Neue Wege in der Pandemie

Schinkenhütte trifft Sieghütte

Schinkenhütte an der Sieghütte: Mit ihrem Imbiss wirkt Melanie Bartling zwischen den ansässigen Unternehmen ein wenig fehl am Platz. In der Corona-Pandemie ist der Parkplatz-Verkauf jedoch die einzige Chance aufs wirtschaftliche Überleben.

Schinkenhütte an der Sieghütte: Mit ihrem Imbiss wirkt Melanie Bartling zwischen den ansässigen Unternehmen ein wenig fehl am Platz. In der Corona-Pandemie ist der Parkplatz-Verkauf jedoch die einzige Chance aufs wirtschaftliche Überleben.

pm Siegen. Die ersten Monate des Jahres sind für Melanie Bartling eigentlich eine sehnlich erwartete Zeit der Erholung. „Normal ist es unsere Winterpause“, sagt die gebürtige Kreuztalerin über die Zeit nach den Weihnachtsmärkten und vor dem Beginn der Kirmes-Saison. Doch im Januar 2021 ist durch die Corona-Pandemie alles anders – und die Betreiberin der bei Fleischgenießern beliebten Schinkenhütte kämpft um ihr wirtschaftliches Überleben. Seit rund einem halben Jahr ist Bartling an der Sieghütte „gestrandet“ und versucht auf dem Parkplatz der Firma Bald, Grillschinken, Currywurst und Pommes an den Mann zu bringen. „Der Standort ist eigentlich ganz gut“, findet Bartling. „Wir haben Kundschaft von den Großbaustellen und den vielen umliegenden Firmen. Auch einige unserer Stammkunden kommen regelmäßig.“ Letztere kennen und schätzen die Schinkenhütte vom Weidenauer Weihnachtsmarkt, auf dem die Kreuztalerin seit zehn Jahren Dauergast ist.

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Es ist eine von vielen Stationen in Bartlings Kalender, doch ob Großveranstaltungen wie die Cranger Kirmes in diesem Jahr stattfinden können, ist zurzeit fraglicher denn je. Rund 120 Tage ist die Kreuztalerin jährlich „auf Achse“, lebt mit ihren Kindern in einem Wohnwagen. Doch die geliebte Rundreise von Rummel zu Rummel fällt vorerst flach. Für Schausteller wie Bartling heißt es also umdenken – im Vergleich zum Normalbetrieb ist das Not-Geschäft an der Sieghütte aber nicht mehr als „ein Tropfen auf den heißen Stein“, so Bartling. „Es geht um Schadensminimierung. Es bleibt gerade genug, um irgendwie überleben zu können.“

Etwa 15 bis 20 Prozent des normalen Umsatzes seien momentan möglich. Eine bittere Bilanz, denn viele Kosten laufen unvermindert weiter. Das Ersparte der Familie ist mittlerweile aufgebraucht, die Wohnung gekündigt, das Leben gänzlich in den Wohnwagen verlegt. In ihrer prekären Situation vermisst die Kreuztalerin auch die Unterstützung des Staates. „Es gab leider nur viele falsche Versprechungen. Von den 9000 Euro Soforthilfe haben wir Rechnungen bezahlt, das war es“, berichtet Bartling.

Immerhin: Die Kirmesbuden-Händler halten in der Krise zusammen – und so ist die Kreuztalerin in regelmäßigem Austausch mit ihrer Kollegin Käthchen Müller. Die 71-Jährige, Schaustellerin in generationsübergreifender Familientradition, lockt seit Ende November – mit einer Pause über Weihnachten und Jahreswechsel – auf dem Parkplatz vor dem Real-Markt mit Lebkuchenherzen, gebrannten Mandeln und anderen Leckereien. „Ich habe gute, aber auch sehr, sehr ruhige Tage“, erklärt Müller, die trotz zweier vorläufiger Stellplatz-Zusagen für die kommende Saison nicht allzu positiv gestimmt ist. „Es sieht eher schlecht aus“, so die Siegenerin.

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Zehn Stunden am Tag arbeitet Müller zurzeit, um möglichst viel einnehmen zu können. „Ich mache das gern und bin Gott sei Dank noch fit. Hier und da eine Pause hätte ich mir in meinem Alter aber schon verdient“, bemerkt die 71-Jährige lächelnd. Auf dem Real-Parkplatz an der Eiserfelder Straße hofft sie noch für einige Zeit bleiben zu können. Bis Ende Januar läuft ihr derzeitiger Vertrag. „Wir wollen für uns selbst sorgen und um nichts bitten müssen“, sagt Käthchen Müller und wirkt dabei so, als spreche sie stellvertretend für alle Schausteller-Kollegen. „Wir geben nicht auf“, fügt sie kämpferisch an.

Viele Schausteller-Kollegen wurden zum Aufgeben jedoch schon gezwungen. „Wir schauen auf jeden Cent“, gesteht Melanie Bartling. Auch während der kommenden harten Monate gelte es jedoch, aus der Not weiterhin eine Tugend zu machen. Kollegin Käthchen Müller: „Es ist ein toller Job – wenn nicht gerade so eine Scheißzeit wäre …“

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