Projekt „Pflege kennt keine Grenzen“ der Diakonie

Julian Mikli aus Albanien meistert Prüfung zum Altenpfleger

Im Diakonie-Klinikum Jung-Stilling in Siegen kümmert sich Julian Mikli ab sofort als Gesundheits- und Krankenpfleger um seine Patienten.

Im Diakonie-Klinikum Jung-Stilling in Siegen kümmert sich Julian Mikli ab sofort als Gesundheits- und Krankenpfleger um seine Patienten.

sz Siegen. Stolz und überglücklich hält Julian Mikli sein Abschlusszeugnis in den Händen. Der junge Albaner ist seit 2015 in Deutschland – nun darf er sich offiziell examinierter Altenpfleger nennen. Er ist der Erste, der das Projekt „Pflege kennt keine Grenzen“ der Diakonie in Südwestfalen in allen Stufen durchlaufen hat. Dirk Hermann, Initiator und Referent für Freiwilligendienste der Diakonie, unterstützt in dem Projekt seit vier Jahren junge Flüchtlinge dabei, eine Ausbildung in der Pflege zu finden und begleitet sie auf ihrem Weg. Die Idee, geboren im Jahr 2016: „Weil damals viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, haben wir gemeinsam überlegt, wie wir einen Beitrag zur Integration leisten und dem Fachkräftemangel entgegenwirken können“, erzählt Hermann.

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Am Anfang steht ein freiwilliges soziales Jahr

Die Umsetzung der Idee am Beispiel von Julian Miklis Werdegang: Zu Beginn machen die Asylbewerber für zwölf bis 18 Monate ein freiwilliges soziales Jahr (FSJ). Dabei sammeln sie dreimal in der Woche praktisches Wissen im Diakonie-Klinikum oder in Einrichtungen der diakonischen Altenhilfe. An den anderen Tagen büffeln sie Deutsch, um die offiziellen Sprachprüfungen zu bestehen. Die sind Voraussetzung für die spätere Ausbildung. Um die Flüchtlinge auf den Einbürgerungstest vorzubereiten, stehen auch Politik und Sozialkunde auf dem Stundenplan. „Im FSJ können sie den Pflegeberuf kennenlernen. Die meisten entscheiden sich dann auch für eine Ausbildung in der Pflege“, sagt Hermann.

Julian Mikli schafft die Sprachprüfung

Julian erfuhr von einem Freund von dem Projekt und begann im Oktober 2016 ein FSJ im Haus „Obere Hengsbach“, einem Seniorenpflegeheim. „Julian sprach kein Wort Deutsch. Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt“, erinnert sich Hermann. Umso stolzer macht ihn die Entwicklung, die der 24-Jährige durchlaufen hat. Nach erfolgreich abgeschlossener schriftlicher und mündlicher Sprachprüfung erlangte er ein Zertifikat der Stufe B2, das ihm Deutschkenntnisse auf fortgeschrittenem Niveau bescheinigt. Im Dezember 2017 startete er dann seine Ausbildung. Praktika im Diakonie-Klinikum Jung-Stilling und in der ambulanten Pflege festigten seinen Wunsch in der Pflege beruflich Fuß zu fassen. „Es macht mir Spaß, alten und kranken Menschen helfen zu können. Spannend finde ich vor allem den medizinischen Bereich“, so Julian. Deshalb entschied er sich, in der Krankenpflege weiter zu arbeiten und ist heute mit einer unbefristeten Vollzeitstelle in der inneren Medizin im Jung-Stilling-Krankenhaus beschäftigt.

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Ausbildung zu Corona-Zeiten eine echte Herausforderung

Auch für Julian war die Ausbildung zu Corona-Zeiten eine besondere Herausforderung, denn seit März gab es für den jungen Mann keinen Präsenzunterricht mehr. So musste er von zu Hause lernen und Aufgaben lösen. „Es war manchmal schwierig, weil ich zu Hause allein war und nicht mit meinen Mitschülern sprechen konnte“, erzählt er. Die praktische Abschlussprüfung fand nicht wie üblich mit einem echten Bewohner statt, sondern wurde für alle Auszubildenden an einer Puppe nachgestellt. Für Julian etwas bedauerlich: „Ich hätte gerne am echten Menschen gezeigt, was ich gelernt habe“.

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