Politik muss Bebauungsplan nochmals starten

Johann-Moritz-Quartier in der Mache

Die Aufwertung des Areals an der FJM-Straße in Siegen steht kurz bevor. Der Abriss könnte schon im Winter beginnen (die SZ berichtete exklusiv) und der Neubau bald starten, wenn die Politik Baurecht schafft.

Die Aufwertung des Areals an der FJM-Straße in Siegen steht kurz bevor. Der Abriss könnte schon im Winter beginnen (die SZ berichtete exklusiv) und der Neubau bald starten, wenn die Politik Baurecht schafft.

ch Siegen. Klappe, die zweite. Und „action”. Die Politik, genauer: der Wirtschaftsförderungsausschuss der Krönchenstadt, hat am Donnerstagabend den Grundstein für das geplante Johann-Moritz-Quartier in der Innenstadt gelegt. Das Gremium empfiehlt dem Stadtrat einstimmig, endlich Baurecht zu schaffen und den Entwurf des dafür notwendigen vorhabenbezogenen Bebauungsplans Nr. 451 der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bemerkenswert dabei: So weit war man bereits im vergangenen Sommer.

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Ratsbeschluss aufgehoben

Der Rat der Stadt Siegen hatte schon im Juli 2018 Einleitung und Offenlegung beschlossen. Kurz nachdem der Daumen gehoben worden war, wurden die Pläne vom Investor, der Immobilienprojekte Siegerland (IPS) GmbH, aus Sicht der Stadtverwaltung entscheidend verändert, sodass der politische Beschluss aufgehoben werden musste und der geänderte, neue Entwurf im August 2019 nunmehr zur Beschlussfassung vorgelegt wird.

Schnitt, Ende der Szene. Zur Erinnerung wird der Film kurz zurückgespult. Ziel des Bebauungsplanes ist die städtebauliche Neuentwicklung und die damit verbundene Aufwertung des Areals mit einem Wohn- und Geschäftshaus. Die Hinterhof-Atmosphäre in der Nachbarschaft zu Siegens neuen Ufern soll verschwinden (die SZ berichtete mehrfach): Geplant ist eine architektonisch ansprechende Blockrandbebauung zwischen Bahnhofstraße, Hindenburgstraße und Fürst-Johann-Moritz-Straße, wie Architekt Rainer Oesterreich-Rappaport der Politik gestern noch einmal erklärte.

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Der Gebäudekomplex besteht aus vier Geschossen, zwei abgestuften Dachgeschossen und einem Innenhof mit begrünten Dachflächen und Terrassen. Im Erdgeschoss sollen Flächen für Gastronomie und Handel und in den darüber liegenden Geschossen Flächen für Arztpraxen, Seminar- und Büroräume, unter anderem für die Universität Siegen, Wohnungen sowie Flächen für ein Boardinghouse, sprich: Gästehaus, entstehen.

Abriss des Barmenia-Hauses

Vorgesehen sind laut Rainer Oesterreich-Rappaport im Vergleich zum alten bzw. ersten Entwurf folgende Änderungen: Das Barmenia-Haus wird komplett abgerissen, die Gebäudehöhe wird geringfügig verringert (ein halber Meter), die Handelsflächen werden insgesamt minimiert und auf ihnen ein Lebensmitteldiscounter untergebracht. Die Dachlandschaft wird angepasst, u. a. in Form eines gefälligeren Mansardenwalmdaches. Das Haus der Wissenschaft der Uni Siegen wird ein eigener und fester Bestandteil des Quartiers. Und: Die Investoren planen nunmehr mit einer Tiefgarage, die statt des viergeschossigen Parkinnenhauses nur noch zwei Ebenen für die vermutlich 150 benötigten Stellplätze umfasst. Die aktuellen Pläne sehen noch die optionale Erweiterung um eine dritte Parkebene vor, sodass am Ende rund 220 Parkplätze in der Tiefe vorgehalten werden könnten.

 Passage bleibt erhalten

Wichtig außerdem: Nach Verhandlungen mit den benachbarten Immobilienbesitzern hat die IPS GmbH nun vor, die Passage zwischen Bahnhofstraße und FJM-Straße zu erhalten. Oesterreich-Rappaport, der erneut betonte, dass die Fassadengestaltung den Vorgaben der Gestaltungssatzung der Krönchenstadt entspreche: „Die bereits heute existierende Passage wird auch im Neubau integriert, so dass die fußläufige Verbindung zwischen der Bahnhofstraße und der Fürst-Johann-Moritz-Straße weiter bestehen bleibt!”

"Quantensprung für die Entwicklung der Innenstadt"

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Auch dafür gab es reichlich rhetorischen Beifall von den Ausschussmitgliedern. Joachim Boller (Grüne): „Wir haben von Anfang an das Ziel verfolgt, dass Siegen auch in diesem Bereich eine fußgängerfreundliche Stadt bleibt. Dem entspricht dieser Vorschlag!” IHK-Geschäftsführer und Sachverständiger Hermann-Josef Droege bescheinigte dem Vorhaben insgesamt eine Menge Potenzial: „Das Johann-Moritz-Quartier mit seiner angedachten Mischnutzung ist vorzeigbar. Mehr noch: Nach dem Bau des Sieg-Carrés und nach der Errichtung der Stufenanlage an der Sieg im Zuge der Regionale 2013 kann hier ein großer Wurf gelingen.” Droege sprach vom nächsten Quantensprung für die Entwicklung der Innenstadt des Oberzentrum.

Verkehrsführung ein Problem ... für die ganze City

Sorgen bereiteten dem einen – Boller – oder der anderen – Silke Schneider (Linke) bzw. Tanja Wagener (SPD) – der künftige Verkehrsfluss zwischen der maroden Hufeisenbrücke, der für den Bus-ÖPNV so wichtigen Hindenburgstraße (ZOB-Zubringer) und dem Herrengarten-Areal nach dessen Umgestaltung zur autofreien Zone. Der zusätzliche Verkehr im Zusammenhang mit dem Johann-Moritz-Komplex sei ein zwar ein Thema, befand denn auch Stadtbaurat Hendrik Schumann. Aber mit Blick auf das künftige Verkehrskonzept für die Innenstadt „ist der nur ein Klacks. Die große Lösung müssen wir anderer Stelle und zu anderer Zeit diskutieren.”

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