Mit Stirnlampe und Spikes durch die Nacht

SZ-Boten haben es bei Eis nicht leicht

Aufgeweckt in den Tag: Wenn SZ-Botin Katrin Kaemmerer-Münker frühmorgens in Hilchenbach auf Tour geht, sind die
meisten Straßen derzeit noch gar nicht geräumt.

Aufgeweckt in den Tag: Wenn SZ-Botin Katrin Kaemmerer-Münker frühmorgens in Hilchenbach auf Tour geht, sind die meisten Straßen derzeit noch gar nicht geräumt.

rege Siegen/Hilchenbach. Wer läuft so spät durch Nacht und Wind? Nein, es ist nicht der „Vater mit seinem Kind“ wie im „Erlkönig“ von Johann Wolfgang von Goethe, denn der reitet ja durch Nacht und Wind, sondern es ist Zeitungsbotin Katrin Kaemmerer-Münker, die den SZ-Lesern ihre Morgenlektüre an die Haustüre bringt. Wenn die Bedingungen es zulassen, schnürt die laufbegeisterte Hilchenbacherin die Joggingschuhe und nutzt ihre drei Bezirke und die rund 15 Kilometer lange Strecke als Trainingseinheit. Momentan befinden sich die lieb gewonnenen Laufschuhe allerdings im Winterschlaf.

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Rutschpartien sind an der Tagesordnung

Trotz bester Ausrüstung ist es derzeit extrem schwierig, das passende Schuhwerk zu finden, um die inzwischen 198 Jahre alte SZ an den Mann bzw. die Frau zu bringen. „Ich gehe mit Stirnlampe und habe Spikes unter den Füßen. Ohne die geht momentan gar nichts. Aber wenn ganz Hilchenbach unter einer Eisdecke verschwunden ist, rutscht man selbst mit Spikes. Das ist eine absolute Katastrophe. Ich freue mich, wenn es wieder hell ist, denn im Dunkeln sind die Eisflächen kaum zu erkennen. Das macht es noch schlimmer.“Rutschpartien sind während der Kältewelle an der Tagesordnung. „Man ist morgens immer einer gewissen Gefahr ausgesetzt. Bei Schnee und Eis kommt man fast jeden Morgen irgendwo ins Rutschen und landet auch schon mal im Blumenbeet oder bleibt in einem Rosenbusch hängen. Um 4 Uhr ist noch nirgendwo geräumt. Man geht vor die Tür und fragt sich, was erwartet mich heute“, schildert die gelernte Industriekauffrau ihre Einsatzfreude zur früher Stunde, wenn die meisten Menschen noch träumend in ihren Betten schlummern.

Seit 14 Jahren im Dienst der SZ

Wenn es nicht gerade blitzt, donnert oder alle Wege vereist sind, genießt sie die „Nachtarbeit“. „Viele Leute fragen mich, warum ich das mache. Ich genieße die Stille und auch die frische Luft. Ich bin ein Luft-Mensch, auch wenn es eisig kalt ist und der Schupfen an der Nase friert“, ist Kaemmerer-Münker nun schon seit 14 Jahren gern im Dienste des Verlags Vorländer und Rothmaler GmbH & Co. unterwegs.Am Dienstag drehte sie wegen eines personellen Engpasses zusammen mit ihrer achtjährigen Tochter Marie sogar noch eine „kleine“ Ehrenrunde und übernahm spontan fünf weitere Bezirke, u. a. in Helberhausen, Oberndorf, Lützel und Grund sowie im Feriendorf in Müsen. Und die hatten es durchaus in sich, wie sie berichtet: „Manche Häuser sucht man wie die Stecknadel im Heuhaufen, und einige außerhalb gelegene Bauernhöfe sind selbst mit Geländewagen nur schwer zu erreichen.“

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Winter schlägt heftig zu

Während Kaemmerer-Münker bisher einigermaßen unfallfrei durch die dunklen und kalten Morgenstunden gekommen ist, hat es andere Boten böse erwischt: Beinbrüche, Rippenbruch, Gehinerschütterung, Platzwunden und ein Autounfall mit Totalschaden – die Unfallstatistik des Vertriebs der Siegener Zeitung wird von Wintertag zu Wintertag größer. 120 Verteilbezirke stehen inzwischen auf der Ausfallliste.„So heftig und dramatisch wie dieses Jahr haben wir das noch nie erlebt. Um die Uhrzeit, wenn die Zeitung verteilt wird, besteht noch keine Räumpflicht. Entsprechend schwer haben es die Boten, und die brauchen für ihren Weg auch deutlich länger. Die Tendenz der witterungsbedingten Ausfälle ist weiter steigend“, wirbt SZ-Vertriebsleiter Klaus Heun um Verständnis, falls das Blatt mal etwas später als „Punkt 6“ im Briefkasten bzw. in der Zeitungsröhre landet. Eine Bitte, der sich Katrin Kaemmerer-Münker gerne anschließt. Und sobald es die Witterungsbedingungen zulassen, wird sie die SZ im nördlichen Siegerland auch wieder im Eiltempo unters Volk bringen…

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