hätten. Die ersten „vier oder fünf Wochen“ hat er als geradezu unerträglich erlebt. Die Medienvertreter seien im Kindergarten des Sohnes vorstellig geworden, hätten wissen wollen, „wann der Flüchtlingsschlächter denn kommt“.

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Frau verkraftete Situation nicht

Bis zu 45 Visitenkarten von Journalisten habe er in seinem Briefkasten vorgefunden. Seine Frau sei mit der Sache nicht fertig geworden, habe ihn schließlich verlassen. „Sie können sich das nicht vorstellen, wie das ist, wenn Ihnen plötzlich eine Kamera ins Wohnzimmer leuchtet“, fügt der Angeklagte an, der selbst seither unter Verfolgungswahn litt, zeitweise „über Köln“ in den Siegener Stadtteil gefahren sei, um dort seine Familie zu besuchen, Suizidgedanken gehabt habe. Professionelle Hilfe habe er aber erst vor kurzem gesucht, „weil es nicht mehr ging“. Der Mann hat zwei Jahre als Wachmann gearbeitet, vorher und nachher als Mitarbeiter eines Paketdienstes. Wobei es für die Arbeitgeber nicht einfach sei, jemanden mit einer solchen Geschichte und den regelmäßigen Gerichtsterminen zu beschäftigen. Erst vor kurzem sei eine Aufstiegsmöglichkeit daran gescheitert, betont der Siegerländer, der in Burbach als einer der ersten arbeitete, Betten aufstellte und dachte, es handele sich vornehmlich um Werkschutzaufgaben. Abschließend werden noch ein paar Dienstpläne verlesen und – erstmals in der Siegerlandhalle – die im Rahmen des abgetrennten Verfahrens eingeleiteten Bemühungen erwähnt, den serbischen Zeugen ins Belgrader Konsulat zu bekommen. Was sich wohl noch etwas hinziehen werde, fürchtet Elfriede Dreisbach. Für den 23. Dezember ist noch ein Zeuge geladen.

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