Schwerbehinderte ausgenommen

Fahrt zum Impfen muss fast jeder selbst zahlen

Bestimmten Personengruppen werden die Fahrkosten zu Corona-Impfzentren erstattet.

Bestimmten Personengruppen werden die Fahrkosten zu Corona-Impfzentren erstattet.

mir Siegen/Betzdorf/Olpe. Die IKK classic hat den ersten Aufschlag gemacht, noch vor dem am Montag gestarteten Wettlauf um die ersten Impftermine für über 80-Jährige gab es von der gesetzlichen Krankenkasse die Zusage: Bestimmten Personengruppen werden die Fahrkosten zu Corona-Impfzentren erstattet. Klingt zunächst ganz gut und plausibel, ist aber mit einigen Haken versehen. Die Krankenkasse setzt damit nach eigener Darstellung eine entsprechende Empfehlung des GKV-Spitzenverbandes um. „Haben Versicherte einen gesetzlich begründeten Anspruch auf Übernahme der Fahrkosten zu medizinischen Behandlungen, gilt dieser auch für die Fahrt zum Impfzentrum. Die Schutzimpfung gegen das Coronavirus ist hier mit einer ambulanten ärztlichen Behandlung gleichzusetzen“, sagt Frank Göckeler, Regionalgeschäftsführer der IKK classic im Kreis Siegen-Wittgenstein. „Einen generellen Anspruch zur Fahrkostenübernahme gibt es allerdings nicht. Vielmehr ist dieser an bestimmte Voraussetzungen gebunden“, so Frank Göckeler weiter.

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Erstattung der Fahrkosten nur mit Schwerbehindertenausweis

Fahrten zum Impfzentrum mit dem Taxi oder einem höherwertigen Transportmittel werden übernommen bzw. erstattet, wenn Versicherte einen Schwerbehindertenausweis besitzen, auf dem eine außergewöhnliche Gehbehinderung, Blindheit oder Hilflosigkeit angegeben ist (Merkzeichen „aG“, „BI“ oder „H“), oder sie die Pflegegrade 3, 4 oder 5 aufweisen. Bei Personen mit Pflegegrad 3 müsse zusätzlich die Mobilität dauerhaft beeinträchtigt sein. Sollte ein Taxi oder ein Krankentransportwagen für die Fahrt zum Impfzentrum nötig sein, „müssen die entsprechenden Personengruppen außerdem eine ärztliche Verordnung vorlegen“, sagt Frank Göckeler. „Die gesetzlich vorgeschriebenen Zuzahlungen von 5 bis 10 Euro pro Fahrt gelten auch hier. Für Fahrten mit dem privaten Auto kann ein Antrag auf Erstattung der Kosten gestellt werden. Ähnlich sieht es bei der AOK Nordwest aus. Für die Fahrt mit dem Taxi braucht der Impfwillige mit Schwerbehindertenausweis oder mindestens Pflegestufe 3 eine Fahrkostenverordnung. Bestätigt der Arzt die Kriterien, darf der Kunde oder Patient direkt ein Taxi oder einen Mietwagen ordern, die AOK rechnet dann mit den Unternehmen ab. Die Barmer Ersatzkasse ist nach wie vor der Ansicht, Impfteams stellten sicher, „dass auch Personen mit eingeschränkter Mobilität geimpft werden können“, sagt Pressesprecher Tobias Klingen. Sollte das nicht möglich sein, wie etwa in NRW, kann die Kasse die Touren kostenmäßig erstatten. Aber auch hier gilt das nur für Schwerbehinderte und Menschen mit Pflegegrad 3, 4 oder 5.

Am besten bei der eigenen Krankenversicherung nachfragen

Sigrid Averesch-Tietz vom Verband der Ersatzkassen mit Sitz in Düsseldorf stellt klar, dass grundsätzlich nach diesen Regeln verfahren werde, „und zwar unabhängig vom Alter“. Das bedeutet, dass bald auch jüngere Menschen von diesen Regeln profitieren können bzw. bei fehlendem Pflegegrad diese Leistungen nicht gewährt werden. Warum so strikt? Auch ein Mensch mit Pflegegrad 2 kann gebrechlich und stark in seiner Mobilität eingeschränkt sein. „Stimmt, aber so sind nun einmal die Vorgaben, von denen wir nicht entscheidend abweichen können“, gibt Averesch-Tietz Auskunft. Und noch ein Detail: „Fahrtkosten mit Bus oder Bahn werden nicht erstattet.“ Neben den gesetzlichen Krankenkassen gibt es ja noch die privaten Versicherer, die ihr mitunter zahlungskräftiges Klientel mit Luxustarifen vor Nachteilen schützen wollen. Stefan Reker, Pressesprecher des Verbandes der privaten Krankenversicherungen, kann zur Kostenübernahme keine allgemeingültige Aussage treffen. „Dafür ist die Tarif-Landschaft viel zu bunt und vielfältig“, sagt der Experte aus Berlin. „In den meisten Verträgen ist diese Klausel nicht drin, weil es sich nicht um eine medizinische Heilbehandelung handelt.“ Reker gibt allen privat versicherten Menschen den Rat, sich mit der eigenen Krankenversicherung direkt in Verbindung zu setzen.

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