Schiffshavarie im Suez-Kanal

Auswirkungen auf heimische Wirtschaft

Von der Blockade des Suez-Kanals sind viele Wirtschaftszweige betroffen. Die Autoindustrie zittert beispielsweise aufgrund von unterbrochenen Lieferketten.

Von der Blockade des Suez-Kanals sind viele Wirtschaftszweige betroffen. Die Autoindustrie zittert beispielsweise aufgrund von unterbrochenen Lieferketten.

tile Siegen/Attendorn/Kairo. Die Havarie des Containerschiffes „Ever Given“, das seit Tagen den Suezkanal blockiert, wird auch in der Region aufmerksam und mit einigem Kopfschütteln verfolgt. Das Heck des 220 000 Tonnen-Kolosses konnte inzwischen freigelegt werden, am Montag saß der Bug aber weiterhin fest, rund 400 Schiffe warten darauf, dass sich der „Stau“ nun bald auflöst.

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Nach Angaben des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel nehmen 98 Prozent der Schiffe zwischen Deutschland und China die Route über Ägypten. Die IHK Siegen geht davon aus, dass auch zahlreiche Unternehmen des Kammerbezirks Siegen-Wittgenstein und Olpe von der Verzögerung betroffen sind.

Lieferketten ausgesetzt

„Als erstes fallen einem die Automobilzulieferer und Maschinenbau-Unternehmen ein, die nach Asien exportieren“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener. Andere Branchen dürften jedoch ebenfalls betroffen sein. Lieferketten in beide Richtungen sind ausgesetzt, somit ist auch der Import tangiert. Die Blockade der wichtigsten Seeverbindung zwischen Europa und Asien werde sich zusätzlich zur Pandemie negativ auf die heimische Wirtschaft auswirken, „das kommt jetzt noch on top“, so Klaus Gräbener. In welcher Größenordnung kann die Kammer noch nicht absehen.

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„Wir verfolgen das sehr genau“, bestätigt Uwe Stupperich, Geschäftsführer von MG International. „Der Suezkanal ist das Nadelöhr schlechthin auf dem Weg nach Asien, aber auch den subindischen Kontinent. Das hat mit Sicherheit Auswirkungen.“ Für rund 30 bis 40 Kunden aus der Region überwacht das Logistik-Unternehmen aus Siegen, wo sich deren Frachten gerade befinden. Selbst wenn die „Ever Given“ nun zeitnah ganz frei gelegt sein wird, rechnet Uwe Stupperich damit, dass es „noch mehrere Wochen Rückstau gibt, da der Kanal teilweise nur im Wechselverkehr befahren werden kann“.

Wohl keine Schadenersatzansprüche

Insgesamt würden die Folgen wohl noch Monate zu spüren sein. Ob ein Fall von „Havarie grosse“ vorliege, sodass entstandene Mehrkosten zwischen Reederei und Frachtkunden geteilt werden, sei offiziell noch nicht festgestellt worden. Schadenersatzansprüche würden aber wohl nicht durchgesetzt werden können.

Einige Reedereien hätten einige ihrer Schiffe spontan umgeleitet und führten sie nun um das Kap der Guten Hoffnung um die Südspitze Afrikas herum. Hier würden den Frachtkunden aufgrund der Verträge vermutlich keine Mehrkosten drohen, meint Uwe Stupperich. Eventuell müssten aber geplante Montagetermine neu organsiert werden.

Mehrkosten könnten wegen längerer Lagerzeiten indes auf Unternehmen zukommen, deren Güter jetzt schon in den Häfen darauf warten, verladen zu werden. Nicht absehbar sei, ob und wie die Reedereien die Frachtkosten anheben werden, die Corona-bedingt ohnehin auf hohem Niveau sind.

Kirchhoff Automotive gibt derweil Entwarnung. Der Automobilzulieferer aus Attendorn verschifft aktuell keine Fracht Richtung Asien, erwartet aber Befestigungsteile aus Taiwan. Zwar schmelze derzeit das Lager etwas, aber man sei ausreichend für die kommenden sechs Wochen bevorratet. Die Produktion sei nicht gefährdet.

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