Therese Giehse soll Namensgeberin werden

Volt will Lothar-Irle-Straße umbenennen

Lothar Irle solle nicht als Vorbild geehrt werden, findet die Fraktion.

Lothar Irle solle nicht als Vorbild geehrt werden, findet die Fraktion.

sz Kaan-Marienborn/Siegen. Soll die Stadt Siegen sich von Lothar Irle trennen? Um diese Frage soll es am Dienstag im Kulturausschuss gehen. Die Volt-Fraktion beantragt, die nach dem Heimatforscher benannte Straße in Kaan-Marienborn in „Therese-Giehse-Straße“ umzubenennen. Straßenbenennungen nach Personen werden im Allgemeinen als Ehrung verstanden, als sichtbarer Träger regionaler Erinnerungskultur, heißt es in der Begründung. „Die so geehrte Person wird damit gemeinhin als ,Vorbild’ bewertet.“ Ein solches sei Lothar Irle jedoch nicht. Seine „vermeintliche Verdienste als Heimatforscher und Volkskundler“ resultierten aus „seiner nationalsozialistischen Überzeugung“. Irles Wirken in der frühen Bundesrepublik lasse „keinerlei Distanz zu dieser singulären Mordmaschinerie erkennen“. Sein „Siegerländer Persönlichkeiten- und Geschlechter-Lexikon“ (1974) stehe beispielhaft für seinen ideologischen Hintergrund: „Es nennt Angehörige der jüdischen Minderheit oder der Sozialistischen Parteien nicht oder kaum, wohl aber ausnahmslos positiv Protagonisten des NS-Systems mit und ohne Siegerländer Herkunft.“

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Therese Giehse soll Namensgeberin werden

In Siegen seien nur wenige Straßen nach Frauen benannt, benennen die Antragsteller ein weiteres Argument. Mit Therese Giehse (1898-1975) könne eine deutsche Schauspielerin jüdischen Glaubens geehrt werden, „die überzeugte Gegnerin der nationalsozialistischen Ideologie war, aber auch einen Bezug zur Stadt Siegen hat“. Die junge Schauspielerin trat ihr erstes ordentliches Engagement in der Spielzeit 1920/21 am Theater der Stadt Siegen an. 1933 emigrierte die lesbische Giehse in die Schweiz, wo sie im schon in München gegründeten antifaschistischen Kabarett „Die Pfeffermühle“ Erika Manns auftrat. Durch ihre Interpretationen von Brechts „Mutter Courage“ und der großen Frauenrollen Dürrenmatts wurde sie zu einer der geachtetsten Bühnendarstellerinnen im deutschsprachigen Raum. Ab 1968 gehörte sie dem Ehrenpräsidium der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes an.

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