Tag der alten Dinge

Manuela Trefke zeigt ihr emotionales Erinnerungsstück

Jedes Vierteljahr durfte Herbert einen Brief schreiben.

Jedes Vierteljahr durfte Herbert einen Brief schreiben.

ap Siegen. Sie erinnern an damalige Zeiten, zeigen Ahnen oder Urahnen, wecken alte Erinnerungen und lagern manchmal sogar (noch) ganz unberührt in einer staubigen Kiste auf dem Dachboden. Eine besonders rührende Geschichte verbirgt sich hinter den alten Briefen, auf die Manuela Trefke aus Siegen blickt.

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Alle drei Monate einen Brief

„Das hier ist für andere vielleicht nicht mehr als altes, beschriebenes Papier, für mich aber der wertvollste Schatz auf Erden und eine Erinnerung aus einer schlimmen Zeit, die sich nie wiederholen darf”, erzählt Manuela Trefke mit gebrochener Stimme und blickt dabei auf die alten Briefe. Ganz vorsichtig hält sie das dünne, vergilbte Papier mit der verblassten Tinte in ihren Händen. Ob die Briefe aber überhaupt bei ihrem Empfänger ankommen würden, war ungewiss. Herbert wusste ja nicht einmal, ob seine Eltern überhaupt noch lebten. Jedes Vierteljahr durfte er einen einzigen Brief verfassen. Und das tat er. Aber jedes Wort und jeder seiner Sätze wurde kontrolliert. Er erzählte von angenehmem Wetter und warmen Baracken, die über die schweren Stunden hinweg halfen und ihn auf andere Gedanken brachten, von Abwechslung durch Kino und Chor sowie von der leiblichen Versorgung in der Kantine.

Vertrauen und Optimismus

Mit keiner Silbe hatte er sich je über die Zustände während seiner Gefangenschaft in Sibirien beschwert. „Und er hat nie an sich selbst, sondern immer erst an andere gedacht“, erzählt seine Tochter Manuela. „Er war einfach so ein bescheidener Mensch.“ So appellierte ihr Vater in einem seiner Briefe: „Alle haben nichts zum Schicken, deshalb tut mir den Gefallen, und schickt auch mir nichts.“ Im Mai 1948 schrieb Herbert dann: „Ich habe jetzt fast drei Jahre ausgehalten, dann wird es auch ein noch ein paar Monate gehen”, liest Manuela Trefke vor. Das große Vertrauen, seinen Optimismus und die Zuversicht auf bessere Zeiten hatte er in der russischen Kriegsgefangenschaft nie verloren. „Nun möchte ich schließen, in der Hoffnung, dass wir uns bald gesund und munter wiedersehen.” Und so kam es.

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Andenken an einen wundervollen Menschen

Als Manuela zwölf war, verstarb ihr Vater. Was seitdem bleibt, sind das Andenken an einen wundervollen, selbstlosen Menschen und die Briefe, in denen sie sich auch häufig selbst wiedererkennt, wie sie verrät. „Sie zeigen mir bis heute aber auch, wie wichtig es ist, sich gegen Faschismus zu stellen und nicht zu schweigen.”

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