Schmutzige Futterstellen Grund für Krankheiten

Immer weniger Vögel

Ein hübsches Kerlchen ist die Blaumeise. Mit 2145 gezählten Exemplaren führt sie die Liste der „Stunde der Wintervögel“ in den Gärten des Kreises Siegen-Wittgenstein an.

Ein hübsches Kerlchen ist die Blaumeise. Mit 2145 gezählten Exemplaren führt sie die Liste der „Stunde der Wintervögel“ in den Gärten des Kreises Siegen-Wittgenstein an.

goeb Siegen/Olpe/Betzdorf. Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion“, so nennt der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbundes Deutschland, Leif Miller, die „Stunde der Wintervögel“, an der in der Zeit vom 8. bis 10. Januar 236 000 Menschen teilgenommen haben, darunter auch viele heimische Vogelfreunde. Dass dies eine Steigerung um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet, ist möglicherweise dem Corona-Lockdown geschuldet. Mehr Menschen als sonst sind zu Hause und freuen sich über Abwechslung. Die Beobachtungsstunde am Fenster oder im Wintergarten mit „bewaffnetem Auge“ bietet für viele eine angenehme Unterbrechung der Routine.

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Zweitniedrigster Wert seit Beginn der Aktion

Rekord-Teilnahme unter den Menschen – leider keine Rekord-Teilnahme unter den gefiederten Freunden, so lässt sich das Ergebnis zusammenfassen. In den Gärten, in denen gezählt worden ist, kamen die Hobby-Ornithologen nur auf durchschnittlich 34,5 Vögel, der zweitniedrigste Wert seit Aktionsbeginn vor zehn Jahren (12 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt). Schlechter, heißt es in einer ersten Bewertung, sei es nur 2017 gewesen. Auch damals hätten besonders die typischen Futterplatzbesucher gefehlt, nämlich sämtliche Meisenarten, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer – alles Arten deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind. Bis kurz vor der Zählung sei der Winter europaweit sehr mild gewesen und die Zuzügler ausgeblieben.

Deutlich weniger Grünfinken als früher

Rekordwerte erreichten dagegen Standvogelarten wie Haussperling und Stadttaube sowie Arten, die grundsätzlich mildere Winter bevorzugen, wie Rotkehlchen und Ringeltaube. Ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden kann, liefert der Grünfink. Sein Abwärtstrend setzt sich leider unverändert fort. Diesmal wurden nur noch 0,9 Grünfinken pro Garten gemeldet. Im SI-Kreis liegt er knapp über dem Schnitt. Damit gibt es heute nur noch ein Viertel der Grünlinge, die 2011 noch die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an Futterstellen (besonders im Sommer). Klaus Schreiber vom NABU Siegen-Wittgenstein, als auch Michael Frede, Wiss. Mitarbeiter der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein, appellierten an die Naturfreunde, bei Fütterungen peinlich genau auf Sauberkeit zu achten, da sich dort inzwischen viele Arten mit Krankheitserregern infizierten. Der NABU hatte vor wenigen Wochen sogar dazu geraten, wegen des Finkensterbens die Fütterung einzustellen.

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Futterstellen säubern

Klaus Schreiber aus Geisweid ist bewusst, dass für viele die Fütterung natürlich ein Quell der Freude darstellt und viel Abwechslung bietet in recht ereignislosen Zeiten. „Ich möchte appellieren, jeden Tag die Futterstellen zu säubern. Die Zeit muss man sich nehmen.“ Frede erklärte auf Nachfrage, dass insbesondere alte Futterreste am Boden, vermischt mit Vogelkot, regelrechte Bakterien- oder Virenschleudern sein könnten. Die Bestandsminderung beim Grünfink sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch darauf zurückzuführen. Frede: „Wir müssen uns verstärkt auf solche Krankheiten einstellen. Wir hätten uns das vor Jahrzehnten auch nicht vorstellen können. Aber es ist nun mal Fakt, dass sich das Klima ändert.“

Bestand der Amseln stabilisiert sich

Seit 2011 nehmen die Winterbestände von Vogelarten, die auf Zuzug aus dem Norden und Osten angewiesen sind, ab. Dies sei Ausdruck einer Entwicklung, die mit einigen harten Wintern begann und zuletzt eine lange Reihe milder Winter aufwies. Je milder der Winter, desto geringer die Neigung der Vögel in wärmere Regionen im Süden und Westen auszuweichen. Die fünf am häufigsten gemeldeten Arten waren Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Im Vergleich zum Vorjahr haben nur Feldsperling und Blaumeise die Plätze getauscht. Die Amsel erholt sich weiter langsam von ihren Tiefstwerten nach der schweren Usutu-Epidemie des Sommers 2018. „Ich hatte befürchtet, dass die Zahlen nicht gut sein würden, bin nun aber positiv überrascht darüber, dass die Amsel sich wieder stabilisiert hat“, so Frede. Gegen den Bundestrend stemmt sich bei uns auch die Blaumeise. Auch die Beobachtung von 49 Kolkraben ist beachtlich. Vor 30 Jahren hätte man kaum einen entdeckt. Er gilt als Art, die sich prächtig erholt hat.

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